Euphorie? Jetzt oder nie!

Im besten Fall könnte YB bereits am 15. April Schweizer Meister werden. Ist die Vorfreude in der Stadt Bern zu spüren? Ein Rundgang durch die Quartiere.

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Markus Ehinger@ehiBE

Gelb ist eine Trendfarbe. Das sagt Colette Stämpfli, Geschäftsführerin des Ladens Laubfrosch und Schön an der Herzogstrasse und an der Scheibenstrasse. Seit rund einer Woche sind im Schaufenster an der Herzogstrasse gelb-schwarze Kleider ausgestellt. Auch Schaufensterpuppe Olga trägt Gelb-Schwarz, für Kinder gibt es gelbe und schwarze Dreiräder zu kaufen. Ein Zufall? «Nein», sagt Colette Stämpfli.

Die Kleider seien passend zum YB-Höhenflug ausgewählt worden. Und eben: Gelb ist in diesem Frühling eine Trendfarbe. Auch wenn sie sich nicht als grossen Fussballfan bezeichnet, ist Stämpfli wie viele andere Berner im YB-Fieber. Mit ihrem Sohn, der heute 20 Jahre alt ist, sei sie früher regelmässig an die YB-Spiele gegangen. «Im Quartier nimmt man schon wahr, dass es den Young Boys gut läuft.»

Wenig Euphorie in der Stadt

Bei einem Rundgang durch die Stadt fällt aber auf: Die YB-Euphorie scheint optisch noch nicht ganz so gross zu sein. An den Fassaden der Altstadthäuser flattern keine YB-Fahnen. Auch Schaufenster sind nicht YB-mässig geschmückt.

Eine Ausnahme bildet die Storchenbäckerei an der Schauplatzgasse. Beim Sponsor der Young Boys werden – wie während des ganzen Jahres – die berühmten YB-Truffes in den Geschmacksrichtungen Baileys, Zwetschgen und Champagner feilgeboten.

Den Champagner haben die YB-Fans indes noch nicht kalt gestellt. Auch im Westen Berns, im Kirchenfeld oder in der Länggasse ist kaum zu spüren, dass die Young Boys 31 Jahre nach dem letzten Titel im allerbesten Fall bereits am 15. April Meister werden könnten.

Tag nicht vor dem Abend loben

Immerhin: Subjektiv ist im Breitenrainquartier am ehesten eine YB-Euphorie zu spüren – nicht nur wegen des Laubfroschs oder wegen des YB-Fanlokals Halbzeit an der Beundenfeldstrasse. Im «Breitsch» flattern an etlichen Balkongeländern und Fenstern YB-Matchtag-Fahnen. Etwa 10 000 solcher Fahnen wurden mit der Rechnung für die Jahreskarte an die Fans verschickt.

Trotz einzelner Ausnahmen: Es darf spekuliert werden, warum die Euphorie in Bern noch nicht so spürbar ist. Ist es, weil sowieso schon klar ist, dass YB den Titel holt? Oder ist es im Gegenteil, weil viele Fans den Tag nicht vor dem Abend loben wollen? Weil sie erst an den Meistertitel glauben, wenn er wirklich Tatsache ist?

Ein weiterer Grund könnte schliesslich in der zurückhaltenden und bescheidenen Berner Art zu suchen sein. Man kann aber davon ausgehen, dass die Euphorie nach einem Titelgewinn dafür umso grösser sein dürfte (siehe Kasten).

Riesenflagge der Young Boys

Bei den Young Boys selber spüre man die Euphorie deutlich, sagt YB-Kommunikationschef und Vereinspräsident Albert Staudenmann. «Die Menschen fiebern mit YB mit und freuen sich an den Leistungen und begeistern sich für die Mannschaft.»

Für YB als Klub sei indes klar: «Es ist noch genau ein Viertel der Meisterschaft zu spielen. Es gibt für uns nicht den geringsten Anlass, neun Runden vor Schluss an Ende Mai zu denken.»

Dass die Vorfreude wächst, zeigen die Zuschauerzahlen im Wankdorf. Das Spiel gegen den FC Basel am letzten Sonntag war ausverkauft. Für den Match vom 15. April gegen den FC Zürich sind bereits über 21 000 Tickets weg. Auch für die anderen verbleibenden Heimspiele gegen Lausanne, Luzern und Lugano seien bereits deutlich mehr Tickets als sonst verkauft worden.

Für die Heimspiele macht übrigens jeweils auch eine Riesenflagge in den Massen 10 mal 15 Meter aufmerksam. YB platziert diese Flagge jeweils an Orten, die hohe Aufmerksamkeit geniessen und ein schönes Bild liefern. Tatsächlich: Letztmals hing sie an der Bundesterrasse. Fotos wurden in den sozialen Medien fleissig verbreitet.

Berner Zeitung

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