Ex-Spitalchef stimmt in den Chor der Kritiker ein

Bern

Das Komitee der Spitalstandortinitiative kämpft eifrig gegen den Zusammenschluss von Insel und Spital Netz Bern. Nun soll ein Vorstoss im Grossen Rat das Projekt stoppen.

Fabian Schäfer@FabianSchaefer1

Zwei Wochen nach der letzten Medienkonferenz luden SVP-Nationalrat Rudolf Joder und seine Mitstreiter die Medien am Donnerstag schon wieder ein. Wieder ging es dem Komitee, das zurzeit Unterschriften für seine Spitalstandortinitiative sammelt, darum, den laufenden Zusammenschluss von Insel und Spital Netz Bern AG schlechtzumachen.

Mit Roger Kübler trat gestern ein prominenter Kritiker auf: Er war bis 2007 CEO des Spital Netz Bern, zu dem neben Tiefenau und Ziegler die Spitäler Münsingen, Aarberg und Riggisberg gehören. Kübler ging gemäss Redetext mit der Spitalfusion hart ins Gericht. Seine Schlussfolgerung: «Der Kanton Bern kann sich das Inselspital in dieser Form und mit dieser Entwicklung nicht mehr leisten.»

Fundamentales Misstrauen

Kübler misstraut Regierung und Spitalspitze grundsätzlich. Diese haben zwar mehrfach betont, das Ziel des Zusammenschlusses sei, die Patienten in dem Spital zu behandeln, in dem dies am besten und kostengünstigsten möglich ist. Kübler geht aber davon aus, dass der Zusammenschluss einfach mehr Patienten in die Insel bringen solle. Deshalb warnt er vor einem massiven Kostenschub, da die Insel wie alle Unispitäler pro Fall eine 13 Prozent höhere Abgeltung von Kanton und Krankenkassen erhält als andere Spitäler. Deshalb sagte Kübler, Bern werde sich die Insel nicht mehr lange leisten können.

Die Insel reagiert

Die Spitalspitze reagierte gestern mit einer Klarstellung auf Küblers Äusserungen. Darin heisst es unter anderem, seit August seien bereits 30 Patienten, die an der Insel ambulant abgeklärt worden seien, im Tiefenau operiert worden. Sprich: Es würden nicht Patienten in die Insel verschoben, sondern umgekehrt.

Kübler ging auch auf die Mehrfachkündigung von Ärzten des Spitals Tiefenau ein: Wenn «11 von 15 Kaderärzten» weggingen, sei dies dramatisch. Dass die Spitalspitze dies nicht verhindert habe, deute auf «Ignoranz und Inkompetenz» hin.

Gestern trat auch Anne Speiser auf, die Gemeinderatspräsidentin von Zweisimmen, das um sein Spital bangt. Sie warf der Regierung vor, die Landregionen müssten die Mehrkosten der verfehlten Spitalpolitik in den Zentren mittragen und verlören derweil ihre eigenen Spitäler.

Rudolf Joder seinerseits gab bekannt, dass das Komitee den bereits laufenden Spitalzusammenschluss mit einem Vorstoss im Grossen Rat stoppen will. Das dürfte aussichtslos sein, da sich das Kantonsparlament schon mehrfach hinter das Projekt gestellt hatte. Letztmals im März, mit 92 gegen 43 Stimmen.

Berner Zeitung

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