Eine Baustelle für die Steinböcke

Bern

Der Spatenstich zur neuen Steinbockanlage Aare Alpen im Tierpark Dählhölzli ist erfolgt. 2020 soll die neue Anlage in Betrieb gehen.

Gemeinderat Reto Nause (links) und Tierparkdirektor Bernd Schildger beim Spatenstich für die neue Steinbock-Anlage im Dählhölzli.

Gemeinderat Reto Nause (links) und Tierparkdirektor Bernd Schildger beim Spatenstich für die neue Steinbock-Anlage im Dählhölzli.

(Bild: Beat Mathys)

Das Steinbockgehege an der Aare gehört zum Dählhölzli seit dessen Eröffnung 1937. Es ist die älteste Anlage im Tierpark, und sie wurde bis heute – abgesehen von kleineren Eingriffen – nie umgebaut. Das ändert sich jetzt.

Am Montag erfolgte der Spatenstich für das Projekt Aare Alpen. «Wir werden die alte Anlage aus Beton abreissen und eine alpine Landschaft bauen», sagte Tierparkdirektor Bernd Schildger. «Sie wird grösser, attraktiver und tiergerechter.»

Geplant sind auf Naturboden grossflächige Kletter- und Rückzugsmöglichkeiten für die Tiere. Auch das Besuchererlebnis werde spannender, meinte Bernd Schildger. Teile der alpinen Landschaft seien für das Publikum begehbar. Auf diesem Hangflecken am Aareufer werden aber nicht nur Steinböcke ein neues Zuhause finden.

Geplant ist nämlich auch eine Voliere für Alpendohlen. Und etwas weiter aareabwärts, bis hin zu den Bibern, werden Gämsen einziehen. «Die ganze Anlage wird ein Gewinn für Mensch und Tier», sagte Schildger. Die Steinböcke sollen 2020 einziehen können.

Tiere als Schmuggelware

«Der Steinbock ist Teil der Schweizer Geschichte und gehört somit in die Bundesstadt», meinte Reto Nause, Gemeinderat (CVP) und Präsident der Tierparkkommission. «Anfang des 19. Jahrhunderts war der Steinbock in der Schweiz ausgerottet. Die Schweizer hatten die Bestände aufgegessen und das Horn für medizinische Zwecke verwendet.»

«Ohne Politik gäbe es den Steinbock heute in der Schweiz nicht mehr.»Reto Nause Gemeinderat und Präsident der Tierparkkommission

1905 habe sich der damalige CVP-Bundesrat Joseph Zemp in Italien um ein paar Steinbockexemplare bemüht, aber König Vittorio Emanuele III. wollte keine Jungtiere liefern. Bundesrat Zemp habe dann die Aktion des St. Galler Wildparks Peter und Paul unterstützt, der Wilddiebe und Schmuggler anheuerte.

«Zemp wies die Zöllner an, bei diesen Aktionen beide Augen zuzudrücken», erzählte Reto Nause. Ohne Politik gäbe es den Steinbock heute in der Schweiz nicht mehr. Und die neue Anlage Aare Alpen gäbe es ohne die zahlreichen Spenderinnen und Spender auch nicht.

4,3 Millionen Franken

Die benötigten Mittel in Höhe von 4,3 Millionen Franken seien vor ziemlich genau einem Jahr zusammengekommen, meinte Gemeinderat Nause und bedankte sich bei den zahlreichen Spendern. Den Spatenstich gestern kurz vor Mittag besorgte Reto Nause persönlich.

Er bestieg einen Bagger und hievte gekonnt zwei Schaufeln voller Steine in eine Mulde – gerade so, als hätte er nie etwas anderes gemacht. Am Rande der Veranstaltung gestand er dann aber, dass er zuvor einen Bagger-Crashkurs gemacht habe.

Die Aare-Alpen-Anlage wird nicht die einzige Baustelle im Tierpark bleiben. Das Restaurant erhält einen Anbau. Hinter dem Restaurant soll ein Lift gebaut werden, der die Besucher direkt ins oben gelegene Vivarium führt. Beim Spielplatz schliesslich ist ein Erlebnisbauernhof geplant. Diese Projekte werden aber frühestens nächstes Jahr in Angriff genommen.

Berner Zeitung

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