Zum Hauptinhalt springen

Eine Anlage wie eine Schatztruhe

Die unterirdische Sanitätsanlage beim Schulhaus Dennigkofen muss verschwinden. Das Material wurde gestern verladen und nach Algerien verschickt.

Alles muss raus: Die Sanitäts- anlage in Ostermundigen wird vom Zivilschutz leergeräumt.
Alles muss raus: Die Sanitäts- anlage in Ostermundigen wird vom Zivilschutz leergeräumt.
Raphael Moser

In der Ferienzeit ist es um den Schulhausplatz Dennigkofen in Ostermundigen eigentlich still. Nicht so gestern. Von Stille war keine Spur. «Alles muss raus!», schreit ein Mann, gekleidet in die unverkennbare Uniform des Zivilschutzes, während er einen riesigen Lastwagen belädt.

Der Grund für den Rummel: Die unterirdische Sanitätshilfestelle beim Schulhaus wird im Rahmen der Verkleinerung von Armee und Zivilschutz aufge­hoben. «Da ist wahnsinnig viel Material, dass da rausmuss», sagt Peter von Arx, Abteilungsleiter für öffentliche Sicherheit der Gemeinde Ostermundigen.

Acht Zivilschützer sind im Einsatz, um die Betten und das Equipment in den 66 Quadratmeter grossen Container zu verladen. «Gott sei Dank passt der Gabelstapler ge­rade tout juste durch den Eingang. Ohne den wäre es schwer», sagt Zivilschutzkommandant Martin Baur.

«Hilfe zur Selbsthilfe»

Das Material wird aber nicht etwa entsorgt, sondern verschifft. Über Genf geht es nach Algerien. Dafür zuständig, dass alles glatt abläuft, ist Jean-Charles Dédo (80) von der Internationalen ­Zivilschutzorganisation (ICDO) aus Genf.

Seit 18 Jahren setzt er sich bei der Organisation dafür ein, in bedürftigen Ländern staatliche Strukturen zu fördern, mit denen die Bevölkerung bei Naturkatastrophen und von Menschen verursachten Katas­trophen geschützt und unterstützt werden kann.

«Eine Sanitätsanlage wie in ­Ostermundigen ist hierfür wie eine Schatztruhe», sagt Dédo. Die Betten aus den 70er- und 80er-Jahren, die hier niemand mehr wirklich brauche, seien gerade in Entwicklungsländern oder in Balkanstaaten, die mit der Flüchtlingskrise zu kämpfen haben, eine willkommene Hilfe.

«Es geht um Hilfe zur Selbsthilfe», sagt Dédo. Deshalb verfolgt er auch den ganzen Weg des Materials bis zur Annahmestelle. Um zu gewährleisten, dass das Material nicht etwa weiterverkauft oder sonst missbraucht wird, würden deshalb regelmässig Kontrollen durchgeführt.

«Der Zivilschutz wird häufig kritisiert, aber gerade bei solchen Aktionen erkennt man seinen Wert», so Dédo. Deshalb sei er auch nach so vielen Jahren mit unermüdlicher Begeisterung und Überzeugung bei der Sache. Eigentlich arbeitet Dédo 50 Prozent für die Organisation, «würden sie aber meine Frau fragen, sind es eher 150 Prozent», meint er schmunzelnd, ehe er verschiedenste Anekdoten von seinen Einsätzen in Guinea oder Niger auspackt.

Eine von vielen Schliessungen

In den meisten Gemeinden der Schweiz gibt es eine Zivilschutzanlage. Die meisten stammen aus der Zeit des Kalten Krieges. Rund 2000 Zivilschutzanlagen werden derzeit noch betrieben. Der Bund machte letztes Jahr doch bekannt, dass etwa die Hälfte davon geschlossen werden sollen.

Betroffen sind nicht Schutzräume für die Bevölkerung, sondern ­Anlagen, die vom Zivilschutz genutzt werden – als Unterkünfte für Asylsuchende oder unter­irdische Spitäler wie in Ostermundigen.

Der Abbau sei eine Folge der veränderten sicherheitspolitischen Lage seit dem Ende des Kalten Krieges sowie des neuen Fokus des Zivilschutzes auf Hilfe bei Naturkatastrophen, wie es beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz heisst. Die Verminderung soll etappenweise über die nächsten 25 Jahre erfolgen.

Wie es mit den Anlagen weitergeht, entscheiden Kantone und Gemeinden. In Ostermundigen wird ein öffentlicher Schutzraum für rund 600 Personen entstehen. Bis Ende Jahr soll die Anlage vollständig geräumt sein. Dann entspreche sie auch den aktuellen Bedürfnissen, räumt Peter von Arx ein.

«Wir nahmen den Bundes­entscheid hin und machten das Beste draus», sagt Gemeinde­rätin Aliki Panayides (SVP). Sie ist erfreut darüber, dass die Aktion so einwandfrei ablaufen konnte. Das sei gerade auch dank solch motivierten Leuten wie Jean-Charles Dédo, Kommandant Baur und den örtlichen Zivilschützern möglich gewesen.

Dass die Aktion ihren Sinn hat, lässt sich auch bei den Zivilschützern nicht überhören: «Das hätten wir hier doch nie alles gebraucht!»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch