Bern

Ein Quartier kämpft um seine Poststelle

BernDie Poststellen Sulgenbach und Felsenau sollen geschlossen und in Läden integriert werden – ganz zum Ärger des Quartierleists Schönau-Sandrain.

Die Poststellen Sulgenbach und Felsenau sollen geschlossen werden.

Die Poststellen Sulgenbach und Felsenau sollen geschlossen werden. Bild: Urs Baumann

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«Einfach, praktisch, nah» steht als Erstes auf den gelben Flugblättern, welche die Bewohnerinnen und Bewohner der Quartiere Felsenau und Sandrain ­gestern in den Händen hielten. Darunter, in noch grösserer Schrift: «Die Post zieht um.» Im Klartext bedeutet das: Die beiden aktuellen Poststellen Fel­senau und Sulgenbach werden aufgelöst und in einen bestehenden Quartierladen integriert.

Die Bewohner des Felsenauquartiers können ihre Briefe und Pakete ab November 2016 im Maxi-Laden abgeben oder annehmen, und die Bewohner des Sandrains nutzen dazu ab Fe­bruar 2017 die Weissenbühl-Apotheke an der Seftigenstrasse.

Für möglichst viele Kunden

Wirklich «nah» sei ihre Poststelle damit nicht mehr, findet der Quartierleist Schönau-Sandrain. In einer Stellungnahme zur Schliessung der Poststelle Sulgenbach schreibt dieser: «Beide Standorte, Apotheke Weissenbühl und Eigerplatz, sind für alle Quartierbewohner weiter weg, sind mit ÖV nur über Umwege erreichbar und lassen sich daher schlechter in den Tagesablauf einbauen.»

Konfrontiert mit der Stellungnahme des Quartierleists gibt Markus Werner, Kommunikationsbeauftragter der Post, Auskunft über die Kriterien zur Standortwahl: «Bei der Planung einer integrierten Poststelle achten wir darauf, dass möglichst viele Personen einfach Zugang zu Postdienstleistungen haben.»

Ausserdem müssten die Kundinnen und Kunden die Möglichkeit haben, ihren Kontakt mit der Post optimal in den Tagesablauf zu integrieren. Darauf, dass ge­rade dieser Punkt vom Quartierleist bemängelt wird, geht die Post nicht ein.

Eigene Alternative anbieten

Auch das Argument, dass durch den Umzug der Poststelle ein ganzes Quartier benachteiligt wird, lässt der Grosskonzern nicht gelten. Markus Werner schreibt: «Wir orientieren uns nicht starr an den ‹statischen› Quartier- oder Stadtteilgrenzen, sondern an den tatsächlichen Kundenströmen und den Be­dürfnissen unserer Kunden.»

Die Post sei davon überzeugt, dass die neue Filiale in der Weissenbühl-Apotheke sinnvoll sei, einerseits, weil sie den Kunden einen Service von hoher Qualität bieten könne – etwa längere Öffnungszeiten –, und andererseits, weil die heutige Poststelle Sulgenbach «nahe an einer anderen Poststelle gelegen ist, nämlich Bern 14 Mattenhof».

Wie der Quartierleist Schön­au-Sandrain schreibt, habe man sich dazu entschlossen, selbst nach einer Alternative für die Apotheke Weissenbühl zu suchen. Man habe bereits im Quartierladen Altay nachgefragt, und dieser zeige grosses Interesse für die Integration einer Poststelle.

Ob die Quartierbewohner mit ihrem Vorschlag Erfolg haben, ist aber unklar. Zwar schreibt die Post, dass sie solche Vorschläge genau prüfen wird. Am Telefon meint Markus Werner jedoch, dass eine kurzfristige Meinungsänderung unfair gegenüber der Apotheke Weissenbühl wäre. (Berner Zeitung)

Erstellt: 30.06.2016, 07:45 Uhr

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