Er liebt es, draussen anzupacken

Sven Prudon aus Urtenen-Schönbühl bekommt bei seiner Arbeit oft schmutzige Hände, und seine Kleider werden regelmässig nass. Doch das stört ihn nicht. Er ist mit Leib und Seele Lehrling im Gartenbau.

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Kälte, Regen, Hitze: Mit diesen Naturelementen muss ein Gartenbauer leben. Wenn Sven Prudon darauf angesprochen wird, zuckt er gelassen die Schultern. «Für solches Wetter haben wir die entsprechende Ausrüstung, und wer trotzdem lieber drinnen bleiben möchte, ist in diesem Beruf fehl am Platz.»

«Ich kam in diesen drei Jahren wirklich jeden Tag gerne arbeiten. Und auch der Schulstoff war interessant.»Sven Prudon?Gartenbaulehrling

Schon als Kind war für den heute 19-Jährigen klar, wohin die berufliche Reise gehen sollte. Er wollte draussen in der Natur arbeiten, anpacken, gestalten und sich jeden Abend über sein Werk freuen können.

In einem Mehrfamilienhaus aufgewachsen, setzte er im Alter von 10 Jahren den ersten Pflock für die berufliche Laufbahn: Er bot seine Hilfe bei der nahe gelegenen Baustelle an. Die Arbeiter hatten Freude am Eifer des Jungen und drückten ihm eine Schaufel in die Hand.

Bald ergatterte er sich ebenfalls einen Wochenendjob bei einem Bauern, hackte Holz, griff zur Heckenschere und zeigte, dass er bereits einige Kenntnis in der Natur hatte. Seine Eltern – Vater gelernter Florist, Mutter Zahntechnikerin – hatten Freude ob des Interesses des Jungen und liessen ihn gewähren.

Zuerst ein Aushilfsjob

Als die Firma Schmid aus Hindelbank in der Nachbargemeinde Urtenen-Schönbühl eine Gartenanlage erstellte, traf Sven Prudon direkt an seinem Wohnort auf den künftigen Arbeit­geber.

Der Schuljunge fragte, ob die Gartenbauer ihm einen Aushilfsjob hätten. Das hatten sie – und Sven Prudon arbeitete vierzehn Tage mit. Philipp Schmid, sein heutiger Patron, sah schon damals das Potenzial des Jungen: «Es ging ihm nicht ums Geld, er wollte gestalten, mit den Händen etwas erschaffen.» Bei den Bewerbungen für dieoffene Lehrstelle war die Sache schnell geregelt, die Wahl fiel auf Sven Prudon.

Grosses Vertrauen vom Chef

Nun ist der zielstrebige Mann bereits am Ende seiner Lehrzeit angekommen. «Ich kam in diesen drei Jahren wirklich jeden Tag gerne arbeiten», sagt er. Und auch der Schulstoff sei interessant gewesen.

Ein grosser Teil der Theorie ist der Pflanzenkunde gewidmet. Nicht nur die Namen der Gewächse muss man kennen. Auch, wie man sie schneidet, welchen Standort sie bevorzugen, wie sie ohne und oder mit Laub aussehen, muss gelernt sein.Dazu kommt das Wissen über die Bodenbeschaffenheit, die Technik bei den Bauarbeiten und die Gestaltung.

Gerade die Gestaltung eines Gartens sei sehr spannend, findet Sven Prudon. Hügellandschaften mit einem Gewässer zu einem Schwimmteich, streng aufgebaute Barockgärten, romantische Duftoasen: «Die Gartenbauer gehen gerne auf die Wünsche ihrer Kunden ein», drückt sich der Drittjahrlehrling fast werbemässig gewandt aus.

Was er nicht sagt im Zusammenhang mit seiner Ausbildung, das schiebt sein Chef schliesslich nach: Sven Prudon sei einer der Besten seiner Klasse. Doch der ehemalige Sekundarschüler stapelt tief: Bei Philipp zähle doch insbesondere, ob mananpacken könne und auch gewillt sei, dies zu tun.

Während des Gesprächs wird klar, dass die beiden längst beim Du angelangt sind. Das Vertrauen reicht so weit, dass Sven Prudon ab und zu gar den teuren 20-Tonnen-Bagger bedienen darf. Auf diese Einsätze freut er sich jeweils besonders.

Was seine Zukunft angeht, dafür hat Sven Prudon ebenfalls bereits einige Vorstellungen. Er wird nun noch ein weiteres Jahr bei derFirma Schmid arbeiten und dann als Durchdiener ins Militär gehen.

Vielleicht noch studieren

Dort will er die Lastwagenprüfung bestehen und dann nochmals zurück zum Stammbetrieb. Er «hange» halt an dem Team und an der Firma, sagt er. Vielleicht – doch das sei noch weit weniger klar – werde er ein Studium als Landschaftsarchitekt anpacken.

Aktuell aber sind die schwieligen Hände von Sven Prudon noch Beweis seiner Arbeit. Später, wer weiss, werden es vielleicht die Gärten sein, die nach seinen Plänen gestaltet wurden. Hauptsache, er könne immer das Resultat seiner Arbeit sehen, meint er dazu.

Schon als Kind wollte er in derNatur arbeiten, etwas gestalten und sich am Abend über sein Werk freuen können.Sven Prudon

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