Endloses Berater-Theater um die Reitschule

Bern

Eine 25-zeilige Aktennotiz ist die Hinterlassenschaft der zweijährigen Mediation von Alt-Bundesrichter Hans Wiprächtiger in der Reitschule. Kostenpunkt: 16'944 Franken 90 Rappen.

Unter anderem wollte die SVP erfahren, wie das Fazit von alt Bundesrichter Hans Wiprächtiger zu den Vermittlungsversuchen lautet. Bilder: Christian Pfander, Susanne Keller

Unter anderem wollte die SVP erfahren, wie das Fazit von alt Bundesrichter Hans Wiprächtiger zu den Vermittlungsversuchen lautet. Bilder: Christian Pfander, Susanne Keller

Jürg Steiner@Guegi

Eines muss man dem Basler Alt-Bundesrichter Hans Wiprächtiger lassen: So lakonisch hat noch selten jemand das Verhältnis zwischen Behörden und Reitschule beschrieben. «Die Kommunikation mit der Reitschule gestaltete sich schwierig (unbeantwortete Mails, nicht abgeholte eingeschriebene Briefe)», hielt Wiprächtiger im Auswertungsgespräch mit Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL) Mitte Februar fest. Man kann sich fragen, wie erhellend diese Lageeinschätzung des externen Vermittlers für den Reithalle-erfahrenen von Graffenried war.

Wiprächtiger war noch in der Ära von Alexander Tschäppät (SP), nach einem Gewaltausbruch zwischen Reitschülern und Polizei im Frühjahr 2016, als Mediator eingesetzt worden. Das Ziel: Polizei und Reitschule an einen Gesprächstisch zu bringen. Das Unterfangen scheiterte, Wiprächtigers Mandat endete kürzlich. Inzwischen hat der frühere Basler Stadtentwickler Thomas Kessler einen Beratungsauftrag von von Graffenried.

«Konservative Reitschule»

Es habe zwar, so bilanziert Wiprächtiger sein Wirken weiter, offene Gespräche mit der Reitschule und einen Auftritt von ihm an einer Vollversammlung gegeben. Trotzdem habe Wiprächtiger «nie Einblicke in die internen Abläufe und die Machtstrukturen erhalten». Diese Form von Intransparenz habe er noch selten erlebt. Weil es bei Vollversammlungen das Einstimmigkeitsprinzip gebe, sei «der Betrieb der Reitschule ausgesprochen konservativ». Veränderungen seien kaum zu erwarten. «Von der Diskussionsverweigerung» sei Wiprächtiger «enttäuscht».

Aktennotiz als Politikum

Festgehalten sind diese Gedanken Wiprächtigers in einer Aktennotiz, die das Gespräch zwischen ihm und dem Stadtpräsidenten zusammenfasst. Diese 25 Zeilen sind die einzige greifbare Hinterlassenschaft seiner Mediation.

Von Graffenried hielt gegenüber dieser Zeitung schon früher fest, Wiprächtiger habe einen ­guten Job gemacht. Gekostet hat die erfolglose Vermittlung 16'944.90 Franken, wie der Gemeinderat in einer Antwort auf einen Stadtratsvorstoss schrieb.

Angesichts der ungelenken Kommunikation der Stadtregierung im Reitschule-Dossier ist es nur logisch, dass nun selbst die 25-zeilige Aktennotiz politischen Wind entfacht. Als Erster erhielt das Schreiben ein Journalist des «SonntagsBlicks» – und nicht die SVP-Stadträte Alexander Feuz und Henri Beuchat, die in dieser Sache früher Akteneinsicht verlangten. «Selbstherrliches Verhalten des Gemeinderats», kritisiert die SVP. «Ein Versehen», versucht der Erlacherhof den neuen Konflikt zu entschärfen, den der «Bund» am Donnerstag publik machte.

Gegenüber Wiprächtiger hielten Reitschule-Vertreter fest, das Scheitern seiner Mediation sei nicht weiter schlimm. Man habe schon manchen Stadtpräsidenten überlebt. Als Quintessenz der Mission Wiprächtiger müsste man anfügen: Überlebt hat die Reitschule bis jetzt auch jeden Berater oder Mediator. Und wird es weiter tun.

Berner Zeitung

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