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Eine Zeitreise auf zwei Rädern

Am Wochenende wird die Altstadt von Murten von Vintage-Rennvelos in Beschlag genommen. Organisator Alex Beeler ist selbst ein begeisterter Sammler von zweirädrigen Oldtimern.

Alex Beeler, mit zweien seiner Vintage-Rennräder, mitten in der Altstadt von Murten. Foto: Raphael Moser
Alex Beeler, mit zweien seiner Vintage-Rennräder, mitten in der Altstadt von Murten. Foto: Raphael Moser

An einem normalen Wochentag regieren in der Murtner Altstadt die Autos. Ein Fahrzeug nach dem anderen drängt durch das Berntor, ein Autofahrer nach dem anderen sucht nach einer Parkmöglichkeit. Mitten in diesem motorisierten Trubel wirkt Alex Beeler wie ein Fremdkörper. In kurzen Hosen und blauer Sweat­jacke schiebt der 54-Jährige zwei alte Rennvelos über das Kopfsteinpflaster. Filigrane Fahrräder mit gebogenen Lenkern, hauchdünnen Rädern und ledernen Sätteln, eines über 40, das andere über 70 Jahre alt.

Die beiden Stücke aus der Vergangenheit repräsentieren die nahe Zukunft: Am Freitag findet in Murten das erste «Kriterium Murten Memorial» statt, ein Anlass für die Freunde von alten Rennrädern. Bis zu 100 Teilnehmende werden auf historischen Velos durch die Altstadt fahren.

«Es geht nicht darum, als Erster über die Ziellinie zu kommen», erklärt Organisator Alex Beeler, «was zählt, ist die Gleichmässigkeit.» Ziel ist es, die anderthalb Kilometer lange Rundstrecke immer in der gleichen Zeit zu bewältigen. Je nach Kategorie entweder in vier, drei oder zweieinhalb Minuten. Weicht man von dieser Vorgabe ab – egal, ob zu langsam oder zu schnell –, erhält man Strafpunkte. Gewinner ist, wer davon am wenigsten gesammelt hat.

Ein sentimentaler Wert

Für Alex Beeler ist ein Rennvelo mehr als nur ein Fortbewegungsmittel. Jedes seiner Fahrräder sei auch ein Stück Geschichte, meint der Mann mit den wilden Haaren, und streicht dabei sanft über den Rahmen des roten Exemplars vor sich. Marke Zedi, hergestellt in Zürich, 1939, Egg-Schaltung, alles noch im Originalzustand. Über die Geschichte seiner Sammelstücke weiss Beeler fast alles, zumindest was die technischen Feinheiten anbelangt. Wem das Rennvelo einst gehörte und ob der- oder diejenige mit ihm vielleicht sogar Rennen gefahren ist, bleibt aber auch für Beeler meist ein Geheimnis. «Solche Dinge werden schlicht nicht überliefert.»

Das sei bei Fahrrädern nun mal so eine Sache – ihr Wert sei eher sentimental als materiell. Wird ein altes Stück von einem Unwissenden gefunden, könne es auch mal im Schrott landen. Einen Geldwert festzumachen, sei daher schwer, und auch einen richtigen Markt für alte Rennfahrräder gebe es nicht. «Wie bei den meisten Sammlerstücken läuft hier viel über den Tauschhandel.»

35 Rennvelos umfasst Beelers Sammlung. Bis auf ein grünes Fahrrad aus den 1920er-Jahren handelt es sich dabei ausschliesslich um Schweizer Modelle. «Ich möchte die Entwicklung des heimischen Fahrradbaus abbilden», erklärt er. Ein auf Hochglanz poliertes, silbernes Velo etwa repräsentiert jene Zeit in den 1980ern, in der die Hersteller anfingen, sämtliche Teile mit ihrem Namen zu gravieren – der dicke, schwarze Schriftzug «Gerber» ziert Pedal, Rahmen und Lenker. Aus derselben Zeit stammt ein schneeweisses Berner Modell. Das Besondere daran: Hier wurde eine der seltenen Campagnolo-Schaltungen angebracht, welche die italienische Firma zu ihrem 50. Geburtstag anfertigte.

Möglichst authentisch

Ähnliche Modelle wie jene von Beeler werden auch während des Kriteriums zu sehen sein. Alle Teilnehmenden fahren auf einem Fahrrad, das vor 1990 hergestellt wurde, und tragen dabei auch originalgetreue Wolltrikots. «Alles soll möglichst authentisch sein», so Alex Beeler. Gewissermassen werde die Zeit in Murten also zurückgedreht: Fremd waren Rennräder in der Stadt noch nie. Zwischen 1930 und 1980 fanden in der Altstadt regelmässig internationale Kriterien statt. «An diese wollen wir uns am Wochenende erinnern.» Mit am Start wird auch der ehemalige Rennfahrer Gilbert Glaus sein – mit einem jener Fahrräder, die er früher während seiner Rennen gefahren hat.

Alex Beeler hingegen wird am Anlass nicht mitfahren. Zwar steigt der Freund von alten Transportmitteln auch immer wieder auf seine eigenen Sammelstücke, der Wettkampf sei aber nicht sein Ding. «Ich mag es lieber gemütlich und steige gerne immer mal wieder ab, um die Landschaft zu geniessen.»

Das Festgelände öffnet um 14 Uhr, kurz vor 17 Uhr starten die ersten Rennfahrer. Weitere Infos unter kriterium-murten.ch.

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