Es wird gebaut ­– und schon geforscht

Bern

Das Gebäude steht noch nicht, die Arbeit wurde aber bereits aufgenommen: Medizin und Wirtschaft arbeiten auf dem Insel-Areal zusammen, damit Patienten rascher von Resultaten aus der Forschung profitieren können.

Hier auf dem Insel-Areal entsteht das neue Forschungszentrum für translationale Medizin.

Hier auf dem Insel-Areal entsteht das neue Forschungszentrum für translationale Medizin.

(Bild: Iris Andermatt)

Von der Forschungsabteilung bis zum Patienten ist es ein weiter Weg: Wird ein neues Medi­kament entwickelt oder wird in der Medizinaltechnik etwas erfunden, kann es Jahre dauern, bis das entsprechende Produkt auf dem Markt ist.

Dieser Prozess soll am neuen Forschungszentrum für translationale Medizin und Unternehmertum, kurz Sitem Insel, vereinfacht und verkürzt werden. Und zwar indem Medizin und Wirtschaft dort eng zusammenarbeiten. «Translation» bedeutet nichts anderes als Übersetzung. Die Sitem Insel AG fördert die Übersetzung zwischen Hochschulforschung, Klinik und Privatwirtschaft.

Neubau nächstes Jahr bereit

Untergebracht wird die Sitem Insel AG in einem Neubau am Eingang zum Insel-Areal. Davon ist im Augenblick erst der Aus­hub zu sehen. Die Parzelle, auf ­welcher der 70-Millionen-Bau zu stehen kommt, gehört dem ­Kanton Bern und wird der Sitem Insel AG im Baurecht abgegeben. Die Finanzierung des Neubaus ist dank privater Aktionäre ge­sichert.

Nationale Bedeutung

Die Forschungseinrichtung selber wird sowohl vom Kanton als auch vom Bund in der Startphase mit je 25 Millionen Franken unterstützt. Der Bund hat Sitem Insel als Forschungszentrum von nationaler Bedeutung eingestuft. Das noch nicht vollständige ­Sitem-Team habe seine Tätigkeit bereits in provisorischen Räumen aufgenommen, war gestern an einer Medienkonferenz zu erfahren.

«Das Forschungszentrum wird Berns Position zwischen den ETH-Hauptstandorten Zürich und Lausanne ­stärken.»RegierungsratChristoph Ammann

Der bernische Volkswirtschaftsdirektor Christoph Ammann unterstrich gestern die Bedeutung des neuen Forschungszentrums für den Kanton Bern. «Es wird Berns Position zwischen den ETH-Hauptstandorten Zürich und Lausanne stärken.»

Damit dieses Ziel erreicht werden könne, müsse sich auch die Wirtschaft stark engagieren. «Das Universitätsspital Insel arbeitet bereits heute eng mit der Privatwirtschaft zusammen. Dank Sitem Insel können bestehende Partnerschaften intensiviert und neue aufgebaut werden.»

Wirtschaft muss mitziehen

Im Sitem-Verwaltungsrat sind zwar die Universität Bern und die Insel-Ärzteschaft vertreten, die meisten Verwaltungsräte aber kommen aus der Privatwirtschaft. «Wir versprechen uns viel vom neuen Zentrum», sagte gestern Uwe E. Jocham, Direktionspräsident des Pharmaunternehmens CSL Behring. Jocham ist Vizepräsident des Sitem-Verwaltungsrats.

Vom Zeitpunkt, an dem ein neues Medikament erforscht werde, bis zur Marktzulassung würden Jahre vergehen, oft gar Jahrzehnte. Für ein pharmazeutisches Unternehmen seien langwierige Prozesse ein klarer Nachteil. «Sitem wird der Frage nachgehen, wie man diese Prozesse optimieren und den administrativen Aufwand so klein wie möglich halten kann.»

An Aufgaben werde es Sitem Insel nicht fehlen, sagte Verwaltungsratspräsident Gabor Sze­kely. Die Schweiz sei zwar ­«Weltmeister» was die Anzahl angemeldeter Patente pro Kopf betreffe, doch nur im Mittelfeld, wenn man die Umsetzung dieser Erfindungen in die Praxis anschaue.

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