Eine Ehrenrunde durch die Altstadt

Murten

Lust auf einen ­kleinen Nostalgietrip? Ein Gruppenausflug im Töfflitempo macht den Kopf frei für neue Eindrücke. Angeboten wird die etwas andere Reise von Murten Tourismus.

Die nostalgische Töfflitour beginnt in Murtens Altstadt und führt in gemütlichem Tempo um den See.

Die nostalgische Töfflitour beginnt in Murtens Altstadt und führt in gemütlichem Tempo um den See.

(Bild: Christian Pfander)

Und plötzlich hat man Zeit. Rechts lassen sich in der Ferne die Alpengipfel bewundern, links gleich am Strassenrand sieht man Wildblumen, die die Wiese zieren. Das Töffli bietet dafür die richtige Reisegeschwindigkeit: gemütlich genug, damit man sich nicht dauernd auf die Strasse konzentrieren muss und zügig genug, damit man vorankommt.

Hier, auf dem Hügelrücken zwischen Vallamand und Lugnorre, leuchtet der Vorschlag der Touristiker aus Murten so richtig ein: Auf dem Töffli Landluft schnuppern und sich an die eigene Zeiten früherer Teenager-Mobilität erinnern.

Bei Vollgas kribbelt es

So wie Nadine Stettler aus Gasel, die früher viel mit dem Töffli unterwegs war. Sie lässt sich auch als werdende Mutter den Spass auf dem Mofa nicht nehmen und strahlt, oben auf dem Mont Vully angekommen, über die Aussicht ebenso wie über das Fahrerlebnis. Cornelia Schenkel pflichtet bei. Sie musste sich ans Pilotieren erst herantasten, doch wurde ihr Fahrstil schnell frecher, wie ihre Kollegin vergnügt feststellt.

Am Sonntagnachmittag lud Murten Tourismus mit einem Gruppenausflug, zu dem man sich einzeln anmelden konnte, zur Saisoneröffnung. Ansonsten gilt das Angebot nur für Gruppen, denn die Töffli gehören dem Veranstalter Berger Events, der für die Logistik einigen Aufwand betreibt und auch Ersatzmofas dabei hat.

Auf die Idee mit den Töffli kam Felix Berger aus Herrenschwanden, als er ein geeignetes Vehikel für Touren am Frienisberg suchte. Letztes Jahr startete das Angebot am Murtensee und funktionierte auf Anhieb gut. «Wir haben uns vielleicht zehn Buchungen ausgerechnet, es wurden aber gleich viermal mehr», freut sich Direktor Stéphane Moret.

Die halbtägige Tour startet in Sugiez, in Murten kehrt man zu Kaffee und Nidlechueche ein, dann gehts auf Nebensträsschen durch die Broye-Ebene. Über den Mont Vully führt die Tour zurück nach Sugiez, wo die tollkühnen Töfflihelden in der Brasserie Haldemann zum Abschied eine Bière de Vully erwartet.

20 Töffli des Schweizer Herstellers Amsler hat Felix Berger in seinem Fuhrpark. Helmtragen ist obligatorisch, gestartet wird mit Muskelkraft, Fahren ist dank Zweigangautomatik ein Kinderspiel. Im Flachen streichelt der Tacho die 40-km/h-Marke, bergab ist bei 45 Schluss. Bei Vollgas kribbelt es im Gesäss und in den Fusssohlen – und Vollgas ist oft.

Bergers Töffli sind schweizweit vermutlich die einzigen unfrisierten, dafür sind sie legal, und anders als früher reinigt ein Ka­talysator den Ausstoss der Zweitaktmotoren. So oder so stösst die Töffligruppe bei Passanten auf viel Wohlwollen – die einen lachen und winken, andere zücken gar das Smartphone für einen Schnappschuss.

Nicht zu überhören

Dennoch habe es von ökologischer Seite vereinzelt Kritik an der Idee gegeben, räumt Touristiker Moret ein. Man könnte es verstehen, denn auf einer Ehrenrunde durch die Altstadt sind die Töffli nicht zu überhören und zu -riechen.

Das dürfte allerdings weniger an den Mietmofas liegen als an einigen Töfflibuebe aus der Umgebung, deren Untersätze Spuren kreativer Veredelung zeigen und die Mietmofas in Sachen Höchstgeschwindigkeit deutlich übertreffen. Tempo 40 hingegen erlaubt auch noch den einen oder anderen Wortwechsel während der Fahrt.

Dem Murtener Gemeinderat Rudolf Herren, mit einem Töffli der Tochter mit auf Tour, gefällt denn auch der soziale Aspekt, das Gruppenerlebnis. Damit dürfte also auch der politische Support für die Töfflibuebe – Damen jeden Alters mitgemeint – gesichert sein.

Infos und Buchungen über www.murtentourismus.ch/toefflitour – Touren am Frienisberg und im Emmental sowie Einzelverleih über www.toefflibueb.ch

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