EWB plant Hochhaus, das über Bern hinaus leuchtet

Bern

Das Berner Energieunternehmen EWB plant in Ausserholligen einen Neubau. Am liebsten würde EWB ein Hochhaus realisieren, das im Bereich Cleantech neue Massstäbe setzt.

EWB-Parzelle zwischen Bahnhof Europaplatz, Autobahn und Weyerli (weiter links): Hier könnte bald ein Hochhaus stehen.

EWB-Parzelle zwischen Bahnhof Europaplatz, Autobahn und Weyerli (weiter links): Hier könnte bald ein Hochhaus stehen.

(Bild: Urs Baumann)

Christoph Hämmann

Steht in Bern bald ein Hochhaus mit einer Strahlkraft wie Zürichs Prime Tower oder der Roche-Turm in Basel? Was die Höhe angeht, kaum: Da kann die Bundesstadt nicht mit den 126 Metern des Prime Tower oder den 178 in Basel konkurrieren – bisher wird im Bernbiet respektiert, dass die 101 Meter des Berner Münsters nicht überragt werden sollen. Energie Wasser Bern (EWB) prüft aber den Bau eines «Towers», der für Berns Führungsanspruch in einer zukunftsträchtigen Branche stünde – Cleantech, der technologiegetriebenen nachhaltigen Art des Wirtschaftens.

«Wir können hier ein Leuchtturmprojekt verwirklichen», wird der Leiter Immobilien&Services bei EWB, Matthias Reinhard, in einer internen Publikation zitiert. Noch ist viel Spekulation dabei, noch steht EWB erst vor einer Testplanung, in der die Möglichkeiten eines Hochhauses ausgelotet werden. Intern und im Stadtplanungsamt träumt man aber von einem «Cleantech-Tower», der betreffend Energieeffizienz eine Vorbild- und Aufklärungsfunktion übernehmen und als Anschauungs- und Forschungsobjekt dienen könnte.

Fakt ist: Das städtische Energieunternehmen will in einem Neubau an der Stöckackerstrasse 37 seine Büroarbeitsplätze zentralisieren, wie es auf Anfrage bestätigt. Heute steht auf der EWB-eigenen Parzelle neben Autobahn und Weyerli-Bad ein sanierungsbedürftiges Gebäude, in dem unter anderen die städtische Schul- und Büromaterialzentrale eingemietet ist.

Münster-Höhe nicht sakrosankt

Für einen Neubau will EWB drei Varianten prüfen, ein Hochhaus ist eine davon. Die Testplanung beginnt voraussichtlich im April und soll insbesondere städtebauliche Aspekte klären. Die Rahmenbedingungen für die Areal- und Projektentwicklung legen die Stadtbehörden fest. Und diese finden den Standort für ein Hochhaus vielversprechend. «Dieser Standort hat das Potenzial für ein Hochhaus», heisst es beim Stadtplanungsamt.

Möchte man bei der Höhe an die Grenze gehen, könnte ein anderes Projekt etwas weniger westlich vom Stadtzentrum als Referenz dienen: Der Masterplan Inselspital erlaubt Bauten, die 90 Meter in die Höhe ragen. Doch letztlich sind selbst die 101 Meter des Münsters als Höchstmass nicht in Stein gemeisselt. «Ob diese Höhe überschritten werden darf, muss im Einzelfall geprüft werden», heisst es im regionalen Hochhauskonzept der Regionalkonferenz Bern-Mittelland.

Ausserholligen «fliegt»

Unabhängig von der Frage, wie hoch der Cleantech-Tower gebaut werden könnte, hat Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP) «grosse Lust auf einen Turm in Ausserholligen», wie er auf Anfrage erklärt. Das Projekt sei ein weiterer Beleg dafür, dass der lange als Papiertiger geltende Entwicklungsschwerpunkt (ESP) Ausserholligen «definitiv zum Fliegen gekommen ist».

Es sei wie immer, so Tschäppät: «Sobald der erste Kran steht, stellen alle anderen auch ihre Kräne auf.» Nach dem Bau des Hauses der Religionen und der Neugestaltung des Europaplatzes stünden mit EWB und SBB nun «zwei weitere grosse Player bereit, die richtig vorwärts machen».

Mit Blick auf einen möglichen Fachhochschulstandort im Weyermannshaus und die zahlreichen «massiv unternutzten Flächen» attestiert Tschäppät dem ganzen Perimeter weiterhin «ein riesiges Potenzial». Tram, Zug und Autobahn in nächster Nähe und schon bald eine Langsamverkehrsbrücke (siehe Box): «Bern hat mit Ausserholligen und Weyermannshaus einen sensationellen städtischen Standort, der noch lange nicht fertig entwickelt ist.»

Wirtschaftlichkeit zuoberst

Auch Matthias Reinhard von EWB sieht natürlich das Potenzial des Standorts. «Er bietet Bern eine einmalige Chance für einen markanten Bau mit grosser Ausstrahlung», sagt er. Es sei naheliegend, von einem Restaurant in den oberen Stöcken zu träumen, von einer Aussichtsplattform oder von einer öffentlichen Nutzung im Erdgeschoss. Für all das sei es aber noch zu früh: «Alles hängt von der Wirtschaftlichkeit des Projekts ab.»

Abgesehen davon, dass auch andere Varianten geprüft würden, könne erst die Testplanung aufzeigen, was wirtschaftlich am sinnvollsten sei, so Reinhard. «Vielleicht ist ein 60-Meter-Haus mit Platz für 600 Arbeitsplätze wirtschaftlicher als ein 90-Meter-Turm mit 1200 Plätzen.» Wirtschaftliche Vernunft stehe bei der ganzen Vision zuoberst, gefolgt von der Evaluation sinnvoller Nutzungen und einer attraktiven Architektur – und eben, dem Anspruch, einen Cleantech-Leuchtturm zu realisieren. «Wer, wenn nicht wir?», fragt Reinhard und skizziert seine Vision: «Die Anwendung neuster ökologischer Technologien für einen Vorzeigebau bezüglich Energieeffizienz und Nachhaltigkeit über den ganzen Lebenszyklus.»

Finanzieren und bauen wird EWB einen allfälligen Neubau nicht selber. EWB treibt die Entwicklung des Projekts voran, realisieren soll es ein Investor – und EWB die benötigten Räume mit einem Langzeitvertrag vermieten. Die Testplanung dauert voraussichtlich ein halbes Jahr. Die weitere Planung inklusive Volksabstimmung über die zonenrechtlichen Grundlagen dürfte mindestens zwei Jahre in Anspruch nehmen.

Berner Zeitung

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