Eine kleine Schlammschlacht

Kerzers

Befürworter und Gegner des ARA-Ausbaus in Muntelier trafen sich zu einer Podiumsdiskussion. Argumentiert wurde nicht immer sachlich, und beide Seiten mussten Minuspunkte einstecken. 

Die ARA Seeland-Süd in Muntelier soll bis ins Naturschutzgebiet Chablais hineinwachsen.

Die ARA Seeland-Süd in Muntelier soll bis ins Naturschutzgebiet Chablais hineinwachsen.

(Bild: PD)

Die Kosten des geplanten ARA-Ausbaus in Muntelier erhitzen die Gemüter. Am 10. Februar wird an der Urne über einen 63-Millionen-Kredit abgestimmt. Die Gegner geben sich überzeugt, dass es wesentlich billiger wäre, das Abwasser durch eine Pipeline in die ARA Biel in Brügg zu leiten. Das Ausbauprojekt liegt aber bereits vor. Über Ausbau oder Pipeline wurde an einer Podiumsdiskussion in Kerzers ziemlich heftig gestritten. Der von der Aktionsgruppe organisierte Schlagabtausch leitete Rolf Dietrich von SRF.

«Eine Luxuslösung»

Als Erste ergriff Ursula Schneider Schüttel das Wort. Die Präsidentin des neu gegründeten ARA-Verbandes plädierte für den Ausbau und versicherte, dass nach der Realisierung des Projekts weder Lärm noch Gestank nach aussen dringen würden, weil die erneuerte ARA in Muntelier eingehaust werden solle. «Bei einem Nein würde die ARA so funktionieren wie bis anhin, das Wasser würde weniger gereinigt in den See fliessen», warnte die SP-Nationalrätin aus Murten. 

Fredy Schwab, Ausbaugegner und einer der Organisatoren des Podiums, fackelte nicht lange: «Nein! Ich rufe dazu auf, ein Nein in die Urne zu legen», sagte er. Die 63 Millionen seien eine Mogelpackung. Die Kosten würden sich auf mindestens 83 Millionen Franken belaufen. Er sprach denn auch von einer «Luxuslösung».

Den Gegnern des Ausbaus sind vor allem die hohen Betriebskosten von jährlich bis zu 2,3 Millionen Franken ein Dorn im Auge sowie die 550000 Franken, die das Trocknen und das Verbrennen des Klärschlamms kosten würden. Dieser soll per Lastwagen zuerst nach Laupen zum Vortrocknen und dann in die Kehrrichtverbrennung nach Châtillon gebracht werden.

Schneider Schüttel versprach: «Wir würden den Schlamm in Muntelier vorentwässern und vorfaulen lassen. So braucht das Trocknen weniger Energie.» Ihr Hauptargument für den ARA-Ausbau in Muntelier: «Siebzehn Gemeinden haben sich dafür ausgesprochen, das ARA-Projekt durchzuziehen.»

«Ein Nein verbessert nichts»

Ausbaugegner Schwab wandte ein: «Die Ämter gingen nicht auf die Pipeline ein.» Schneider Schüttel entgegnete spitz: «Würden wir jede Idee prüfen, die irgendwo skizziert wird, kämen wir nirgends hin.» Die Frage aus dem Publikum, wo die ARA Murten im Vergleich zu den anderen rund 700 ARA kostenmässig stehe, konnte sie allerdings nicht genau beantworten, weil man für Murten die Kosten anders berechnet habe. Aber ein Nein bringe nichts, weil sich damit nichts verbessere und Kerzers für sein Abwasser zwingend eine andere Lösung finden müsse.

Schneider Schüttel meinte weiter: «Die Pipeline ist eine Projektskizze, der ARA-Ausbau dagegen definitiv ausgearbeitet.» Letzteres ist ein Pluspunkt für die Befürworter. Denn zum jetzigen Zeitpunkt mit dem Ausarbeiten des Pipelineprojekts zu beginnen, würde das Prozedere um Jahre verlängern und die Kosten in die Höhe treiben. 

Aus dem rund 100-köpfigen Publikum meinte jemand: «Der Murtensee darf nicht noch stärker belastet werden. Wenn wir Nein stimmen, haben wir später ein optimales Projekt.» Schneider Schüttel entgegnete: «Ohne Kerzers wäre die ARA Murten zu gross, und wir müssten neu überlegen.» Denn rund ein Drittel des Abwassers, das in Muntelier gereinigt würde, käme aus Kerzers. 

Am Schluss hielten der Kerzerser Gemeinderat Adrian Tschachtli und Pascal Pörner, Präsident der Baukommission, ihre Schlussvoten als Befürworter. Der kräftige Applaus danach liess an einem Nein aus Kerzers eher zweifeln. 

Berner Zeitung

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