Ein striktes Nein zu den Fahrenden

Wileroltigen

Die Gemeindeversammlung will keinen zeitlich begrenzten Transitplatz für Fahrende. Sie sagte Nein zu einem Antrag des Bürgerkomitees.

Die Stimmberechtigten von Wileroltigen sagen Nein zum zeitlich begrenzten Transitplatz für Fahrende.

Die Stimmberechtigten von Wileroltigen sagen Nein zum zeitlich begrenzten Transitplatz für Fahrende.

(Bild: Christian Pfander)

Stephan Künzi

Die Resultate waren zu erwarten gewesen. Wileroltigen äusserte sich gestern Abend zu den Fahrenden so, wie es sich nach all der Aufregung der letzten Tage und Wochen abgezeichnet hatte.

Die Gemeindeversammlung sagte zuerst Ja zu einem Ortspolizeireglement, das strengere Regeln für das Campieren vorsieht und ungebetene Gäste wie eben Fahrende von vornherein fernhalten soll. Anschliessend fasste sie ein genauso klares, wenn auch nur konsultatives Votum gegen den vom Kanton geplanten Transitplatz für ausländische Fahrende. Wobei sie, und das war doch noch eine kleine Überraschung, länger darüber diskutierte, ob dieser Beschluss nicht noch ein Stück weit relativiert werden sollte.

Politisch wohl klüger

Ausgelöst hatte die Debatte der BDP-Politiker Daniel Schwaar im Namen des Bürgerkomitees. ­Dieses hatte sich im vergangenen Jahr, als zeitweise bis zu 500 Roma französischer und spanischer Herkunft auf dem Gelände direkt an der Autobahn haltmachten, zur Abwehr gegen die Pläne des Kantons gebildet. Trotzdem ­regte Schwaar nun an, man solle sich zwar weiterhin gegen einen fixen Platz aussprechen. Zugleich wäre es politisch aber wohl klüger, dem Kanton ein klar auf zwei Jahre begrenztes Provisorium anzu­bieten.

Wieso, erklärte Armin Mürner im Namen des Bürgerkomitees. Er führte aus, der Kanton werde mit seinen Plänen für einen fixen Platz in Wileroltigen problemlos durch den Grossen Rat kommen. Die anderen Gemeinden könnten dann nämlich umso sicherer davon ausgehen, geschont zu werden. Biete Wileroltigen dagegen für eine befristete Lösung Hand, sehe die Sache anders aus. Vielleicht komme dann das eine oder andere Dorf auf die Idee, es Wileroltigen gleichzutun. Auf diese Art würde sich die Last viel besser auf verschiedene Gegenden verteilen.

Zu gross waren die Zweifel, dass der Kanton statt des kleinen Fingers, den ihm die Gemeinde bieten wolle, gleich die ganze Hand  nehmen würde.

In seiner Meinung bestärkt sah sich Mürner durch die jüngsten Entwicklungen. Nachdem Brügg schon vor längerem zu einem solchen Provisorium Hand geboten hatte, erklärte sich letzte Woche auch die Justizvollzugsanstalt Witzwil bereit, allenfalls vor­über­gehend Land für die Fahrenden zur Verfügung zu stellen.

Auf verlorenem Posten

Bei den 55 Anwesenden – immerhin ein Fünftel aller Stimmberechtigten – verfingen diese Argumente aber kaum. Zu gross waren die Zweifel, dass der Kanton statt des kleinen Fingers, den ihm die Gemeinde bieten wolle, gleich die ganze Hand nehmen würde. Immerhin müsste man doch auch für ein Provisorium gewisse Investitionen tätigen, hiess es. Für den Kanton wäre es dann verlockend, den Platz nach Ablauf der zwei Jahre einfach weiterlaufen zu lassen. Die Gemeinde könnte dagegen nichts machen, weil ihr das Land ja nicht gehöre.

Dann und wann kam auch wieder der Frust hoch über das, was im letzten Jahr geschehen war. Ob auch bei einem Provisorium WCs und Duschen installiert würden, wollten die einen mit Blick darauf wissen, dass frei herumliegende Fäkalien im letzten Jahr derart für Ärger gesorgt hatten. Andere warnten offen davor, «dass es wieder stinkt, weil alles verkackt ist». Es sei auch unangenehm, in der Dunkelheit am Platz vorbeizufahren, weil man nie wisse, ob plötzlich ein Kind vors Auto renne.

Immer klarer zeichnete sich ab, dass Schwaar und Mürner auf verlorenem Posten standen. So kam es auch: Mit 26 Nein gegen 22 Ja sprach sich die Gemeindeversammlung dagegen aus, dem Kanton den Platz als Provisorium anzubieten.

Berner Zeitung

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