Elf Verletzte bei Strassenschlacht – Weitere Demos angekündigt

Bern

Rund 50 Vermummte lieferten sich am Samstagabend vor der Berner Reitschule mit der Polizei eine Strassenschlacht. Bei den Scharmützeln wurden 10 Polizisten sowie ein Demonstrant verletzt. Bereits wurden weitere Demos angekündigt.

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Am Samstagabend kam es vor der Reitschule zu heftigen Ausein­andersetzungen zwischen Vermummten und Polizisten. Die Strassenschlacht forderte mindestens elf Verletzte: Acht Polizisten der Kantonspolizei Bern sowie zwei Mitarbeiter der Transportpolizei wurden durch Laserattacken und Wurfgeschosse verletzt.

Ausserdem wurde ein «mutmasslicher Kundgebungsteilnehmer» verletzt ins Spital gebracht, wie es in einem Communiqué der Kantonspolizei Bern heisst.

Wie bereits am Freitagabend kesselte die Kantonspolizei Bern auch am Samstagabend mit einem Grossaufgebot einen Demonstrationsumzug ein. Deshalb wurde das Gebiet rund um die Reitschule grossräumig abgesperrt. Es kam zu grösseren Verkehrsbehinderungen.

Rund fünfzig Vermummte – laut Polizeikreisen kamen sie aus der ganzen Schweiz – reagierten auf die Einkesselungstaktik der Polizei, indem sie diese mit Feuerwerkskörpern, Steinen und Flaschen angriffen. Ausserdem errichteten die Randalierer auf den Strassen rund um die Reitschule mit Containern, Paletten und Absperrgittern Barrikaden und zündeten diese an.

100'000 Franken Schaden

Ein Lieferwagen der SBB sowie ein weiteres Fahrzeug gingen in Flammen auf. Die Polizei setzte mehrere Wasserwerfer, Tränengas und Gummischrot gegen die Demonstranten ein. Das Bollwerk und die Lorrainebrücke waren bis spät in die Nacht hinein für den Verkehr gesperrt.

Im Rahmen des Einsatzes brachte die Polizei sechs Personen für weitere Abklärungen in Polizeiräumlichkeiten. Bis in die frühen Morgenstunden hielt sich ein Dispositiv der Kantonspolizei Bern in der Nähe der Reitschule bereit.

Diese Szenen ereigneten sich am Samstagabend vor der Berner Reitschule.

Während der Ausschreitungen war die Polizei mit Vertretern der Reitschule in Kontakt. «Einerseits haben wir uns nach dem ­Befinden der Gäste erkundigt, insbesondere ob es Personen hat, die das Gebiet verlassen wollen», sagt Kapo-Sprecher Dominik Jäggi. «Hier boten wir rasch für Lösungen Hand.» Andererseits hätten auch Kontakte wegen der Zugangsmöglichkeiten und der Sperrungen stattgefunden.

Am Sonntag hätten die verletzten Polizisten das Spital wieder verlassen können, sagt Jäggi. «Wir wissen nicht, ob die Verletzungen bei allen wieder vollständig heilen.» Der angerichtete Sachschaden sprengt nach ersten Schätzungen der Polizei die Grenze von 100'000 Franken.

Drei Demos in vier Tagen

Die Organisatoren der samstäg­lichen Kundgebung meldeten sich am Sonntag zu Wort: Auf der Facebook-Seite «Raumraub» veröffentlichten diese ein Communiqué. Nicht alle Menschen hätten sich die «immense Repression» der Polizei gefallen lassen, heisst es in der Mitteilung. Deshalb sei es nach der verhinderten Demonstration zu «einigen Aktionen gegen die Polizei» gekommen. In der Mitteilung ist von «mindestens zwei Personen» die Rede, die «von der Polizei schwer verletzt» worden seien.

Die Gruppe «Raumraub» kündigte in der Mitteilung bereits weitere Demonstrationen an: «Da die Demo heute faktisch verhindert wurde, werden in den kommenden Tagen sicherlich weitere Versuche gestartet, um unseren Widerstand sichtbar zu machen!», heisst es. Und: «Nehmen sie uns die Häuser, nehmen wir uns die Strassen, der Kampf ist noch lange, lange nicht vorbei!»

«Welcome to Hell»

Der Blick in die Zukunft verspricht keine Entspannung. Abgesehen davon, dass weitere Demonstrationen angekündigt wurden, finden am nächsten Wochenende in der Stadt Bern zwei Sportderbys statt. YB empfängt den FC Thun, kurz darauf startet Meister SCB gegen den EHC Biel in die Eishockey-Playoffs.

In drei Wochen droht der Stadt erneut der Ausnahmezustand. Das rechtsbürgerliche Komitee Brennpunkt Schweiz ruft dazu auf, an jenem Datum gegen die «lasche» Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative zu demonstrieren. Organisiert wird die Demo unter anderem vom Berner SVP-Politiker Nils Fiechter.

Auf Facebook hat aber offenbar auch Dominic Lüthard, Chef der Partei National Orientierter Schweizer (Pnos), sein Kommen angekündigt. Unter dem Titel «Welcome to Hell» mobilisieren linksextreme Gruppierungen für eine Gegendemo.

Auf die Polizei kommt also viel Arbeit zu. «Wir werden die Lage laufend beurteilen und unser Dispositiv entsprechend anpassen», so Dominik Jäggi.

Proteste gegen Hausräumung

Es war bereits das dritte Mal innert vier Tagen, dass die Kantonspolizei Bern in spontan angekündigte, unbewilligte Kundgebungen eingriff. Die Demonstrationen wurden jeweils als Protestaktion gegen die am Mittwoch erfolgte, von Gewaltausbrüchen geprägte Räumung eines besetzten Hauses an der Effingerstrasse angekündigt.

chh/rah

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