Einmal selber Chirurg spielen

Riggisberg

Die Nacht der Chirurgie im Spital stiess bei der Bevölkerung auf grosses Interesse. An einem Modell konnte schlüsselchirurgisch operiert werden. Ein Selbstversuch.

Das Spital Riggisberg öffnete am Donnerstagabend seine Türen und gewährte Einblicke in die Welt der Chirurgie. Video: Jan Weisstanner

«Wir schauen mit Ihnen durch das Schlüsselloch ins Innere», versprach Oliver Rittmeyer, Chefarzt Chirurgie im Spital Riggisberg. Damit meinte er nicht nur die Schlüssellöcher der Spitaltüren, sondern auch die Schlüssellochchirurgie. Am Donnerstagabend bot sich die Gelegenheit, an einem Modell eine Operation auszuführen.

Ohne Blut, Angst und Schmerzen – ideal, einmal selber Doktor zu spielen. Obschon, auch bei diesem lockeren Anlass bleibt ein Spital ein Spital. Die Umrisse des zu operierenden Modells sehen von weitem aus wie ein Mensch. Die Instrumente daneben erinnern an Velowerkzeug. Seltsame Vorstellung, damit in einem Bauch herumzuwerkeln.

Von der Theorie zur Praxis

Oliver Rittmeyer führt in einen Raum, wo ein Film läuft, der eine Leistenbruchoperation zeigt. Anders als noch vor Jahrzehnten schneiden die Chirurgen aber nicht den Bauch auf. Sie schieben durch kleine Löcher in der Bauchwand Instrumente in den Patienten.

Oliver Rittmeyer: Der Chefarzt Chirurgie (im weissen Kittel) zog von Berlin nach Riggisberg. Bild: Manuel Zingg

Schlüssellochchirurgie nennt man das. Licht und eine Kamera ermöglichen, auf einem Bildschirm ins Bauchinnere zu schauen. Instrumente arbeiten sich zum Bruch vor, ein Netz aus Polyester soll künftig die Bauchdecke verstärken und dafür sorgen, dass die Darmschlingen bleiben, wo sie hingehören.

Rittmeyer beschreibt, wie es geht, technisch, unsentimental, präzise, cool. Die Schreibende fühlt sich bereit, selber Operationsinstrumente in die Hand zu nehmen. Man begibt sich in den Nebenraum, wo das Modell liegt, bedeckt von grünen Tüchern, in deren Löchern Werkzeuge stecken.

Wie im Film ist auf dem Monitor auch das Bauchinnere zu sehen. Hier allerdings ohne Blut, Darm und Fett. In diesem Bauch liegen Bonbons, die es herauszuholen gilt. Das nimmt der Sache den Ernst.

Andere Perspektive

Im Bauch des Modells stecken bereits eine Lampe, eine Kamera und eine Zange. Sich mit Blick auf den Monitor im Bauch zurechtzufinden, ist für Laien eine Herausforderung.

Wo ist die Zange? Die Chirurgen Oliver Rittmeyer und Igor Gagarkin lassen die Frau mit den ungeschickten Gärtnerinnenhänden gewähren, geben dann Tipps, und ja: Hier ist der Darm aus Jute mit den Löchern, die man mit der Zange zusammenhält, damit sie mitgenäht werden könnten.

Gärtnerinnenhände (links) operieren mit einem Chirurgen ein Modell. Bild: Manuel Zingg

Zur Belohnung darf die Hobbychirurgin die Zange zu den Bonbons bewegen. Sie hat Mühe, die etwas andere Perspektive zu erfassen. Zudem sind die Distanzen schwer abzuschätzen. Doch nach längerem Hin und Her klappt es, die Zange fasst das Bonbon, schiebt es durchs Loch ins Freie und man erfasst die Schwierigkeiten, vor denen Chirurgen bei der Schlüsselchirurgie stehen.

Bei den Operationen mit aufgeschnittenem Bauch wird alles freigelegt, was es zu entfernen und zu nähen gibt. Das ist einfacher, bringt aber oft Komplikationen und vor allem mehr Schmerzen mit sich. Im Spital Riggisberg werden vorwiegend Routineoperationen wie Blinddarm, Gallenblasenentfernungen und Leis­tenbrüche ausgeführt, minimalinvasiv.

«Wir machen alles, wofür man keine Intensivstation braucht», sagt Chefchirurg Oliver Rittmeyer, Initiant für die Nacht der Chirurgie.

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