Eine verhängnisvolle Million Franken

Das Verwaltungs­gericht bestätigt die Verwarnung gegen einen Berner Anwalt, der die Berufsregeln verletzt hat.

Eine Million Franken in bar – wie kann einem so etwas «entfallen»? Diese Frage stellte sich auch das Verwaltungsgericht.<br><i>(Symbolbild/Keystone)</i>

Eine Million Franken in bar – wie kann einem so etwas «entfallen»? Diese Frage stellte sich auch das Verwaltungsgericht.
(Symbolbild/Keystone)

Hans Ulrich Schaad

Es war kein gewöhnlicher Be­sucher, der im Sommer 2010 eine Anwaltskanzlei in Bern betrat. Er hatte eine Million Franken dabei – in bar. Damit wollte er eine Darlehensschuld gegenüber einem Geschäftspartner tilgen. Weil der Rechtsanwalt des Empfängers abwesend war, nahm sein Kanzleipartner das Geld entgegen. Er zählte es, stellte eine Quittung aus und deponierte die Million in einem Bankschliessfach.

Die Entgegennahme dieses Geldes hat nun neun Jahre später indirekt Konsequenzen für den Anwalt. Das Verwaltungsgericht hat eine Verwarnung gegen ihn durch die Aufsichtsbehörde bestätigt und eine Beschwerde abgelehnt. Die Behörde war aktiv geworden, nachdem die Präsidentin des Wirtschaftsstrafgerichts den Rechtsanwalt wegen Verletzungen der Berufsregeln angezeigt hatte. Denn er hatte den Empfänger der Million als Verteidiger im Vorverfahren vor­übergehend vertreten. Dieser wurde wegen gewerbsmässigen Betrugs erstinstanzlich zu vier Jahren Gefängnis verurteilt.

Ungewöhnliche Transaktion

Der Anwalt hatte das Mandat Ende 2010 übernommen. Die Anwaltsaufsicht warf ihm vor, dass er sich an die Million hätte er­innern müssen und erkennen können, dass die Million Franken möglicherweise in einem Zusammenhang mit dem Betrugsvorwurf stehe. Damit habe er einen potenziellen Interessenkonflikt übersehen.

Der Anwalt argumentierte, dass ihm sein Kanzleipartner versichert habe, dass die Herkunft des Geldes legal sei, ordentlich verbucht und bei den Steuern deklariert. Für ihn sei erst später ersichtlich geworden, dass das Geld im Zusammenhang mit möglichen Delikten stehe.

Bei der Geldtransaktion sei seine Rolle letztlich nicht über einen Gefälligkeitsdienst gegenüber einem Bürokollegen hinausgegangen, heisst es im Urteil des Verwaltungsgerichts. Trotzdem erstaune es, dass sich der Anwalt nur ein paar Monate später nicht mehr an das Treffen erinnert haben will, denn: «Eine Bargeldtransaktion in Höhe von einer Million Franken ist doch ungewöhnlich.»

Weiter Eingaben gemacht

Das Mandat hat der Verteidiger im Juli 2012 abgelegt. Zu spät, wie die Aufsichtsbehörde und das Verwaltungsgericht beurteilen. Einerseits hatte er seit einiger Zeit Kenntnisse von den Vor­würfen. Andererseits erklärte er in einem Schreiben von Anfang Juli 2012, dass er anlässlich einer Einvernahme am 19. Juni erkannt habe, dass er das Mandat nicht weiterführen könne. Trotz dieser Erkenntnis machte er in den folgenden Tagen noch Eingaben.

Der Rechtsanwalt bestreitet bis heute einen Interessenkonflikt. Für das Gericht war das Risiko eines Konflikts aber nicht bloss «abstrakter Natur». Das am Montag publizierte Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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