Eine Oase der Glücksgefühle

Mühleberg

Der Garten von Katharina und Max Wittwer aus Mühleberg bietet alles, was das Herz begehrt: Bäume, ­Sträucher, Blumen, Kakteen und ein Biotop zum Verweilen.

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Mühleberg wird in erster Linie mit dem Kernkraftwerk in Verbindung gebracht. Dabei hat das 3000-Seelen-Dorf so viel mehr zu bieten. Im Norden bilden die Aare und der Wohlensee, im Westen die Saane und im Osten der Forstwald die Gemeindegrenzen. Die Farbe Grün dominiert auf dem bewaldeten und gewellten Hochplateau.

Einen kleinen Teil zur schmucken Gesamtansicht trägt auch der Umschwung von Katharina und Max Wittwer bei. Hinter dem Vierfamilienhaus, in welchem das Paar seit 16 Jahren wohnt, haben die beiden eine ­Oase errichtet, die diesen Namen wirklich verdient. «Als wir hergezogen sind, war der Umschwung sehr spartanisch gestaltet. Ein paar bepflanzte Betonelemente, Haselsträucher und viel ‹Gjät›», erinnert sich Katharina Wittwer.

Sie ist die «Tätschmeisterin» im Garten. Diesen hegt und pflegt sie an etwa drei Stunden pro Tag. Der Lohn, den sie dafür erhält: unbezahlbar – oder, um es in den Worten der 75-Jährigen zu schreiben: «Der Garten gibt mir Kraft. Wenn die Pflanzen in den verschiedensten Farben um die Wette blühen, kommen Glücksgefühle in mir hoch, und die kleineren und grösseren Sorgen sind vergessen.»

Mit dem KKW «verheiratet»

Das Kernkraftwerk ist aber auch bei Wittwers omnipräsent. Berufsbedingt. «Zusammen kommen wir auf 80 Jahre KKW», sagt Katharina Wittwer. 35 Jahre gehen auf ihr Konto, zuletzt war die ehemalige Kirchenrätin von Mühleberg als Gruppenbegleiterin angestellt. Sogar 45 Jahre hat Max Wittwer für das Kernkraftwerk gearbeitet, im Sicherheitsbereich. Mittlerweile ist auch er pensioniert. Eigentlich. Der 66-Jährige hilft noch immer regelmässig aus.

Der Arbeitgeber ist denn auch der Grund, warum das Ehepaar vor 45 Jahren nach Mühleberg gezogen ist. «Damals war es Pflicht, dass Angestellte des Kernkraftwerks in der Mitarbeitersiedlung wohnen», erzählt Max Wittwer, der ehema­lige Vizekommandant der Mühleberger Feuerwehr. Erst 2002 erfolgte der Umzug an die heutige Adresse. Hier teilen sich Wittwers mit drei weiteren Parteien ein über 120-jähriges, ehemaliges Bauernhaus.

Nicht aber den Garten. «Diesen nutzen wir mehr oder weniger allein», sagen die Eltern von zwei erwachsenen Söhnen. Mitunter auch deshalb, weil Wittwers Wohnung als ein­zige direkt an den Umschwung grenzt. Grundsätzlich sei dieser aber für alle im Haus – und man helfe sich auch gegenseitig, etwa bei grösseren Projekten oder Ferienabwesenheiten.

Ein voller Tiefkühler

Seit 45 Jahren sind Katharina und Max Wittwer verheiratet – und ein eingespieltes Team. «Er hilft mir beim Giessen, das kann er gut», sagt sie – und lacht. Eine volle Stunde pro Tag wenden sie dafür auf. Auch bei grösseren Projekten – so wie damals, als die Wege verlegt wurden – und bei technischen Angelegenheiten greift Katharina Wittwer gerne auf die Mithilfe ihres Mannes ­zurück.

Wert legen die beiden passionierten Drehorgelspieler darauf, dass sie wann immer möglich alles selber machen. Dazu gehört auch das «Ernten». Ende Sommer ist der Tiefkühler von Wittwers jeweils randvoll. Mit verarbeiteten Himbeeren, Heidelbeeren, Johannisbeeren und Brombeeren. Die Äpfel und Zwetschgen werden mit den anderen Hausbewohnern geteilt. Geerntet werden auch Salate, Bohnen, Kartoffeln und Erdbeeren, die in einem Gemüsegarten vor dem Haus wachsen.

Zum Umschwung gehören zudem eine Rot- und eine Weisstanne. «Jöh, so äs härzigs Böimli», habe sie vor 15 Jahren gesagt. Mittlerweile ist aus dem «härzigen Böimli» eine stattliche Tanne geworden. Rosen, Wald- und Edelklematis sowie einige Kakteen zieren den Garten ebenfalls. Und im Biotop wachsen Schilf und Wasserlilien. «Der liegt mir besonders am Herzen», sagt Katharina Wittwer und zeigt auf einen Ginkgo, einen sogenannten Lebensbaum.

Der Garten dient aber auch als Lebensraum für zahlreiche Tiere. Für Frösche im Biotop, Libellen, Vögel – unter anderen einen Wiedehopf –, Schmetterlinge, Hummeln und Bienen. Auch Nachbars Katzen fühlen sich hier wohl. Wohl in dieser Wohlfühloase.

Berner Zeitung

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