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Ein Turm gegen den Atomstrom

Am Samstag bauten Anti-AKW-Aktivisten vor dem Münster ein Mahnmal: Auch zwei Jahre nach Fukushima dürfe die Katastrophe nicht aus den Köpfen verschwinden.

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Rund 300 Menschen versammelten sich auf dem Münsterplatz, um gegen AKW zu protestieren. Es wurde auch mit einer Schweigeminute der Opfer von Fukushima gedacht.
Rund 300 Menschen versammelten sich auf dem Münsterplatz, um gegen AKW zu protestieren. Es wurde auch mit einer Schweigeminute der Opfer von Fukushima gedacht.
Iris Andermatt
Ab 13 Uhr startete die Kundgebung.
Ab 13 Uhr startete die Kundgebung.
Dorothée Nagel
Ziel war es, den fünf Meter hohen Turm mit den Wünschen der Teilnehmer zu bestücken.
Ziel war es, den fünf Meter hohen Turm mit den Wünschen der Teilnehmer zu bestücken.
Dorothée Nagel
Bretter und Farbe lagen bereit, um die Gedanken so an das Mahnmal zu bringen.
Bretter und Farbe lagen bereit, um die Gedanken so an das Mahnmal zu bringen.
Dorothée Nagel
So drückten die Teilnehmenden ihre Gedanken aus.
So drückten die Teilnehmenden ihre Gedanken aus.
Dorothée Nagel
Der Turm wurde während der gehaltenen Reden zunehmend bunter.
Der Turm wurde während der gehaltenen Reden zunehmend bunter.
Dorothée Nagel
Gesicherte Kletterer brachten die Bretter am Turm an.
Gesicherte Kletterer brachten die Bretter am Turm an.
Dorothée Nagel
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Jonas Knobel sitzt auf den Pflastersteinen des Münsterplatzes und malt konzentriert auf eine Holztafel. «Keine tötliche Energie» schreibt er in wackligen Buchstaben. «Spätestens nach Fukushima wäre es doch klar gewesen: Man muss alle AKW abschalten», sagt der 10-jährige Halbjapaner. «Ich habe Angst, dass so eine Katastrophe auch hier bei uns passiert.»

Mit seinem Anliegen war Jonas Knobel am Samstag nicht alleine: Rund 300 Menschen versammelten sich vor dem Berner Münster, um an Fukushima und die Gefahren von Atomstrom zu erinnern. Zentrum der Aktion war ein fünf Meter grosser Holzturm, der ab 13 Uhr von den Aktivisten errichtet wurde. Kletterer mit Greenpeace-Helmen turnten während des ganzen Nachmittags daran herum, um Dutzende Protesttafeln an den Baumstämmen zu befestigen. «Das Holz wird nach der Aktion geschreddert und der EWB übergeben, die daraus Strom erzeugt», erklärte Bettina Wyler, Leiterin der Organisatorin Greenpeace Regionalgruppe Bern. Der Turm wurde noch am Samstag abgebaut.

Radioaktive Verseuchung

Nicht nur auf den Holztafeln, sondern auch in verschiedenen Reden wurde die Atomkatastrophe Fukushima wieder heraufbeschworen. So lasen Aktivisten einen offenen Brief des japanischen Journalisten und Autoren Satoshi Kamata vor, in welchem eindringlich die Situation vor Ort beschrieben wurde. «Immer noch werden stark verseuchte Fische gefangen», schreibt Kamata. «Bei Kindern werden die ersten Fälle von Schilddrüsenkrebs festgestellt.» Auch Ruiko Mutoh, Leiterin der AKW-Fukushima-Klagegemeinschaft in Japan, hat eine Botschaft an die Schweiz verfasst. Sie beschuldigt die japanische Regierung, die Entschädigungszahlungen «nur sehr schleppend» zu verrichten. Zudem habe der Staat die finanzielle Unterstützung für jene gestrichen, die aus der Präfektur Fukushima geflüchtet seien. Die beiden Reden wurden mit Applaus der Anwesenden quittiert.

Nebst dem Atomkraftwerk Fukushima war auch jenes in Mühleberg Thema – in mehreren Reden forderten Aktivisten, das AKW sofort abzuschalten. Auch Bettina Wyler sieht Handlungsbedarf: «Der Bund hat zwar den Atomausstieg beschlossen, aber die Frist von 2034 ist zu weit weg.» Und es könne ein Umdenken passieren: In Japan möchte beispielsweise die neue Regierung um den Ministerpräsidenten Shinzo Abe den Atomausstieg rückgängig machen. «Fukushima darf deshalb nicht vergessen werden», betonte Wyler mit einem Blick zum Turm.

(SDA)

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