Fall Urwyler: Das zähe Ringen geht weiter

Am Mittwoch wurde der Prozess zwischen dem Inselspital und der ehemaligen Oberärztin Natalie Urwyler fortgesetzt. Der fünfte Verhandlungstag verkam zur zähen Angelegenheit.

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Cedric Fröhlich@cedricfroehlich

Der Nachmittag war fast um, als Gerichtspräsidentin Andrea Gysi verkündete: «Ich glaube, wir machen hier eine Pause.» Diese hatten alle Anwesenden nötig. Hinter ihnen lagen acht anstrengende Stunden im Gerichtssaal.

Ein langwieriges Kreuzverhör folgte dem nächsten. Es wurde viel geredet. Etwa über Weisungen, Risikobeurteilungen oder Lohnzahlungen. Sprich: Der fünfte Verhandlungstag im Prozess um die entlassene Oberärztin Natalie Urwyler verkam zu einer zähen Angelegenheit.

Rund zwei Monate nach den ersten Verhandlungen kamen die Parteien am Mittwoch erneut am Regionalgericht Bern-Mittelland zusammen. Urwyler, die promovierte Anästhesistin, wehrt sich dort gegen ihre Freistellung durch das Inselspital.

Sie wirft der Insel und der Leitung der Klinik für Anästhesiologie (KAS) vor, man habe sie loswerden wollen. Weil sie unangenehm gewesen sei. Weil sie auf Missstände hingewiesen habe. Weil sie sich für den Mutterschaftsschutz, überhaupt für die Stellung der Frauen an der Insel, starkgemacht habe. Zweieinhalb Jahre nach der Entlassung fordert sie deshalb Schadenersatz in Millionenhöhe.

Ob an Urwylers Vorwürfen wirklich etwas dran ist, lässt sich auch nach dem jüngsten Befragungsmarathon nicht abschliessend beurteilen. Daran änderten auch die Aussagen diverser Personen aus dem Umfeld des Inselspitals nichts. Unter ihnen war erneut: KAS-Leiter Frank Stüber.

Die Deckung blieb oben

Stüber, ehemaliger Vorgesetzter der Entlassenen, war schon im April als Zeuge vorgeladen. Wie damals versuchte Urwylers Anwalt, ihn aus der Defensive zu locken. Wie damals liess Stüber aber erneut seine Deckung oben. Auf Fragen antwortete er stets umfangreich und rhetorisch sattelfest – aber doch irgendwie nichtssagend.

Wirklich konkret wurde es dann aber doch noch. Etwa, als ein ehemaliger Arbeitskollege Urwylers aussagte. «Es gibt Leute, die sind beliebt. Andere sind es weniger», so der Arzt, der heute nicht mehr im Inselspital tätig ist. Es war offenkundig, zu welcher Kategorie er Urwyler zählt. Auch wenn er persönlich nie grössere Differenzen mit ihr gehabt habe, beteuerte er.

Er hielt ausserdem fest: «Mit Stüber kam ein Führungsstil, den man sich nicht gewohnt ist.» Diskriminierung habe an der KAS habe aber nie geherrscht. Auch er habe wie Urwyler um Forschungszeit kämpfen müssen. Ausserdem sei man in der Anästhesie privilegiert, was das Vereinbaren von Job und Familie betreffe.

Etwas anders tönte eine Mitarbeiterin der Personaldienste. Diese gab zu Protokoll, dass sich bei ihr mehrere Frauen über die Verhältnisse an der KAS beschwert hätten. «Wenn auch nicht alle aus den gleichen Gründen.» Fest steht: Ein Urteil ist weiterhin nicht absehbar.

Berner Zeitung

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