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«Es kann ein wundervoller Ort werden»

Lange träumte er von einem buddhistischen Zentrum in Europa. Im früheren Schulheim Ried wird sein Traum wahr. Der 42-jährige Gyetrul Jigme Rinpoche ist das spirituelle Oberhaupt des Zentrums.

Lucia Probst
Ein lange gehegter Wunsch von ihm wird wahr: Gyetrul Jigme Rinpoche in einer für ihn eingerichteten Nische auf dem Landguet Ried, wo er künftig im neuen buddhistischen Zentrum viel Zeit verbringen will.
Ein lange gehegter Wunsch von ihm wird wahr: Gyetrul Jigme Rinpoche in einer für ihn eingerichteten Nische auf dem Landguet Ried, wo er künftig im neuen buddhistischen Zentrum viel Zeit verbringen will.

Gyetrul Jigme Rinpoche, das Schulheim Ried wird zum buddhistischen Zentrum. Sie sind als Lehrer und Mönch die zentrale Figur. Wieso wählten Sie gerade diesen Ort in Niederwangen?Gyetrul Jigme Rinpoche: Dieser Ort hat einen sehr heilenden Effekt und eine gute Energie. Jetzt bringen wir unsere buddhistischen Gedanken hierher, das passt sehr gut. Es kann ein wundervoller Ort für viele Menschen werden. Menschen, die kommen, um einen Moment des Friedens und des Glücks zu fühlen.

Das heisst, Sie kamen auf das Areal, standen hier und fanden, das ist der Ort, von dem Sie immer träumten. Ja, ganz so dramatisch wie in einem Hollywoodfilm war es zwar nicht. Aber ich fühlte, dass es der richtige Platz ist. Das Schulheim hat, wonach ich suchte: Es liegt in schöner Natur, ist aber auch nicht weit von der Stadt entfernt. Man ist hier verbunden isoliert.

Sie sind der geistige Lehrer für das Zentrum. Weshalb wollen Sie ein solches? Der Grund sind meine Studierenden und Freunde in Europa. Unsere Klöster in Asien sind für sie weit weg. Sie sollen hier einen Ort haben. Es geht nicht darum, sie zu Buddhisten zu machen, aber darum, den Buddhismus in ihre Leben zu bringen, damit sie diesen angepasst an ihre eigene Kultur leben können.

Auf Ihrer Website steht, das Ried soll ein spiritueller Ort für die ganze Welt werden. Ein grosses Vorhaben. Wie ist das gemeint? Damit gemeint ist ein Ort, welcher der Welt gewidmet ist. Das Schulheim hat das Potenzial, zum Ort zu werden, wo sich die buddhistische Philosophie lernen und Meditation praktizieren lässt. Wer das erlebt, kann es in die Welt hinaustragen. So, wie der Wind Samen verweht. Das Zentrum wird vor allem unser Hauptsitz für die europäischen Studierenden sein. Es soll hier lebendig sein, das ist mir wichtig.

Aber Buddhist muss ich nicht sein, um hierherzukommen. Definitiv nicht. Wir planen sehr unterschiedliche Kurse. Manche zu Meditation, andere zu Yoga oder Achtsamkeit allgemein. Das Zentrum Ried soll allen Menschen helfen, ihr eigenes Zentrum zu finden. Aber es werden auch Buddhisten kommen, die auf höherem Level ihre Studien machen. Es dürfte ein wichtiger Platz werden für Buddhisten, die in der Schweiz leben.

Wie oft werden Sie hier sein? So oft wie möglich. Ich habe vor, drei Viertel des Jahres in der Schweiz zu verbringen.

Mögen Sie die Schweiz? Mein erster Stopp in Europa war die Schweiz, da ist etwas, eine Verbindung. Hier leben viele Menschen aus Tibet, und die Alpen sind dem Himalaya nicht unähnlich. Die Landschaft ist mir nicht fremd, die Menschen manchmal schon eher.

Inwiefern? In der westlichen Welt sind Intellekt und Emotionen oft getrennt. Die Verbindung zwischen Verstand und Herz ist gebrochen, das ist ein Problem. Ich glaube, das spüren viele Menschen.

Viele Europäer sind an alten Traditionen aus Asien interessiert. Ja, absolut. Ich denke, das Hauptinteresse an diesen asiatischen Traditionen rührt daher, dass bei ihnen das Herz wichtiger ist als der Geist. Wir Buddhisten brauchen den Geist auch, zum Beispiel für Meditationen – aber um das Herz zu erreichen. Das ist der Punkt.

