Ostermundigen

Mit der Ambulanz in die Mongolei

OstermundigenMarcel Leuenberger aus Ostermundigen fährt mit einem Krankenwagen von Bern in die mongolische Hauptstadt Ulan Bator. Dort übergibt er das Fahrzeug einem Hilfswerk.

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«Ja, da kommt wohl so einiges auf uns zu», meint Marcel Leuenberger mit einem Schmunzeln. 14 726 Kilometer: Diese gigantische Strecke legen der 37-jährige Mundiger und sein Reisepartner Elias Ettlin (36) aus Winterthur gemeinsam zurück.

In einem ausgemusterten, aber top ausgerüsteten VW-Krankenwagen werden sie 18 Länder, drei Wüsten und fünf Gebirgszüge durchqueren – so denn alles gut geht. Gestartet wird am 1. Juli auf dem Bundesplatz in Bern. Rund acht Wochen später wollen sie ihr Ziel erreicht haben: Ulan Bator, die Hauptstadt der Mongolei.

12 Teams aus ganz Europa

Und die beiden sind nicht allein unterwegs auf diesem Trip. 12 weitere Teams aus ganz Europa brechen ebenfalls auf zur abenteuerlichen Reise in das zentralasiatische Land. Sie alle nehmen teil am Mongolia Charity Rally 2018.

Einem Rallye, bei dem es nicht darauf ankommt, möglichst schnell das Ziel zu erreichen. Vielmehr geht es darum, in dem weit entfernten Land Hilfe zur Selbsthilfe zu bieten.

Sämtliche Fahrzeuge werden am Ende der Reise Hilfsorganisationen vor Ort übergeben. Dabei handelt es sich ausschliesslich um gebrauchte Nutzfahrzeuge, die dort wieder zum Einsatz kommen sollen.

Als Pick-ups in der Landwirtschaft zum Beispiel, als kleine Schulbusse – oder eben: als Ambulanzwagen. Zudem sammeln die Teams Geld, das schliesslich für karitative Zwecke gespendet wird.

Das Projekt Mongolia Charity Rally wird bereits zum zehnten Mal durchgeführt. Zum ersten Mal wird heuer von der Schweiz aus gestartet. Organisiert wird der Anlass jeweils von der britischen Non-Profit-Organisation Go Help.

«Eine Bieridee»

Doch wie kamen Marcel Leuenberger und Elias Ettlin dazu, bei diesem Projekt mitzumachen?

«Nun, eigentlich war das Ganze eine Bieridee», sagt Leuenberger und schmunzelt erneut. Der Ostermundiger und der Winterthurer kennen sich bereits seit fünfzehn Jahren. Beide absolvierten die Höhere Fachschule für Tourismus in Samedan und sind grosse Reisefans.

«In einem Restaurant in Bern erzählte mir Elias im letzten Spätsommer bei einem Bier von dem Projekt. Ich war begeistert. Und wir begannen gleich zu fabulieren und zu ‹spinnen›, wie wir das realisieren und finanzieren könnten.»

Ein geeignetes Fahrzeug musste organisiert werden, und es galt Sponsoren zu suchen, die sich an dem Unterfangen finanziell beteiligen. Da Leuenberger unter anderem Konferenzen im Gesundheitswesen organisierte, hatte er Kontakte zu Rettung St. Gallen.

«Ich fragte an, ob sie für das Projekt eventuell ein ausgemustertes Fahrzeug hätten, das noch gut im Schuss ist. Und siehe da: Ich bekam tatsächlich sehr schnell eine Zusage. Man stellte uns den neunjährigen VW T5 mit 300'000 Kilometern auf dem Tacho zur Verfügung», erzählt er.

Sponsorensuche

Um an Sponsorengelder zu kommen, gründeten Leuenberger und Ettlin den Verein Grenzen-los.ch, realisierten einen professionellen Internetauftritt und begannen, Werbefläche auf dem Krankenwagen, den sie gemeinsam reisetüchtig machten, zu verkaufen.

«Es war nicht immer einfach, mögliche Sponsoren zu überzeugen. Gerade grössere Firmen, die wir anschrieben, fanden das Projekt zwar toll – aber sie wollten sich nicht finanziell daran beteiligen.»

Mit der Zeit läpperte sich aber doch einiges zusammen. So, dass die Anmeldegebühren, eine Spendengarantie und Depotgelder für eventuelle Reparaturen bezahlt werden konnten – mehrere Tausend Franken.

«Wir hoffen natürlich, dass noch mehr Geld zusammenkommt. Damit wir der Organisation Bayasgalant, der Kinderhilfe Mongolei, die wir besonders unterstützen wollen, möglichst viel spenden können», betont Marcel Leuenberger.

Der mehrsprachige, weit gereiste Tourismusfachmann und Weltenbummler, der schon acht Jahre in Lappland und zwei Jahre in Helsinki gelebt und gearbeitet hat, ist Feuer und Flamme für die Idee des Mongolia Charity Rally.

«Ganz klar: Diese Reise bedeutet für Elias und mich ein grosses persönliches Abenteuer. Aber dass wir damit auch etwas Gutes tun können, macht die Reise zusätzlich sinnvoll und nachhaltig», ist Marcel Leuenberger, der seinen aktuellen Job wegen des Projekts gekündigt hat, überzeugt. Und: «Endlich geht es jetzt dann los!»

Wieder schmunzelt er.

Weitere Infos zum Projekt Mongolia Charity Rally 2018: www.grenzen-los.ch. (Berner Zeitung)

Erstellt: 14.06.2018, 11:34 Uhr

Startklar

In dieser Rubrik stellen wir Leserinnen und Leser vor, in deren Leben ein spannendes Projekt, eine grosse Veränderung, ein Neuanfang, ansteht. Gehören Sie dazu? Dann melden Sie sich: redaktion@bernerzeitung.ch

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