EWB prüft ein neues Holzheizkraftwerk in Bern-West

Bern

Bis 2035 sollen 70 Prozent der Wärme in der Stadt Bern aus erneuerbaren Energieträgern stammen. Das besagt der Energierichtplan, der am Mittwoch vorgestellt wurde.

An einer Medienkonferenz stellten Adrian Stiefel (l.), Reto Nause (m.) und Daniel Schafer den Energierichtplan vor.

An einer Medienkonferenz stellten Adrian Stiefel (l.), Reto Nause (m.) und Daniel Schafer den Energierichtplan vor.

(Bild: Stefan Anderegg)

Ralph Heiniger

Mit Stolz und Begeisterung verkündete der Berner Energiedirektor Reto Nause (CVP) am Mittwoch die Inkraftsetzung des Energierichtplans. Nause sprach von einem «Meilenstein», einem «veritablen Felsbrocken», vom «Erklimmen des Gebirges». Der Energierichtplan sieht vor, dass bis 2035 auf Stadtberner Gebiet rund 70 Prozent der Wärme aus erneuerbaren Energieträgern stammen. Heute liegt dieser Anteil bei lediglich 10 Prozent. Der Löwenanteil der städtischen Heizenergie stammt heute aus Öl und Gas.

Auch in der Stromversorgung setzt der Richtplan auf erneuerbare Energien. Während diese heute die Hälfte der Stromversorgung ausmachen, sollen es ab 2035 rund 80 Prozent sein.

Holzheizkraft im Westen?

Für den städtischen Energieversorger Energie Wasser Bern (EWB) stellt der Richtplan eine grosse Herausforderung dar. «Unsere Bestrebungen basieren auf den Säulen Flexibilität, Finanzierbarkeit und technische Machbarkeit», sagte EWB-Chef Daniel Schafer. Mittelfristig setze die EWB nach wie vor zu grossen Teilen auf Erdgas. Das Erdgasnetz ist verhältnismässig jung. «Es wäre Wertvernichtung, wenn wir dieses Netz nicht mehr nutzen würden», so Schafer.

Um aber den im Richtplan vorgesehenen Hunger nach erneuerbarer Energie zu stillen, wird die EWB neue Netze und Produktionsanlagen bauen müssen – ansonsten klafft eine Energielücke. Eine Option wäre für Schafer der Bau eines Holzheizkraftwerks im Westen der Stadt. «Da die Stadt vor allem im Westen wächst, würden wir dort ein Holzheizkraftwerk bauen», sagte Schafer. Konkrete Pläne für eine solche Anlage gebe es aber noch nicht. Eine weitere, wenig konkrete Option sei die Geothermie. Er sei «sehr zuversichtlich», dass Geothermieprojekte in Zukunft erfolgreich sein würden, so Schafer.

Letztlich wisse man zur Zeit noch nicht genau, wie man diese Energielücke schliessen werde, sagte Reto Nause. «Das ist abhängig von den Technologien, die in 15 bis 20 Jahren marktfähig entwickelt und verfügbar sind.»

FDP: Für den Abfalleimer

Die Reaktionen aus der Politik fallen – erwartungsgemäss – unterschiedlich aus. Während das Grüne Bündnis «sehr erfreut» ist, spart die FDP nicht an Kritik. «Die vom rot-grünen Gemeinderat verkündeten Ziele sind in erster Linie für den runden Ordner», sagte FDP-Fraktionsvize Pascal Rub. Die FDP werde sich gegen staatliche Zwangsmassnahmen und die Einschränkung der Wahlfreiheit von privaten Grundeigentümern «entschieden zur Wehr setzen». Denn: «Höhere Gebäudekosten bedeuten letztlich höhere Mieten», so Rub.

Berner Zeitung

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