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«Es wird eine grosse Herausforderung, aber wir schaffen das»

BernGrosses Interesse, grosse Solidarität: Die Bevölkerung steht dem Asylzentrum im Zieglerspital mehrheitlich positiv gegenüber.

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«Mikro! Lauter!», lärmte es aus den Rängen. Der Informationsabend am Donnerstag begann mit einer kleinen Panne. Das Mikrofon von Gemeinderätin Franziska Teuscher (GB) streikte. Einige Zuhörer machten sie lautstark darauf aufmerksam. Der Abend in der brechend vollen Aula des Gymnasiums Lerbermatt verlief von da an ohne Zwischenfälle. Die Bevölkerung begegnete den Plänen für das Bundeszentrum mit grossem Wohlwollen.

Im Saal wars äusserst ruhig. Konzentriert folgten die rund 500 Anwesenden den Ausführungen der verschiedenen Referenten. Nach rund einer Stunde war die Reihe dann an der Bevölkerung. In einer Fragerunde wandten sich die Leute an die Verantwortlichen.

Gleich zu Beginn bedankte sich eine Anwohnerin bei den anwesenden Vertretern: «Ich bin froh, zu sehen, dass solch kompetente Leute am Werk sind. Wir können hier im Kleinen unseren Beitrag leisten.» Darauf folgte lang anhaltender Applaus. Es war eine von vielen verständnisvollen Wortmeldungen, die an diesem Abend zu hören waren.

«Mir gefällt es, dass freiwillige Mitarbeit erwünscht ist», sagte ein Mann aus dem Spiegel und wollte wissen, was man denn ganz konkret tun könne. Auf diese Frage antwortete Dora Schenk, die sich freiwillig in der Asylunterkunft Riggisberg engagiert: «Sport ist sehr beliebt. Egal, ob Fussball oder Volleyball. Bei uns stehen auch Nähkurse hoch im Kurs – allerdings eher bei den eritreischen Männern.» Der Saal lachte.

Nur wenig Kritik

Kritik wurde nur vereinzelt geäussert. Eine ältere Frau, die unmittelbar neben dem Zieglerspital wohnt, sagte: «Ich kann nur den Kopf schütteln. Alles hier scheint Friede, Freude, Eierkuchen zu sein. Dabei kommen Hunderte Flüchtlinge hierher.» Der Könizer Gemeindepräsident Ueli Studer (SVP) zeigte Verständnis: «Ich bin kein Schönfärber. Es wird nicht alles rundlaufen. Aber die Frage ist doch: Was haben wir für eine andere Wahl? Wir haben jetzt die Chance, etwas Positives zu erreichen.»

Eine Frage eines Bewohners aus dem Mattenhofquartier lautete: «Wird das Bundeszentrum wirklich nur acht Jahre hier sein, oder wird aus dem Provisorium eine Dauerlösung?» Gemeinderätin Franziska Teuscher (GB) blickte zu Barbara Büschi vom Staatssekretariat für Migration und antwortete: «Wir verlassen uns darauf, dass der Bund sein Wort hält.» Und Büschi bestätigte: «Länger bleiben wir nicht. Das Zieglerspital ist die optimale Zwischenlösung.»

Ueli Studer fasste den solidarischen Abend mit seinem Schlusswort zusammen: «Es wird eine grosse Herausforderung. Aber wir schaffen das.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 30.10.2015, 06:48 Uhr

Update folgt...

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