Eindrückliches Finale mit New-Orleans-Flair

Bern

Das 42. Internationale Jazzfestival schloss erfolgreich mit Konzerten von Davell Crawford im Marians, während Cajunsängerin Sarah Savoy und Studenten aus New York an der Closing Party im Zelt aufspielten.

Heimatverbunden: Sänger-Pianist Davell Crawford.<p class='credit'>(Bild: zvg)</p>

Heimatverbunden: Sänger-Pianist Davell Crawford.

(Bild: zvg)

Rund dreissig Formationen gastierten in den letzten zehn Wochen an den Spielorten des Internationalen Jazzfestivals in Bern: Im Marians, im Jazz-Zelt, im Kursaal, im Schweizerhof und im Tierpark. Die Veranstalter ziehen eine positive Bilanz. Es wurden laut Medienmitteilung 15 Prozent mehr Tickets als im Vorjahr verkauft.

Insgesamt zählte das Festival rund 31'000 Besucher, das sind 3000 mehr als 2016. Auch die Gratis-Studentenkonzerte im Zelt waren beliebt – und sind einmalig: Kein anderes Festival bietet eine vergleichbare Plattform (siehe Infobox).

Im Marians Jazzroom stand das Finale im Zeichen von Blues und Swing. Das war vor 80 Jahren die wichtigste Unterhaltungs- und Tanzmusik. Die Sängerin Catherine Russell verkörperte dabei die Spielarten aus nördlichen Grossstädten wie New York, während Sänger-Pianist Davell Crawford für südlichen Mardi-Gras-Glamour aus New Orleans sorgte.

Ein Abend, zwei Welten

Nicht bloss geografisch liegen die Welten der beiden Künstler weit auseinander, auch ihre Art der Darbietung unterscheidet sie grundsätzlich. Lady Russell, 1956 in New York geborene Tochter von Luis Russell, Miterfinder des Swing, will es wissen.

Seit Jahren grübelt sie in Musikarchiven. Mit reizvollen Songs und launigen Sprüchen gibt sie die Erkenntnisse weiter, etwa, dass der Standard «When Lights Are Low» lange nicht akzeptiert wurde, weil er von einem Schwarzen und nicht von einem Weissen stammte.

Davell Crawford, eine Gene­ration jünger, verkörpert das ­Big-Easy-Feeling aus der Crescent ­City am Mississippi. Schwungvoll intoniert er wie schon 1996 anlässlich seines ersten Berner ­Auftritts den Knüller «Iko Iko», aber heute ist sein New-Orleans-Flair ausdrucksvoller geworden.

Liegts am Alter? Oder an der kleineren Band? Nein, verantwortlich ist – laut Crawford selber – der Wirbelsturm Katrina von 2005. Katrina gilt als eine der verheerendsten Naturkatastrophen in der Geschichte der USA. Er identifiziere sich seit der Katastrophe stärker mit Freud und Leid seiner Heimat, sagt Crawford.

Verneigung und Protest

Heimatverbundenheit zeigte Davell Crawford mit seinen Mardi-Gras-Ketten und noch deutlicher mit den Songs. Verneigung vor der afroamerikanischen Kultur und heftiger Protest liegen nahe beieinander: Das Wiegenlied «Summertime» mündet in Billie Holidays Lynchballade «Strange Fruit».

Eine Neudeutung erfährt auch der Klassiker «Do You Know What It Means to Miss New Orleans», wo Crawford das erlebte Katrina-Trauma mit dem Überschwemmungssong «Louisiana 1927» von Randy Newman verbindet. Die Worte «They’re tryin’ to wash us away» erinnern an die Horrorszenen, verursacht von der Natur und menschlicher Brutalität.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt