Ein SVPler geht heute leer aus

Bern

Sechs treten an, aber nur fünf kommen auf die Liste. Die Parteispitze der städtischen SVP entscheidet heute, wen sie für die Gemeinderatswahlen vorschlägt. Die Weggefährten Hess und Fuchs haben beide Interesse.

Erich Hess (links) und Thomas Fuchs haben Interesse wollen in den Stadtberner Gemeinderat.

Erich Hess (links) und Thomas Fuchs haben Interesse wollen in den Stadtberner Gemeinderat.

(Bild: Keystone)

Heute geht bei der Stadtberner SVP die Musik aus – wie beim «Sesseltanz» oder bei der «Reise nach Jerusalem» muss man sich dann einen Sitz schnappen. Parteileitung und -vorstand entscheiden am Abend, wen sie für den SVP-Alleingang für die Stadtberner Gemeinderatswahlen vorschlagen. Fünf Plätze zählt die Liste, über welche die SVP-Hauptversammlung am 1. Februar de­finitiv entscheiden wird. Kandidaten gibts aber sechs – einen zu viel.

Grossrat Thomas Fuchs hegt Ambitionen, genauso wie Neo-Nationalrat Erich Hess und Parteipräsident Rudolf Friedli. Dazu kommen Stadtrat Henri-Charles Beuchat sowie der in der städtischen Politik bis anhin unbekannte Stefan Hofer, welcher kürzlich Erich Hess’ Sitz im Grossen Rat geerbt hat. Als Unabhängiger ist Ex-Stadtrat und Alt­rocker Jimy Hofer vorgesehen.

Er dürfte auf der fünften Linie gesetzt sein. Mit ihm erhofft sich die SVP das womöglich entscheidende eine Prozent mehr. «Ich würde mich zur Verfügung stellen», sagt Hofer. Er sei keinesfalls politikmüde. Hofer wohnt noch in Wiggiswil. Kandidieren darf aber nur, wer seinen Lebensmittelpunkt in Bern hat. «Ich würde zurückkommen», sagt er.

Fuchs oder Hess? Oder beide?

Komplizierter wird es bei den fünf SVP-Vertretern. Ein wirklicher Spitzenkandidat fehlt. Mit dieser Strategie möchte die Partei möglichst viele Listenstimmen abholen. Mit zwölf bis dreizehn Prozent Wähleranteil in der Stadt wird es voraussichtlich um ein Restmandat gehen.

Persönliche Ansprüche müssten diesem Ziel untergeordnet werden, war zu vernehmen. Hinter vorgehaltener Hand hiess es, Hess könnte Fuchs bei den städtischen Wahlen den Vortritt lassen. Einerseits weil Hess in den Nationalrat gewählt worden ist und andererseits, weil Fuchs bei den Nationalratswahlen in der Stadt mehr Stimmen holte als Hess.

Auf Anfrage äussern aber beide ihr Interesse an einer Kandidatur. Hess sagt, es sei denkbar, dass beide kandidieren. Fuchs sagt, es sei denkbar, dass einer der beiden verzichte. Und Wahlkampfleiter und Fraktionschef Roland Jakob sagt: «Man kann nicht auf allen Hochzeiten tanzen.» Einer der beiden werde sicher antreten.

So weit, so undurchsichtig. Es ist gut vorstellbar, dass sich Hess zwar in der Rolle des Gemeinderatskandidaten gefällt, am Ende aber zurückziehen wird. Schliesslich geht es auch um die Politkarriere seines Weggefährten. 2018 darf Fuchs wegen der Amtszeitbeschränkung nicht mehr für den Grossen Rat kandidieren. Wird er bis dahin nicht Gemeinderat, wars das wohl. «Ich will einfach keinen Krach wegen der Liste», sagt Fuchs derweil.

Bleiben die Kandidaten Friedli, Beuchat und Stefan Hofer. Letztgenannter Politneuling wäre wohl am ehesten von einer Kandidatur abzubringen. Noch ertönt die Musik für alle – aber nicht mehr lange.

Berner Zeitung

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