Eine letzte Saison mit vollem Programm

Bern

Die kommende Spielzeit im Theater an der Effingerstrasse ist die letzte mit Markus Keller als künstlerischem Leiter. Auch sie ist auf Erfolg getrimmt.

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(Bild: PD)

Michael Feller@mikefelloni

Wenn Markus Keller im druckfrischen Spielzeitheft des Theaters an der Effingerstrasse blättert, huscht immer wieder dieser schelmische Witz über das Gesicht, für den ihn die Leute lieben. Vorfreude mischt sich mit Stolz. «Nein, das fühlt sich nicht anders an, weil es mein letztes ist.» In einem Jahr übernimmt Alexander Kratzer die künstlerische Leitung. Keller ist also noch einmal verantwortlich für jenes Theater, das er vor 23 Jahren mit Ernst Gosteli gegründet hat. 

Zusammenarbeit mit Gräve

Die erste Premiere der Saison 2019/2020 ist eine Koproduktion, die man in Bern auch als kleine Provokation verstehen kann: «Das Jahr magischen Denkens» von Joan Didion ist eine Koproduktion mit dem Vorarlberger Landestheater Bregenz. Dessen Intendantin heisst Stephanie Gräve, geschasste ehemalige Theaterchefin von Konzert Theater Bern. Heidi Maria Glössner spielt das Solostück, zuerst an der Effingerstrasse, danach in Bregenz.

Ab Ende September wird «Einer flog über das Kuckucksnest» nach dem Roman von Ken Kesey gespielt. Die Produktion entspricht dem Erfolgsrezept Ära Keller: Dramatisierungen von Romanen und der Film-Hits sind sichere Publikumsrenner. Zum selben Genre gehört «Ziemlich beste Freunde» nach dem Film «Les Intouchables», das Ende Jahr in einer neuen Stückfassung gezeigt wird.

Die überraschendste Position im Programmheft ist «Furor»: Das Stück von Lutz Hübner und Sarah Nemitz, ein grosser Erfolg bei Publikum und Kritik vor einem halben Jahr beim Schauspiel Frankfurt, feiert im Theater an der Effingerstrasse am 2. November die Schweizer Erstaufführung.

Wie Heidi Maria Glössner steht ein weiterer Publikumsliebling wieder auf dem Programm. Gilles Tschudi spielt ab 22. Februar 2020 zusammen mit Wolfgang Seidenberg in «Smith & Wesson». Seidenberg wird in Deutschland etwa so sehr mit der 2011 beerdigten Serie «Marienhof» in Verbindung gebracht wie Tschudi mit der 90er-Jahre-Soap «Lüthi und Blanc», in der Bösewicht Frick spielte. Insgesamt stehen acht Produktionen auf dem Spielplan. Und danach geht die Gründerära Keller/Gosteli zu Ende. Zumindest fast.

99-prozentiger Rekord

Keller wird in zwei Wochen 72 Jahre alt, ein Alter, das er mit dem Schalk des Junggebliebenen vortrefflich überspielt. Was dann, im nächsten Sommer? Dann bleibt er dem Betrieb erhalten, allerdings im Hintergrund. Denn nach wie vor gehört ihm und Ernst Gosteli das Theater an der Effingerstrasse – das ehemalige Atelier-Theater, das die beiden neu belebten und zum Erfolg führten. In der Saison 2018/2019, die noch bis zum 27. Juni dauert, wird laut Keller «mit 99-prozentiger Sicherheit» der zwei Jahre alte Publikumsrekord von 35 885 Zuschauerinnen und Zuschauern geknackt. 

Berner Zeitung

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