Ein Quartier gönnt sich einen eigenen Laden

Bern

Den Anwohnern des Murifelds ist ein Quartierladen ­monatlich 7 Franken wert. Mit überwältigender Mehrheit entschieden sie, dass anstelle des Ängelibeck ein Laden mit Café entstehen soll.

Ängelibeck Kurt Sahli zieht nach Köniz, im Lokal im Murifeld soll nun ein Quartierladen entstehen.

Ängelibeck Kurt Sahli zieht nach Köniz, im Lokal im Murifeld soll nun ein Quartierladen entstehen.

(Bild: Beat Mathys)

So sieht Partizipation aus: Aus den rund 260 städtischen Wohnungen des Murifelds versammelten sich am Dienstagabend nicht weniger als 206 Stimmberechtigte, um über die Zukunft des Lokals zu bestimmen, in der noch bis Ende Sommer der Ängelibeck seine Brötchen verkauft. Die Backstube ist bereits vom Haus an der Mindstrasse 10 nach Köniz umgezogen. Was den Laden angeht, stand für 187 der Anwesenden (gegen 9 Nein-Stimmen) fest, dass dieser nicht in eine Wohnung zurückgebaut, sondern als Quartierladen mit Café weiterbestehen soll.

Damit der neue Laden eine Chance hat, soll dessen Miete zumindest am Anfang von den Anwohnerinnen und Anwohnern bezahlt werden. Deren Ja zum Vorschlag bedeutete deshalb, dass sie künftig einen um 7 Franken pro Monat erhöhten Mieterfranken bezahlen.

Bis Ende August können nun Konzepte vorgelegt werden, über die ein Ausschuss entscheiden wird. Dies werde im Sinne der Mieterschaft geschehen, versicherte Shirley Grimes, die Co-Präsidentin des Quartiervereins, an der ausserordentlichen Versammlung. «Der Laden muss auf unsere Bedürfnisse eingehen», sagte sie. «Sonst hat er keine Chance.»

Der Anlass und die hohe Beteiligung sind typisch für das Murifeld – ein Quartier, wie es kein zweites gibt: 1986 taten sich die Bewohnerinnen und Bewohner zusammen und erreichten, dass sie der Sanierung ihrer Häuser ihren eigenen Stempel aufdrücken konnten. Seit 2003 regelt ein offizielles Kooperationsmodell die Zuständigkeiten von Stadt und Mieterschaft, wobei sich letztere ein grosses Mass an Mitsprache (und die Pflicht zur Mitwirkung) gesichert hat.

Finanziert wird das Modell mit dem Mieterfranken, der zuletzt 11 Franken pro Monat betrug – 5 Franken für das Kooperationsmodell, 4 für Siedlungsarbeit, 2 für das Kulturatelier. Nun kommen 7 Franken dazu. Der Gegenwert: ein eigener Quartierladen.

hae

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