Es geht nicht nur um Geld, sondern auch um Vertrauen

Markus Zahno, Redaktor ­Region Bern, über die ­Haftungsfrage bei der ­Pensionskasse BIO.

Im Nachhinein ist man immer schlauer. Aber auch im Rückblick ist es unverständlich, wie die einstige Pensionskasse der Gemeinden Bolligen, Ittigen und Ostermundigen – die PVS BIO – derart tief ins Schlamassel geraten konnte. Seit 2008 wurde das Loch in der Kasse immer grösser, ­trotzdem setzte der damalige Stiftungsrat weiterhin auf das Prinzip Hoffnung. Und er ­vertraute seinem Pensionskassen­experten, der, wie ein Gutachten später zeigte, keine gute Figur abgab.

Vertrauen und Hoffnung mögen in vielen Lebensbereichen gut sein. Verantwortliche von Pensionskassen dürfen sich aber nicht zu sehr darauf verlassen. Sonst kann es teuer werden, im Fall der PVS BIO insgesamt gegen 60 Millionen Franken teuer. Das ­ohnehin angeschlagene Ostermundigen ist deswegen nicht nur finanziell in eine Krise geschlittert. Auch das Vertrauen der Bürger in die Behörden wurde erschüttert. Die Frage ist berechtigt: Warum musste es so weit kommen?

Niemand unterstellt den Verantwortlichen böse Absicht.Dass «kein strafrechtlich relevantes Verhalten» vorliegt, hat auch die Strafuntersuchung gezeigt. Die Frage ist aber, ob allenfalls Fahrlässigkeit im Spiel war und ob jemand für den Schaden haftbar ist. «Potenziell schadenersatzpflichtig» könnten sein: der ehemalige Pensionskassenexperte, die Revisionsstelle der PVS BIO, der Stiftungsrat, die Stiftungsaufsicht und auch der Gemeinderat. Der soeben ein­gereichte ­politische Vorstoss, der fordert, dass diese Haftungsfrage ­geklärt wird, macht Sinn.

Stiftungsrat und Gemeinderat haben bisher darauf verzichtet, gegen jemanden Zivil­klage einzureichen. Sie argumentieren: Ein Gerichtsverfahren würde lange dauern, sei teuer und habe wenig Erfolgschancen. Das mag stimmen. Trotzdem sollte der Gemeinderat den Versuch wagen. Er sollte zumindest durch einen Fachmann genau abklären lassen, ob jemand zur Rechenschaft gezogen werden kann. Das ist er den Angestellten und den Steuerzahlern, die das Loch in der Kasse stopfen müssen, schuldig.

Letztlich geht es nicht nur um viel Geld, sondern auch darum, Vertrauen zurück­zugewinnen. Verzichtet der Gemeinderat auf eine genauere Untersuchung, wird sich manch einer fragen: Will sich jemand der Verantwortung entziehen? Oder wollen sich Leute in den verschiedenen Gremien, die ­einander gut kennen, gegenseitig nicht auf die Füsse treten? So kann das Klima des Misstrauens weiter gedeihen.

Das kann nicht im Interesse der Ostermundiger Politik sein. Deshalb gilt: Die ­Verantwortlichkeit und die Haftungsfrage genau klären – und dann einen Schlussstrich unter die leidvolle Geschichte ziehen.

Berner Zeitung

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