Eine Bibel für den Veloverkehr

Bern

Gemeinderätin Ursula Wyss strebt die Umwandlung der Stadt Bern zur Velostadt an. Dazu hat sie ein Handbuch ausarbeiten lassen. Es ist eine Art Bibel für den Veloverkehr.

Helm auf: Ursula Wyss.

Helm auf: Ursula Wyss.

(Bild: Beat Mathys)

Stefan Schnyder@schnyderlopez

An einem Ziel hält Gemeinde­rätin Ursula Wyss (SP) unbeirrt fest: Sie will die Stadt Bern at­traktiv für Velofahrer von 8 bis 80 Jahren machen. Um dies zu ­erreichen, braucht es unzählige kleinere und grössere Mass­nahmen. Wyss hat in den ver­gangenen Monaten von ihren Verkehrsplanern ein Handbuch ausarbeiten lassen, das der Gemeinderat diese Woche verabschiedet hat. Am Freitag ging es in die Vernehmlassung.

Velorouten und Velostrassen

Die Schrift zeigt den Weg in eine Zukunft auf, in der die Velo­fahrer wörtlich und im über­tragenen Sinn Vortritt geniessen. Sie enthält zum einen eine Karte, in der die geplanten Velorouten eingetragen sind. Diese sind bereits weitgehend bekannt. Grob gesagt unterscheidet die Stadt zwischen Velorouten entlang von Hauptverkehrsachsen und Velostrassen, welche durch wenig befahrene Quartierstrassen führen.

Abschied vom Dogma

Bei Letzteren verabschiedet sich die rot-grüne Verkehrspolitik von einem lieb gewordenen Dogma. Während vieler Jahre versuchten die Verfechter einer Verkehrsberuhigung mit beidseits der Strasse und versetzt ange­ordneten Parkplätzen, die Geschwindigkeit der Autofahrer zu drosseln. Doch dies zwingt die Velofahrer zum Kurvenfahren. Das ist auf Velostrassen nicht mehr erwünscht. Deshalb werden auf diesen künftig die Parkplätze nur noch auf einer Strassenseite markiert.

Das Ziel bei der Planung der Velorouten ist klar: Zwischen jedem Quartier und dem Zentrum, zwischen benachbarten Quartieren und zwischen der Stadt und den grösseren umliegenden Gemeinden soll es eine Veloroute geben. So ist diejenige zwischen Bern und Köniz bereits im Bau.

Die Route zwischen Bern und Ostermundigen ist dagegen erst in Planung. Ein Abschnitt dieser Route betrifft beispielsweise die Speichergasse, die als Einbahn vor dem Progr durchführt. Die Stadt will diese noch in diesem Herbst für den Velogegenverkehr öffnen, sodass die Fahrräder flüssig zwischen Kornhausplatz und Bahnhof verkehren können.

Die Folgen für die anderen

Die Planung einer Veloroute hat auch Auswirkungen auf alle anderen Verkehrsteilnehmer. Dies zeigt sich beim Guisanplatz. Hier will die Stadt für die stadtauswärts fahrenden Fahrzeuge ein Linksabbiegeverboteinführen. Der Pilotversuch kann nun allerdings erst Anfang 2019 gestartet werden, wie der städtische Verkehrsplaner Karl Vogler sagt.

Der Plan der Velorouten enthält auch einige Zukunftspro­jekte. So zum beispielsweise die viel diskutierte Velobrücke zwischen dem Breitenrain- und dem Länggassquartier.

Der Gemeinderat will die Pläne dazu bis Ende 2019 erarbeiten. Oder im Wankdorfquartier beabsich­tigen die SBB, in einigen Jahren eine Unterführung für Fuss­gänger und Velofahrer zwischen ihrem Hauptsitz und der Tramhaltestelle Bern Wankdorf bauen zu lassen.

Gebote für die Planer

Das Handbuch enthält zudem Handlungsanweisungen – man könnte auch von Geboten sprechen – für die Planer. Beispielsweise für die Planung einer ­Kreuzung, einer Tramhaltestelle, eines Kreisels oder der Auf­teilung der Strassenbreite auf die verschiedenen Verkehrsteilnehmer.

In Bezug auf die Fahrbahn­breite skizzieren die Planer folgende Wunschvorstellung: Bei schwach befahrenen Strassen erachten sie einen Mischverkehr von Autos und Fahrrädern als angezeigt. Bei mittelstark befahrenen Strassen will die Stadt künftig einen Velostreifen einplanen. Und bei stark befahrenen Strassen strebt sie eine Trennung von Auto- und Veloverkehr an.

Auch die Kreuzungen will die Stadt Bern velofreundlich kon­zipieren. Sodass Velofahrer gefahrenfrei links abbiegen können. Zudem sollen Velofahrer bei Ampeln privilegiert werden.

Es gibt also noch viel zu tun. Das gelobte Veloland ist noch nicht erreicht. Aber die Velo­prophetin Ursula Wyss wird die Stadtbernerinnen und Stadt­berner dorthin führen. Pedaltritt für Pedaltritt.

Berner Zeitung

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