Was ist Buddhismus für Sie? Er ist wirklich mein Leben, mein Handeln. Buddhismus gibt mir die Möglichkeit und die Kraft, mich selbst zu verändern, nicht starr zu bleiben, menschliche Werte zu lieben und zu schätzen. Sehr einfach finden wir Gründe, um unglücklich zu sein. Doch es ist zentral, dass wir versuchen, unser Glück zu finden. Dass wir spüren, wie wertvoll wir für uns und für andere sind.

Welchen Werten sind Sie besonders verbunden? Der Freundlichkeit und der Barmherzigkeit. Sich um andere zu sorgen, finde ich wichtig. Nicht nur körperlich oder materiell, sondern mit ihnen zu fühlen und ihnen Gutes zu wünschen. Es ist nichts freudvoller, als gutes Denken für und über andere. Buddhas Lehre kann zum Beispiel helfen, Harmonie und Verständnis in Familien zu bringen.

Sie unterstützen auch soziale Projekte. Ja, ich bin ein sozial engagierter Buddhist. Vor 20 Jahren startete ich Projekte in Indien – sie reichen von der Wasserversorgung bis hin zu Schulprojekten.

Können Sie erklären, wieso Sie eine wichtige Person der buddhistischen Ripa-Linie sind? Seit des Beginns im 8.Jahrhundert wird tibetischer Buddhismus von zwei Systemen getragen, Mönchen und Yogis (Laien). Einige wichtige Meister führen ihre Arbeit über mehrere Leben fort und werden dafür wiedergeboren. Andere Meister führen ihre Arbeit über Familienlinien fort. Im 16.Jahrhundert gab es einen grossen Yogimeister namens Pema Deche Rolpa. Er gründete die Ripa-Familienlinie. Als Sohn der Ripa-Familie bin ich der Linienhalter und damit verantwortlich dafür, dass die spirituelle Tradition der Ripa-Linie fortbesteht. Wir sind eine Gemeinschaft von weltweit über 20000 Menschen.

Wie sind Sie aufgewachsen? Ich erhielt eine moderne Erziehung. Das war ein weiser Entscheid meiner Familie und Gemeinschaft. Ich habe so viel über Menschlichkeit gelernt. Mir ist es wichtig, dass der Glaube mit der Welt verbunden ist. Meine sozialen Projekte begann ich lange vor den klösterlichen Engagements.

Manche Menschen in Köniz fragen sich wohl, was jetzt dieses buddhistische Zentrum hier soll. Wie begegnen Sie Skeptikern? Ich lade sie ein. Sie sollen selbst kommen, selber fühlen und sehen, was wir machen. Offenheit ist immer gut, um Zweifel und Skepsis auszuräumen. Das Landguet Ried ist kein exklusiver, sondern ein offener Ort, das ist wirklich mein Ziel.

Gab es kritische Reaktionen? Bis jetzt kaum. Ich erwarte nicht, dass alle unser Zentrum gut finden. Aber ich fände es schön, wenn auch jene diesen Ort respektieren, die selbst nicht kommen mögen.

Sie brauchen viele Spenden für das Zentrum. Von wem erhalten Sie das Geld? Ich weiss das nicht genau, die finanziellen Belange sind nicht meine Aufgabe. Aber soweit ich weiss, kommt das Geld vor allem von Freunden und Menschen, die uns wohlgesinnt sind.

Einerseits steht der Buddhismus für Einfachheit, andererseits brauchen auch Sie viel Geld – das ist ein ziemlicher Gegensatz. Einfach zu leben, heisst nicht, arm zu leben. Man muss auch nicht arm sein, um glücklich zu sein. Wenn du gibst, ist das gut. Wenn du nicht geben kannst, dann geniesse es mindestens selbst, sonst hat gar niemand etwas davon.

Bin ich als Mitglied Ihrer Gemeinschaft also nicht verpflichtet, zu spenden? Es gibt keine Verpflichtung. Aber für die Teilnahme an den Programmen brauchen wir Einnahmen, um das Zentrum zu führen.

Das Zentrum wird am 22.Juli eröffnet. Wie blicken Sie diesem Tag entgegen? Ich bin gespannt, für mich wird es ein sehr symbolischer Tag sein. Fast 20 Jahre meines Lebens war ich immer wieder in Europa, jetzt beginnt eine neue Phase. Es freut mich, dass hier Menschen aus Tibet, dem Himalaya und aus der Schweiz zusammenkommen werden. Es ist ein wunderbarer Ort dafür.

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