Ein Rückzug aus eitlen Motiven

BZ-Redaktorin Andrea Sommer zum Entscheid von Fürsorgedirektor Philippe Perrenoud, das Sozialhilfegesetz erst später zu revidieren.

Das Sparen bei der Sozialhilfe gehört nicht zu Philippe Perrenouds Lieblingsaufgaben. Vom Grossen Rat 2013 dazu verdonnert, schickte der SP-Sozialdirektor schliesslich im Mai seine Sparvorschläge in die Vernehmlassung und wurde dabei von links und rechts heftig kritisiert.

Statt für seine Vorschläge Mehrheiten zu suchen, schmeisst Perrenoud den Bettel hin. Er tritt ja ohnehin nächsten Juni zurück. Après moi le déluge, wie der Romand sagt. Soll sich doch sein Nachfolger um das heisse Eisen kümmern. Falls der bei all den Baustellen im Hause Perrenoud in nützlicher Frist dazu kommt.

Dabei sind die Diskussion über die Ausgestaltung der Sozialhilfe, den Kostenteiler sowie eine Gesetzesrevision angesichts der steigenden Ausgaben dringend nötig. Dass Kanton und Gemeinden künftig mehr für die Wohlfahrt ausgeben, ist auch wegen der steigenden Asylzahlen so sicher wie das Amen in der Kirche.

Dass er das Problem aufschiebt, ist laut Perrenoud kein Stillstand. Will er doch nun sogar die Totalrevision des Sozialhilfegesetzes am runden Tisch angehen. Obwohl er weiss, dass er dabei keinen Spielraum hat: Die Konferenz der Sozialdirektoren verschärft aktuell die Skos-Richtlinien. Weil ein Sonderzug für Bern keinen Sinn macht, waren Perrenouds Vorschläge vom Mai auf der Linie der Konferenz. Was also wie Arbeitseifer aussieht, ist in Wahrheit der Versuch, sein wahres Motiv zu bemänteln:?Perrenoud will um keinen Preis als Sozialabbauer abtreten.

Mail: andrea.sommer@bernerzeitung.ch

Berner Zeitung

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