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Fantasybuch statt Businessplan

Er hat vieles studiert und in Teppichetagen grosser Unternehmen gearbeitet. Jetzt hat Michael Treina ein Fantasybuch geschrieben, in dem er einen ganz anderen Blick auf die Geschäftswelt wirft.

Elias Rüegsegger
Zwischen Lego-Flugzeug und Plastikschienen: Michael Treina wirkt im Kinderzimmer seines Sohnes nicht wie ein Businesstyp.
Zwischen Lego-Flugzeug und Plastikschienen: Michael Treina wirkt im Kinderzimmer seines Sohnes nicht wie ein Businesstyp.

Michael Treina sitzt zwischen Plastikschienen und einem Lego-Flugzeug im Kinderzimmer seines 4-jährigen Sohnes. Der 48-Jährige ist geschieden, sein Sohn wohnt fast die halbe Woche bei ihm. Der Mann aus Grossaffoltern hat viele Jahre studiert und für viele Firmen in hohen Positionen gearbeitet. Zwischen den farbigen Bausteinen und Spielfiguren wirkt er aber so gar nicht wie ein Businesstyp.

Statt sich mit Strategien, Fusionen und Grossprojekten zu befassen, hat er nun einen Fantasyroman geschrieben. Er erzählt die Geschichte des Jungen Jo, der aus dem Wald nicht mehr zu seinen Eltern findet. Mithilfe des Zauberers sowie von Bären und Elfen kämpft er dort gegen den Drachenmenschen Salander. Nur so kann er an die Zauberflasche gelangen, mit der sich die Menschheit von einer mörderischen Geldgier befreien liesse.

Zurück in die Kinderstube

2005 hat sich der Autor die Geschichte von der Seele geschrieben. «Das war ein Weckruf an mich selbst.» Er führte Michael Treina zurück in die eigene Kinderstube. Wie Jo im Buch war auch Treina von seinen leiblichen Eltern getrennt. Die ersten Jahre konnte sich seine Mutter nicht um ihn kümmern, und seinen Vater lernte er mit 20 Jahren in Malaysia kennen. Lange habe er seine eigene Geschichte verdrängt – Ausbildung und Karriere standen im Vordergrund.

Treina studierte Medizin und Geografie, hat in Wirtschaft promoviert. Er war Vizedirektor bei Ernst&Young, hat ein eigenes Beratungsunternehmen gegründet und war zwischendurch als Generalsekretär am Inselspital tätig. Heute doziert er an der Uni Bern zu strategischem Management. Auf hoher See bildete er Segler zu Skippern aus, zeitweise ist er als Lastwagenfahrer unterwegs. Momentan macht er die Ausbildung zum Kinesiologen und arbeitet vermehrt als Therapeut und Coach in seiner Praxis. In seiner Freizeit malt und schreibt er – wenn auch nur «hobbymässig», wie er sagt.

«Menschen, nicht Moneten»

Ist dieser Mann mit seinen vielen Referenzen ein Überflieger , oder hat er einfach keine Geduld?

Geduld musste Treina bislang nicht beweisen. Schnell hat er sich in diversen Firmen Treppchen für Treppchen hochgearbeitet. «Ich wollte bewegen, wollte die Wirtschaft kennen lernen.» Sein bisheriges Tun sei geprägt von Kopfarbeit: «Szenarien, Optionen, Theorien – alles kühl und sehr berechnend.» Treina blickt kritisch auf seine Karriere zurück: «Es geht in den Chefetagen grosser Unternehmen fast nur um Geld und Macht.»

Für Michael Treina ist sein Roman ein Wendepunkt: «Es geht im Leben schliesslich um den Menschen, um seine Seele. Nicht nur um Moneten.» Diese Überzeugung sei auch für den Jungen in seiner Geschichte entscheidend, der gegen die um sich greifende Geldgier kämpfen müsse.

«Wir sind wie Getriebene – im heutigen Wirtschaftssystem», diagnostiziert Treina, «Topmanager und Politiker besonders.» Was bedeuten diese Gedanken für ihn selber? Beschränkt er sich nun auf einen Beruf? «Beraten und moderieren sind meine zentralen Stärken.» Darauf möchte er sich konzentrieren. Seine Arbeit als Kinesiologe und Lebensberater sowie sein Beratungsunternehmen für Firmen und Manager sind ihm wichtig.

Er will Menschen helfen, die wie er mit seinem Buch an einem Wendepunkt im Leben stehen. Leute, die beruflich stark gefordert seien, liefen Gefahr, «dass sie die eigenen Abgründe verdrängen und ausbrennen», so Treina.

Mahnmahl Carsten Schloter

Und wo liegen die Abgründe des Michael Treina verborgen? Sie hätten mit seiner frühen Kindheit zu tun, sagt er. Man müsse die eigenen Abgründe zum Thema machen, «wenn man nicht am Sinn des eigenen Lebens vorbeirennen möchte». Als Mahnmal steht für ihn der Selbstmord von Swisscom-Chef Carsten Schloter. Dieser und Treina waren fast gleich alt, Karrieremenschen, in Scheidung und zerrissen zwischen Leistungswelt und Vatersein. Er habe sich mit seinem Buchprojekt befreien können, glaubt Treina.

Den ehemaligen Swisscom-Chef hätte er gerne beraten. «In den eigenen Abgründen liegt ein grosses Potenzial. Aber man muss lernen, mit seiner Seele zu sprechen.»

Vernissage: Am Freitag, 18.Oktober, 19 Uhr, präsentiert Michael Treina im Kirchgemeindehaus in Grossaffoltern das Buch «Jo und der Kampf um die Zauberflasche»: Rex-Verlag, 150 Seiten, 19.80 Franken.

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