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Eine Erfolgsgeschichte ohne Gewinn

Die Fambau ist der wohl wichtigste Player im Westen Berns: Ihr gehören fast 20 Prozent der dortigen Mietwohnungen. Aktuell befinde man sich in einer Sanierungsphase, erklärt Geschäftsführer Walter Straub.

Problemzone Tscharnergut: Fambau-Geschäftsführer Walter Straub vor dem frisch sanierten Scheibenhaus (rechts). Rund             27 Millionen kostete die Renovation – die Kernprobleme aber blieben.
Problemzone Tscharnergut: Fambau-Geschäftsführer Walter Straub vor dem frisch sanierten Scheibenhaus (rechts). Rund 27 Millionen kostete die Renovation – die Kernprobleme aber blieben.
Iris Andermatt
Das Einflussgebiet der Fambau.
Das Einflussgebiet der Fambau.
Viel Platz und viel Grün: Auch diesen Innenhof hat die Fambau gestaltet.
Viel Platz und viel Grün: Auch diesen Innenhof hat die Fambau gestaltet.
Iris Andermatt
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Walter Straub steht auf dem Rasen zwischen den Scheibenhäusern und blickt zu der frisch sanierten Fassade hoch. «Das Tscharnergut ist eines der schöneren Quartiere», sinniert er, bevor er seine Stirn in Falten legt, «umso tragischer, dass man die Gebäude nicht ordentlich erneuern darf.»

Die Auseinandersetzung um das Tscharnergut stösst Straub sauer auf: Eigentlich wollte die Fambau-Genossenschaft, welcher Straub seit 12 Jahren als Geschäftsführer vorsitzt, die über 60 Jahre alten Gebäude abreissen und durch Neubauten ersetzen. Natürlich würden die neuen Gebäude denselben Style verkörpern und ins Quartier passen.

Doch die Denkmalpflege liess sich nicht überreden und machte der Fambau einen Strich durch die Rechnung – die Gebäude sind als «schützenswert» eingestuft und dürfen deshalb nur kernsaniert werden.

Eine erfolgreiche Sanierung nach der anderen

Mittlerweile ist das erste Gebäude der Siedlung fertig – 27 Millionen Franken kostete die umfassende Renovation. Die Kernprobleme des Gebäudes jedoch sind geblieben. «Hier fehlt es eigentlich an allem», meint Straub lapidar, «das Haus ist weder erdbebensicher, noch entspricht es den Brand- oder Lärmschutzvorschriften.»

Auch am benachbarten Scheibenhaus stehen bereits Bauprofile. Hier hält Straub aber weiterhin an einem Neubau fest; ende Monat treffe er sich mit dem Regierungsstatthalter und starte einen erneuten Versuch, das Dilemma zu lösen.

Zurück in Straubs Büro verschwinden die Sorgenfalten allmählich. Neben dem Tscharnergut gibt es nämlich viele positive Beispiele, die Straub aus seiner Schublade ziehen kann. Aktuell befände sich die Genossenschaft in einer Phase der Siedlungs­erneuerung – heisst, eine Sanierung folgt auf die nächste.

Fein säuberlich sind diese in Straubs Managementportfolio verzeichnet: In den letzten Jahren wurde etwa die Siedlung Gäbelbach zwischen Bethlehem und Brünnen renoviert, wo erstmals auch Solaranlagen auf dem Dach platziert wurden.

Oder das Hochhaus im Bethlehemacker, wo zusätzlich eine Fotovoltaikanlage an der Fassade platziert wurde. «Beide Sanierungen liefen ohne Probleme ab, und bei beiden Gebäuden waren die Wohnungen im Nu wieder vermietet», erzählt Straub und ringt sich zu einem Lächeln durch.

Alle Einnahmen gehen zurück an die Liegenschaften

Dass die Wohnungen der Genossenschaft jeweils schnell vergeben sind, dürfte mit den vergleichsweise tiefen Mieten zusammenhängen: Ungefähr 1400 Franken zahlt man für eine frisch sanierte 3,5-Zimmer-Wohnung im Tscharnergut.

«Dass der Mietzins nach einer Total­sanierung steigt, ist normal.»

Walter Straub

Vor der Sanierung habe die Miete für ein solches Objekt noch bei rekordverdächtigen 700 Franken gelegen, erzählt Straub. «Dass der Mietzins nach einer Totalsanierung steigt, ist normal», quittiert er mit einem Schulterzucken.

Der Grund für die trotzdem geringen Mieten ist eigentlich banal: Die Fambau ist eine gemeinnützige Genossenschaft. Gewinn erzielt sie nicht, ihre Mieten sind nach Vorgabe des Referenzzinssatzes des Bundes berechnet. Sinkt dieser, sinken auch die Mieten der Fambau.

Die Einnahmen werden für den Unterhalt der Liegenschaften ­sowie deren Instandhaltung verwendet. Dazu gehören schliesslich auch die umfänglichen ­Sanierungen – laut Straub seien dafür in den letzten 10 Jahren rund 300 Millionen Franken investiert worden.

Die Mieterinnen und Mieter kommen immer zuerst

Der soziale Gedanke stehe bei der Fambau aber auch unabhängig von den Mieten im Zentrum, versichert Staub. Und wenn er sagt, dass ihm die Menschen am Herzen liegen, klingt er überzeugend glaubhaft.

«Haben wir Pläne für eine Sanierung, werden immer zuerst die ­ Mieter­innen und Mieter informiert.»

Walter Straub

Beispiele für die Solidarität folgen sogleich: «Haben wir Pläne für eine Sanierung, werden immer zuerst die Mieterinnen und Mieter informiert – diese haben dann Vorrecht auf die renovierten Wohnungen.» Können oder wollen die Mietenden die Dauer der Sanierung nicht abwarten, vermittle man ihnen eine andere Wohnung, nach Möglichkeit auch in ihrem Wunschquartier.

Umso ärgerlicher ist es für Straub deshalb, wenn eine Sanierung publik wird, bevor die Mieterinnen und Mieter darüber informiert wurden. So geschehen erst vor einigen Wochen, als der «Bund» berichtete, dass die Siedlung Meienegg in den kommenden Jahren neu gebaut werden soll.

Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL) hatte die ­Neuigkeiten frühzeitig ausgeplaudert, die Tageszeitung folgte seinem Hinweis und machte die Pläne der Fambau publik. «Daraufhin erhielt ich mehrere Anrufe von verunsicherten Mietern», erzählt Straub.

Entsprechend vorsichtig ist er deshalb mit Ausblicken in die ­Zukunft. Natürlich stünden im Portfolio der Fambau, das bis ins Jahr 2026 reicht, noch etliche Siedlungen, die in den kommenden Jahren saniert werden sollen – wie etwa die Siedlung Holen­acker –, wann genau, das will er aber nicht verraten.

«Alles in allem bin ich sehr stolz darauf, was wir in den letzten Jahren erreicht haben, und zuversichtlich für die Zukunft», resümiert Straub am Ende des Gesprächs und fängt doch noch an zu strahlen.

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