EWB bietet neu Internet an

Neben Strom, Wärme und Wasser bietet der Stadtberner Energieversorger Energie Wasser Bern (EWB) künftig auch Internetzugänge an. Ganz bernisch heissen die Angebote «Gschwing», «Hurti», «Tifig», «Bouzgredi» und «Vougas».

Mit «ewb.internet» geht der Berner Energieversorger unter die Internet-Provider. (Archivbild)

Mit «ewb.internet» geht der Berner Energieversorger unter die Internet-Provider. (Archivbild)

Der Stadtberner Energieversorger Energie Wasser Bern (EWB) geht unter die Internet-Provider. Unter der Marke «ewb.internet» bietet das Unternehmen neu selber Glasfaser-Verbindungen in fünf Geschwindigkeiten an.

Seine Internet-Produkte nennt EWB sehr bernisch «Gschwing», «Hurti», «Tifig», «Bouzgredi» und «Vougas», wie EWB am Montag mitteilte. Die Produkte kosten je nach Geschwindigkeit zwischen 45 und 255 Franken pro Monat.

Ein Internetanschluss gehöre heute zur Grundversorgung wie Strom, Wärme und Wasser, schreibt das Unternehmen zur Begründung. Mit dem Glasfasernetz, das EWB zusammen mit Swisscom seit ein paar Jahren am Bauen ist, verfüge EWB über die entsprechende Infrastruktur.

Erfolgreiche Testphase

Das Unternehmen sei stark verankert, werde als zuverlässiger Versorger wahrgenommen und kenne den lokalen Markt bestens, sagt dazu Unternehmenssprecher Raphaël Wyss auf Anfrage. Eine Testphase im vergangenen Jahr habe gezeigt, dass EWB als Telecom-Anbieter erfolgreich sein könne.

An diesem Test beteiligten sich rund 100 Personen. Auch führte EWB vor dem Eintritt in den Markt eine Marktforschung durch.

Eine Besonderheit des EWB-Internet-Angebots ist laut der Mitteilung, dass bei den EWB-Anschlüssen das Herunter- und das Hochladen von Inhalten mit gleich grosser Geschwindigkeit geschehen wird. EWB begründet diese Symmetrie mit der ständig steigenden Bedeutung von sogenannten Clouds, also externen Datenspeichern.

Kein Konflikt mit Swisscom

Das Berner Glasfasernetz steht trotz des Markteintritts von EWB weiterhin allen Anbietern offen und die Beziehung mit den bisherigen Service-Providern bleibt unverändert bestehen. Einen Konflikt mit Swisscom ergebe sich nicht, sagt Wyss weiter.

Swisscom und EWB werden auch weiterfahren mit dem Bau des Glasfasernetzes. Sämtliche Wohn- und Geschäftsräume in der Stadt Bern sollen bis 2022 ans Glasfasernetz angeschlossen sein.

Rund 50 Prozent der Stadtberner Liegenschaften sind heute mit Glasfasern erschlossen. 140 Millionen Franken investiert EWB laut früheren Angaben bis 2022, um zusammen mit Swisscom allen Stadtberner Haushalten zu Glasfaseranschlüssen zu verhelfen.

Für Kritiker falsch, für EWB richtig

Diese hohe Investition führte vor zwei Jahren im Berner Stadtrat für eine Kontroverse. Mehrere Stadtratsmitglieder schrieben in einer Interpellation, EWB gehe in einem hart umkämpften Wettbewerb mit dem Bau eines Glasfasernetzes für so viel Geld ein zu hohes Risiko ein.

Diese Kritik wiederholte am Montag auf Anfrage einer der Interpellanten, der EVP-Stadtrat und Informatik-Spezialist Matthias Stürmer. Er finde den Einstieg von EWB in den Internet-Provider-Markt «höchst kritisch». Es sei ordnungspolitisch falsch, dass sich EWB selber an Endkunden richte. Offensichtlich handle es sich um eine Notlösung, weil das geplante Businessmodell nicht aufgehe.

Für EWB geht es aber nicht um eine politische, sondern um eine unternehmerische Frage. Mit dem Bau des Glasfasernetzes habe sich das Unternehmen als Grundversorger zu einer modernen Kommunikationsinfrastruktur bekannt und verschaffe der Stadt Bern damit einen Standortvorteil.

«Nun geht es darum, das Berner Glasfasernetz zu beleuchten; sowohl mit einem eigenen Angebot wie auch zusammen mit den bestehenden Service-Providern», schreibt EWB dazu.

Der Berner Gemeinderat stellte sich im Februar 2013 hinter die Pläne von EWB. Das Unternehmen geschäfte solide, sagte damals der städtische Sicherheits-, Umwelt- und Energiedirektor Reto Nause. Der Aufbau eines Glasfasernetzes müsse nicht kurzfristig, sondern langfristig rentieren.

tag/sda

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