Bern

Ein Spital packt ein

BernEnde August schliesst das Zieglerspital. Der Grossteil der Mitarbeitenden ist bereits ins Tiefenau umgezogen, wie etwa Pflegebereichsleiterin Anke Rüdiger mit ihrem Team. Therapieleiter Patrick Wermuth bleibt bis zuletzt im Ziegler.

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Zügelkisten stehen in einer Ecke des Grossraumbüros, auf einem Massagetisch im Nachbarraum stapeln sich Decken und Kissen. Kein Mensch ist an diesem Morgen auf der Therapieabteilung des Zieglerspitals zu sehen. «Es ist schon sehr ruhig hier, seit die Geriatrie im Juli ins Tiefenauspital umgezogen ist», sagt Abteilungsleiter Patrick Wermuth. Damals zügelte auch ein Teil der Therapie, die eng mit der Geriatrie verknüpft ist. Nur noch ein Physiotherapeut – Wermuth oder eine Kollegin – arbeitet pro Tag im Ziegler. Der Rest des Teams ist bereits ganz ins Tiefenau gezogen.

Am 28. August, wenn das Zieglerspital definitiv schliesst, wird auch noch der Rest der Therapieabteilung sowie die Orthopädie gezügelt. Wermuth freut sich auf diesen Moment. «Zurzeit ist der Arbeitsalltag etwas anstrengend, weil ich meine Gedanken an zwei Standorten habe», erklärt er. Wenn seine Kollegin im Ziegler übernimmt, geht er ins Tiefenau.

Wermuth entschied sich, zu bleiben

Patrick Wermuth hat die Leitung der Therapien im Juli übernommen. Sein Vorgänger hatte gekündigt – wie der Grossteil des Therapeutenteams. Von vierzehn Personen blieben noch drei übrig, die ins Tiefenau wechselten. Auch Wermuth hätte ein Angebot aus dem Siloah gehabt, entschied sich jedoch zu bleiben. Der 39-Jährige wollte nicht mehr nur in der Geriatrie, sondern vermehrt in anderen Fachgebieten und im ambulanten Bereich arbeiten. Dass er dann die Teamleitung übernehmen durfte, freute ihn umso mehr. Dennoch fällt es ihm schwer, dass das Team mit dem Umzug auseinandergerissen wurde. Der Zusammenschluss von Ziegler und Tiefenau an sich habe sich hingegen ja schon länger abgezeichnet.

Rund ein Drittel der 450 Angestellten des Zieglerspitals hat gekündigt, die meisten davon liefen zu Privatspitälern über (wir berichteten). Etwa die Hälfte der ursprünglichen Besatzung wechselte ins Tiefenau, der Grossteil des restlichen Personals ins Inselspital oder in eines der Landspitäler der Insel-Gruppe. Bei den wenigen Übrigen sei man auf gutem Weg, eine Lösung zu finden, heisst es bei der Spitalleitung.

Rüdiger führte mit jedem Mitarbeiter Einzelgespräche

Anke Rüdiger hatte mit ihrem Team mehr Glück. Die Pflegebereichsleiterin der Medizin konnte alle 42 bisherigen Pflegefachleute mit ins Tiefenau nehmen, niemand hatte gekündigt. Die Zeit vor dem Umzug sei streng gewesen, sagt Rüdiger. Sie führte mit jedem Mitarbeiter Einzelgespräche über dessen Zukunft im Tiefenau.

Der Zügeltag sei dann sehr schnell gegangen: «Innerhalb einer Stunde war die Abteilung leer.» Das war bereits im Mai, in der ersten der insgesamt sechs Zügeletappen.

Es fiel der 32-Jährigen schwer, nach zwölf Jahren im Ziegler ins Tiefenau zu wechseln. «Es war schon schön dort», sagt sie versonnen. Aber ihr Team sei im Tiefenau sehr gut aufgenommen worden. Es dauerte eine Weile, bis sie sich in den Räumlichkeiten zurechtfand – und noch heute müsse sie beim Telefonieren aufpassen, nicht plötzlich aus Gewohnheit die Ziegler-Vorwahl 970 anstatt der 308 des Tiefenaus zu wählen.

Die neuen Teams müssen noch zusammenwachsen

Während in Anke Rüdigers ehemaliger Station im 5.Stock des Zieglers nur noch ein paar Zügelkisten, ein einsamer Drucker und ein verlassenes Bett stehen, herrscht in der heutigen Abteilung im 1. Stock des Tiefenau so viel Betrieb wie selten zuvor. Viele Zimmer im Spital wurden als Büroräume genutzt. Heute liegen dort Patienten – und die Büros wurden in den leer stehenden Pavillon gezügelt. Zu den Kosten des Spitalumzugs und der Umbauarbeiten kann die Spitalleitung noch keine abschliessenden Angaben machen.

Im Tiefenau zieht mit der Ziegler-Besatzung mehr Leben ein. Und auch sonst ist es seit einiger Zeit lärmig: Für den Ausbau der Orthopädie entsteht direkt vor dem Eingang des Hauptgebäudes ein vierter Operationssaal. «Man gewöhnt sich an das Bohren und Hämmern», sagt Marion Kormann und lacht. Die Stationsleiterin war bereits vor dem Einzug von Rüdigers Team im Tiefenau auf der Pneumologie tätig. Neu arbeitet sie eng mit Anke Rüdiger zusammen.

«Während sich die Ziegler-Mitarbeiter an die Umgebung gewöhnen müssen, ist für uns das Fachgebiet der Geriatrie komplett neu», sagt sie. Auch die 25 Mitarbeitenden ihres Teams sind geblieben und wollten schauen, ob ihnen dieser Bereich entspricht. Bei 8 sei das nun nicht der Fall, sie suchen eine neue Aufgabe intern oder haben gekündigt. «Aber ich bin froh, dass sie es ausprobiert haben», sagt die 26-Jährige. Während sich Therapie-Leiter Patrick Wermuth auf den definitiven Umzug freut, erleben Anke Rüdiger und Marion Kormann hautnah mit, dass zwar Mitarbeiter zu einem neuen Team zusammengeführt sind, dieses Team aber noch zusammenwachsen muss. «Wir brauchen sicher noch eine Weile, bis sich alles eingependelt hat», sagt Anke Rüdiger und wechselt einen Blick mit ihrer neuen Kollegin. «Sicher noch ein halbes Jahr.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 11.08.2015, 07:26 Uhr

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