Fall Urwyler: Insel denkt an erneute Kündigung

Gemäss ­Gerichtsurteil müsste das Inselspital die entlassene ­Ärztin Natalie Urwyler wieder einstellen. Die Insel erwägt aber, ihr erneut zu kündigen.

Der Streit zwischen Natalie Urwyler und dem Inselspital geht in eine weitere Runde.

Der Streit zwischen Natalie Urwyler und dem Inselspital geht in eine weitere Runde. Bild: Nicole Philipp

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Im Diskriminierungsfall der vom Inselspital 2014 entlassenen Anästhesieärztin Natalie Urwyler rückt ein versöhnliches Ende in immer weitere Ferne. Anfang Juli hatte das Berner Obergericht in zweiter Instanz entschieden, dass die Kündigung Urwylers missbräuchlich war und das Inselspital die Ärztin wieder anstellen muss (wir berichteten). Formell ist das Urteil noch nicht rechtskräftig, weil eine verlängerte Rekursfrist bis Anfang September gilt. Noch ist offen, ob das Inselspital den Fall ans Bundesgericht zieht.

Kein Fehlereingeständnis

Allerdings liegt dieser Zeitung ein Schriftwechsel zwischen Urwylers Anwalt Rolf P. Steinegger und dem Anwalt des Inselspitals sowie der Insel-Personalabteilung vor. Man sondierte, wie man eine Wiederanstellung bewerkstelligen oder eine (finanzielle) Alternativlösung finden könnte.

Deutlich wird aus diesen Papieren jedoch: Das Inselspital will Natalie Urwyler nicht wieder anstellen – selbst dann nicht, wenn das Gerichtsurteil, das genau das gebietet, rechtskräftig würde. Nach einer Schutzfrist, die das Gleichstellungsgesetz vorgibt, würde das Inselspital das per Gericht wiederhergestellte Arbeitsverhältnis gleich wieder kündigen und Urwyler zum zweiten Mal «von der Arbeitspflicht freistellen». Die Personalabteilung empfiehlt Urwyler, ihre Anstellung an einem Walliser Regionalspital nicht aufzugeben.

Dem Schreiben ist kein Zeichen eines Eingeständnisses zu entnehmen, dass die Insel Fehler gemacht haben könnte. Im Gegenteil: Es habe keine diskriminierenden Handlungen oder Unterlassungen gegenüber Urwyler gegeben, behauptet die Personalverantwortliche.

Auf Anfrage bestätigt die Kommunikationsabteilung des Inselspitals offiziell, eine erneute Kündigung sei «als Ultima Ratio» eine Option, weil das «zerrüttete Vertrauensverhältnis» zu Urwyler das Arbeitsklima belaste und «sich auf Patientinnen und Patienten auswirken könnte».

Vorwürfe an Urwyler

Natalie Urwyler betont bis heute, dass sie jederzeit als Ärztin und Forscherin an die Klinik für Anästhesiologie und Schmerztherapie (KAS) zurückkehren würde. Dort war der Konflikt mit dem nach wie vor amtierenden Klinikdirektor Frank Stüber eskaliert. Urwyler, die sich vehement für Verbesserungen etwa im Mutterschutz eingesetzt hatte, wurde es nach ihrem Mutterschaftsurlaub verunmöglicht, schrittweise an ihre Stelle zurückzukehren. Sie reichte deshalb Beschwerde wegen Diskriminierung ein – und während die Beschwerde hängig war, kündigte ihr das Inselspital. Die Gerichte taxierten das als Rachekündigung.

Das Inselspital wirft Natalie Urwyler nun vor, Verhandlungen über eine Wiederanstellung oder eine Alternativlösung mit überrissenen Forderungen zu torpedieren. Urwyler verlangt etwa, nur mit Insel-CEO Uwe Jocham zu verhandeln. Oder darüber zu reden, dass sich die Insel entschuldigt und sie selber sowie eine weitere Ärztin in die heute ausschliesslich aus Männern bestehende Klinikleitung der KAS befördert werden. Das will das Inselspital nicht. (Berner Zeitung)

Erstellt: 10.08.2018, 06:12 Uhr

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