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Es gibt fast nur Verlierer

Adrian Zurbriggen, stellvertretender Chefredaktor, zur Absage der ursprünglich auf den 18. März angekündigten MEI-Demo.

Die Vermutung ist nicht sonderlich gewagt: Den Veranstaltern der MEI-Demo ist die Absage ihrer Kundgebung am Ende wohl kaum schwergefallen. Von der Ankündigung bis hin zum Rückzieher am Mittwoch war ihnen viel Präsenz in traditionellen und sozialen Medien gewiss. Ihr Anliegen können sie getrost als platziert abhaken.

Gleichzeitig, quasi als Synergiegewinn, können sie sich als Opfer des rot-grünen Gesinnungsterrors in Bern in Szene setzen; können zeigen, dass sie – im Gegensatz zu den von ihnen als «Linkschaoten» betitelten Opponenten – mit mindestens einem Funken Vernunft gesegnet sind. «Der Schlauere gibt nach, der Esel bleibt stehen», stichelte ihr Vordenker Niels Fiechter maliziös.

Kurz: Die Absage der MEI-Demo ist Wasser auf die Mühlen rechtsbürgerlicher Kreise. Den linksextremen Gruppierungen, welche zu Widerstand gegen die «rechtspopulistische» Kundgebung aufgerufen hatten, ist dementsprechend ein sturzdummes Eigentor gelungen.

Aber das kümmert sie in ihrer autistisch anmutenden Wahrnehmung wohl nicht einmal. Vielleicht bedauert der eine oder andere bloss heimlich das Ausbleiben der Strassenschlacht.

Doch wirklich schlecht, ja verheerend ist die Absage für den Ruf der Stadt Bern. Es war schon eine Bankrotterklärung, dass der Gemeinderat die Demo in seiner augenfälligen Machtlosigkeit nur als Platzkundgebung unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen bewilligte.

Dass sie nun gar nicht stattfinden kann, dass in Bern das Recht auf Versammlungsfreiheit nicht allen garantiert werden kann und dass Toleranz nur auf der einen Seite des Meinungsspektrums gefahrenlos eingefordert werden darf – das ist einfach nur himmeltraurig.

adrian.zurbriggen@bernerzeitung.ch

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