Wileroltigen

Wileroltigen fühlt sich überrumpelt

WileroltigenRegierungsrat Christoph Neuhaus nimmt einen neuen Anlauf für einen Transitplatz für ausländische Fahrende. Im Fokus der Rastplatz bei Wileroltigen. Der Gemeinderat ist konsterniert.

Das Areal bei Wileroltigen von Fahrenden besetzt. Der Kanton will  hier einen Transitplatz einrichten.

Das Areal bei Wileroltigen von Fahrenden besetzt. Der Kanton will hier einen Transitplatz einrichten. Bild: Christian Pfander

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Sie sind unübersehbar. Ausländische Fahrende mit rund 200 Fahrzeugen machen seit Anfang Juni Zwischenhalt auf einer Wiese neben dem Rastplatz Wileroltigen an der A 1 zwischen Kerzers und Bern. Das könnte in der Zukunft zum Dauerzustand werden. Jedenfalls während der Saison der Fahrenden von März bis Oktober.

Denn der Kanton hat das Areal hinter dem Rastplatz ins Auge gefasst, um dort einen Transitplatz für ausländische Fahrende einzurichten. Der zuständige Regierungsrat Christoph Neuhaus (SVP) hat am Freitag die Präsidenten der Gemeinden Wileroltigen, Gurbrü und Ferenbalm über die Pläne informiert.

Es sei eine «konstruktive und engagierte Diskussion» gewesen, Applaus habe er keinen erhalten, beschreibt Christoph Neuhaus die Information. Es hätte sicher einen besseren Zeitpunkt geben können. Denn in den letzten Wochen kam es zu Spannungen innerhalb der Fahrenden selber und mit der Bevölkerung. Aber in dieser Reisesaison seien die Erfahrungen mit den Verhalten der Fahrenden mehrheitlich positiv gewesen, heisst es in der gestrigen der Medienmitteilung der Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion (JGK).

Räumung verlangt

Edgar Herren, Vizegemeindepräsident von Wileroltigen, zeigte sich nach der Information durch den Regierungsrat unzufrieden. «Ich hatte eigentlich Unterstützung erwartet, aber der Kanton will bei uns einen Transitplatz einrichten.» Der Gemeinderat Wileroltigen möchte, dass der Platz bis zum 31. Juli geräumt wird. Dafür habe man die Personalien der Fahrenden aufgenommen und beim Regierungsstatthalter ein Räumungsgesuch gestellt. Allerdings weiss Herren: Die Gesetzesgrundlage für eine Räumung ist schlecht, da die öffentliche Sicherheit nicht gefährdet ist. «Aber wir machen Druck, denn die Bevölkerung schiesst jetzt auch gegen den Gemeinderat», sagt Herren.

Hier sollen Fahrende in Zukunft Halt machen.

Felder als WC

Er als Landwirt, der einen neuen Stall für Freilandhennen baute, habe ein Problem. «Alles ist verschissen. Die Tiere werden krank, vor zwei Jahren ist sogar eine Kuh an Salmonellen gestorben, weil im Mais menschliche Exkremente waren.» Das Problem sei, dass viele Fahrende die Felder als WC benutzen. Diese seien eingezäunt, was aber diese Menschen nicht abhalte. Herren sagt, es würde ihn nicht stören, wenn die Fahrenden bis Ende September blieben. «Aber mit dieser Sauerei können wir nicht leben, so geht das nicht.»

Das Bundesamt für Strassen Astra sei in Wileroltigen ein Landbesitzer wie jeder andere auch, erklärt Thomas Rohrbach, Mediensprecher des Astra. Ob das Bundesamt etwas an eine allfällige Räumung bezahlen müsste, könne er nicht sagen. Tatsache sei: «Wir können den Rechtsstaat nicht aushebeln, wir haben keine Verfügungsgewalt über die Polizei.» Falls geräumt würde, müsste das Gesetz eingehalten werden, betont Rohrbach.

Schon einmal im Visier

Das nun infrage kommende Areal hatte der Kanton bereits bei der Standortevaluation 2015 untersucht. Er verfolgte aber ein Projekt in Meinisberg weiter, das der Grosse Rat im vergangenen September aus finanziellen Gründen versenkte (siehe Kasten). Jetzt nimmt Christoph Neuhaus mit der Parzelle in Wileroltigen einen neuen Anlauf. Denn der Handlungsbedarf für neue Transitplätze an den Achsen A 1 und A 5 sei hoch. Vor zwei Wochen hat sich das Astra auf Anfrage des Kantons Bern bereit erklärt, Teile der ­Parzelle für einen Transitplatz zur Verfügung zu stellen. Mit einer Fläche von rund einer halben Hektare erfüllt er die Kriterien.

Neuhaus will Transparenz

Noch sei vieles offen, erklärt Regierunsgrat Neuhaus. So kann er noch nicht sagen, wie die Infrastruktur aussehen wird, wie viele Plätze es haben wird und wie hoch die Kosten sein werden. «Ich wollte sofort transparent informieren und nicht hinter dem Rücken der Gemeinde planen», betont Christoph Neuhaus.

In den nächsten Monaten vertieft die JGK die Grundlagen für den Standort Wileroltigen und erstellt ein Vorprojekt mit einer Kostenschätzung. Dabei wird berücksichtigt, dass gleich nebenan eine Deponie für Inertstoffe geplant ist. Das letzte Wort zum Transitplatz hat der Grosse Rat, wenn er über den Objektkredit abstimmt. Infoabend für die Bevölkerung am Montag, 14. August, um 20 Uhr mit Regierungsrat Christoph Neuhaus. Ort noch nicht bestimmt. (Berner Zeitung)

Erstellt: 14.07.2017, 15:49 Uhr

Meinisberg zu teuer

Eigentlich wollte der Kanton Bern an der A 5 bei Meinisberg einen Transitplatz für ausländische Fahrende einrichten, gegen den heftigen Widerstand der Bevölkerung. Das Projekt scheiterte aber im Grossen Rat. Das Parlament wies den Kredit von 9,3 Millionen zurück. Im Rückweisungsantrag wurde unter anderem festgehalten, dass der Regierungsrat auf einer anderen Parzelle beziehungsweise zu deutlich tieferen Kosten einen Transitplatz für ausländische Fahrende bereitstellen soll. hus

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