Eine Badi wird eingemottet

Köniz

Die Badi Weiermatt in Köniz ist wie andere Bäder in der Region seit dieser Woche geschlossen. Jetzt heisst es aufräumen, putzen, die Becken leeren und Bilanz ziehen: Diese sieht positiv aus.

Abräumarbeiten: Badmeister Jean-Luc Razakarivony (links) und Mehmet Fazlija bereiten die Badi auf den Winterschlaf vor.

Abräumarbeiten: Badmeister Jean-Luc Razakarivony (links) und Mehmet Fazlija bereiten die Badi auf den Winterschlaf vor.

(Bild: Raphael Moser)

Die Badeanlage Weiermatt, wo sich an Spitzentagen bis zu 6000 Menschen tummeln, ist menschenleer. Der Himmel ist grau, und die grosse Anzeigetafel zeigt kühle 15 Grad. Mit den Gästen hat sich am ersten Tag nach dem Saisonende auch das Badewetter für dieses Jahr verabschiedet. Doch bevor die Badi in den wohlverdienten Winterschlaf verfällt, gibt es noch allerhand zu tun.

Mit einem grossen Rechen sorgt Badmeister Mathias Hirschier auf dem Beachvolleyballfeld für eine ebenmässige Oberfläche. «So kann man im Herbst das Laub und im Frühling die frischen Samen, aus denen später Unkraut entsteht, ganz einfach mit dem Laubbläser entfernen», erklärt er.

Der 42-Jährige ist seit zwei Jahren in Köniz als Badmeister tätig: «Ursprünglich bin ich Sanitärinstallateur, was mir eine gute Basis für die Technik gibt.» So ist er denn auch mit der Aufgabe betraut, die Sanitäran­lagen winterfest zu machen.

6 Millionen Liter in den Bach

Putzen, Rasen mähen, Reparaturen vornehmen, die Sprung­bretter demontieren — die Auf­gabenliste der Badmeister ist lang. Doch alle sind entspannt: «Jetzt, wo das Aufpassen wegfällt, können wir endlich schön in Ruhe arbeiten», sagt Mathias Hirschier.

Alle Jahre wieder lassen die Badmeister auch das Wasser aus den fünf Becken laufen. Bis das Badewasser völlig chlor- und schwefelsäurefrei ist, dauert es rund drei Tage. Danach werden die fast 6 Millionen Liter Wasser innerhalb von 24 Stunden in den Dorfbach entleert.

Im Sanitätszimmer bietet sich zurzeit ein skurriler Anblick: ­Kisten voller Schuhe, stapelweise Badetücher und T-Shirts – allesamt frisch gewaschen – und sogar eine grosse Plastikschlange.

Bei diesen Dingen handelt es sich um Fundsachen, die in der Badi zurückgelassen wurden. Noch bis Mitte Woche können diese für zwei bis drei Franken abgeholt werden. Was dann übrig bleit, geht ans Durchgangs­zentrum Halenbrücke in Herrenschwanden.

Die Abräumarbeiten gehen bis zum Freitag weiter, dann machen erst einmal alle Ferien. Dass sich während der letzten fünf Monate viele Überstunden angehäuft haben, wird mit einem ruhigeren Winterhalbjahr kompensiert. Mathias Hirschier zum Beispiel arbeitet während der Winter­saison als Langlauflehrer.

Erfreuliche Saison

Neben Leiter Pascal Blatter ar­beitet nur Mehmet Fazlija, Chef Reinigung und Unterhalt, das ganze Jahr über. Noch bis Ende November wird der 57-Jährige von Badmeister Jean-Luc Razakarivony unterstützt, dann schaut er in der Anlage allein zum Rechten.

Er repariert und bastelt in der Werkstatt, macht Inventar, kontrolliert die aktiven Pumpen, die in manchen Becken das Regenwasser absaugen, und sorgt dafür, dass bei allen Maschinen der Service durchgeführt wird. Anfang März kommt das gesamte Team wieder zusammen und bringt die Badi für den nächsten Saisonstart im Mai auf Vordermann.

Pascal Blatter blickt auf eine erfolgreiche Saison zurück: «Trotz schlechtem Wetter während der eigentlichen Rekordwochen vor und nach den Ferien im Juli und im August hatten wir diesen Sommer gegen 180'000 Besucher.» Die genauen Eintrittszahlen sind zwar noch nicht ausgewertet, den Durchschnitt von 155'000 Be­suchern wird die Badi aber locker überschreiten.

Nur einmal musste die Ambulanz kommen, wegen einer allergischen Reaktion auf einen Bienenstich. Darüber freut sich Pascal Blatter besonders, denn die Angst, dass zum Beispiel einem Kind etwas passieren könnte, sei jede Saison gross: «Ich freue mich immer zweimal. Einmal, wenn wir öffnen, und das zweite Mal dann noch mehr, wenn wir unfallfrei schliessen können.»

Berner Zeitung

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