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Eine denkwürdige Nacht

Vor siebzig Jahren brannte auf dem Thorberg der Gefangenentrakt vollständig ab. Das Krauchthaler Ortsmuseum gibt die Ereignisse jener prägenden Nacht in einer Ausstellung wider.

In der Nacht vom 18. auf den 19. Februar 1948 sorgte der Grossbrand auf dem Thorberg für einen hellen Feuerschein am Himmel über Krauchthal.
In der Nacht vom 18. auf den 19. Februar 1948 sorgte der Grossbrand auf dem Thorberg für einen hellen Feuerschein am Himmel über Krauchthal.
pd
Das Korrektionshaus wurde zerstört, die übrigen Gebäude der Strafanstalt blieben unversehrt.
Das Korrektionshaus wurde zerstört, die übrigen Gebäude der Strafanstalt blieben unversehrt.
pd
Die Motorspritze Dieterswald war 14 Stunden in Betrieb. Foto:
Die Motorspritze Dieterswald war 14 Stunden in Betrieb. Foto:
Olaf Nörrenberg
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Es ist ein bitterkalter Abend im Februar 1948. Minus zehn Grad. Die Bise bläst. Der Gefängnisaufseher macht gerade seine Runde, als er etwas Ungewöhnliches wittert. Rauch breitet sich rund um das sogenannte Korrektionshaus aus.

Bei jenem Trakt also, wo sich nebst Werkstätten und Lagerräumen auch die Schlafsäle der Gefangenen befinden. Schnell meldet er seine Beobachtung. Zehn Minuten später wird die Feuerwehr alarmiert. Als der Krauchthaler Kommandant auf dem Thorberg eintrifft, brennt der ganze Dachstock bereits lichterloh.

Dies geschah vor siebzig Jahren in einer Winternacht, die in vielerlei Hinsicht in die Geschichte eingehen sollte. Nun widmet das Ortsmuseum Krauchthal dem Brand auf dem Thorberg eine Sonderausstellung.

Am vergangenen Freitag wurde die Ausstellung mit einer Vernissage eröffnet. «Viele Krauchthaler kennen die Geschichte noch aus Erzählungen ihrer Eltern», sagt Museumsleiter Ulrich Zwahlen. Zudem sei die Brandnacht wegen der zahlreichen Medienberichte damals sehr gut dokumentiert worden.

Denn der Brand sorgte für Aufsehen. Der Feuerschein am Himmel ist in jener Februarnacht schon bald weit über Krauchthal hinaus sichtbar. Das Feuer breitete sich im ganzen Korrektionshaus aus.

Auf dem Dachstock ­gelagerte Weiden, Holz in der Schreinerei, Garn in der Weberei – all das ist ein gefundenes Fressen für die Flammen. Die Feuerwehr Krauchthal kann den Brand nicht allein bewältigen. Schon bald werden die Kompanien aus Dieterswald, Hettiswil, Hindelbank und Burgdorf zu Hilfe geholt.

Acht Leitungen werden verlegt. Die Männer wollen verhindern, dass sich der Brand aufs Schloss und aufs Zuchthaus ausbreitet. Aber nur drei der acht Leitungen werden genutzt. Denn es mangelt an Wasser. Also wird auch die Feuerwehr Bern alarmiert. Mit ihrer Motorspritze pumpt sie Wasser vom gestauten Krauchthalbach eineinhalb Kilometer den Berg hinauf.

Nur zwei Häftlinge türmten

Doch nicht nur die Feuerwehrmänner, auch die Gefangenen packen mit an. Sie bringen die Waren aus dem Schloss sicherheitshalber in den Innenhof, helfen bei den Löscharbeiten. Fluchtmöglichkeiten hätte es in jener Nacht viele gegeben, kaum einer nutzte jedoch die Gunst der Stunde, so Ulrich Zwahlen. «Nur zwei Gefangene sind geflüchtet.» Schnell habe man sie aber wieder eingefangen.

Zur Mittagsstunde war der Brand dann endlich gelöscht. Die übrigen Gebäude blieben von den Flammen verschont. Das Korrektionshaus allerdings war vollständig abgebrannt. Zwei Männer erlitten Rauchvergiftungen, ansonsten gab es keine Verletzten.

«Doch 150 Gefangene waren auf einen Schlag obdachlos», erzählt Zwahlen. Einige konnten auf dem Thorberg provisorisch untergebracht werden, die meisten wurden aber in andere Gefängnisse transportiert, nach Witzwil und St. Johannsen.

So gross der Schaden war, ergaben sich aus dem Brand auch Vorteile. Eigentlich habe man schon lange einen neuen Trakt bauen wollen. Das alte Korrektionshaus mit Baujahr 1736 sei nämlich nicht mehr zeitgemäss gewesen, weiss der Museumsleiter.

«Schlafsäle für 30 bis 40 Männer waren nicht ideal.» Die Gefangenen hätten sich gegenseitig negativ beeinflussen können. Nun erhielt man endlich Gelder für den bereits lange geplanten Neubau. 1954 wurde dieser eröffnet.

Kein Rauchverbot mehr

Doch nicht nur für die Anstalt, auch für die Gefangenen sollte sich nach dem Brand einiges zum Positiven wenden. «Einige erhielten eine Strafminderung, weil sie bei den Löscharbeiten so eifrig geholfen hatten», so Zwahlen.

Zudem gab es für alle ein besonderes Zückerchen: Sie durften fortan draussen auf dem Hof rauchen. Bis dahin hatte nämlich ein Rauchverbot geherrscht, weil man befürchtete, die Glut der Zigarette könnte das alte Korrektionshaus entflammen.

Den Brand verursacht hatte aber übrigens nicht etwa ein Häftling, der gegen die damaligen Regeln verstossen und den Glimmstängel auf den Boden geworfen hatte. Nein, ein überhitztes Heizungsrohr war der Übel­täter.

Ausstellung: Das Museum Krauchthal ist an jedem ersten Sonntag von 10 bis 12 Uhr und an jedem dritten Freitag im Monat von 19 bis 21 Uhr geöffnet.

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