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Ein Puzzle aus verschiedenen Zeiten

Das Schloss Köniz ­hat sich in den tausend Jahren ­seines Bestehens ständig ­verändert. So ist es zu einem Puzzle der Vergangenheit ­geworden. Lorenz Hasler setzt dieses an einer Führung ­wieder zusammen.

Links die Kirche, rechts das Haberhuus: Lorenz Hasler führt die Interessierten über das Könizer Schlossgelände.
Links die Kirche, rechts das Haberhuus: Lorenz Hasler führt die Interessierten über das Könizer Schlossgelände.
Manuel Zingg
Nobel: Blick in die Wohnung des Landvogts im Ritterhuus.
Nobel: Blick in die Wohnung des Landvogts im Ritterhuus.
Manuel Zingg
Über den Dächern: Blick auf die ­Terrasse auf dem Ritterhuus.
Über den Dächern: Blick auf die ­Terrasse auf dem Ritterhuus.
Manuel Zingg
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Kinder des Zirkus Robinson hüpfen herum, die Besucher klatschen begeistert. Ab und zu geht jemand zum Brunnen, um sich zu erfrischen. So wie gestern hat es im Hof des Könizer Schlosses vor rund tausend Jahren bestimmt nicht ausgesehen.

Damals wurden die ersten Grundsteine gelegt. Unter einem Baum versammelt sich jetzt eine kleine Gruppe, die an der historischen Führung im Schlossareal teilnimmt. Geleitet wird sie von Lorenz Hasler, der dreissig Jahre die Musikschule führte, welche Räumlichkeiten auf dem Areal benutzt.

Die Gruppe setzt sich in Bewegung. Vor dem Ritterhuus erklärt Hasler: «Hier liegt der Ursprung der ganzen Anlage.» Ein kurzer Gang führt zu den ältesten noch erhaltenen Grundmauern, welche vom Augustinerorden bei der ersten Niederlassung um das Jahr 1000 gebaut wurden.

Dahinter versteckt liegt das Verliess. «Ich wäre nicht gerne in diesem Loch gewesen», meint der 66-jährige Hasler. Es ist ein kleiner Raum, der durch Steinmauern abgegrenzt ist. Durch ein kleines Fenster wurde den Insassen die Nahrung gereicht.

Kein richtiges Schloss

Wieder draussen in der Hitze, sagt Hasler schmunzelnd: «Das Schloss heisst zwar Schloss, aber es ist keines.» Ein Schloss habe normalerweise wichtige Repräsentationsfunktionen, doch in Köniz war die Anlage vor allem ein Verwaltungszentrum. Weiter gehts in die Kellereien, in ­welchen Nahrung und Wein aufbewahrt wurden.

Die Deutschritter hatten Leibeigene, die ihre Felder bewirtschafteten. Die geernteten Nahrungsmittel wurden schliesslich in den Kellern des Ritterhuus gelagert. Vor einer Wand bleibt Hasler stehen. «Hier gab es eine der frühesten Warmluftheizungen der Schweiz», erzählt er. Durch Kanäle sei die vom Feuer erhitzte Luft weiterverteilt worden.

In einem anderen Raum führt eine Treppe plötzlich ins Nirgendwo. «Man sieht, dass die Gebäude immer wieder erweitert wurden», meint Hasler dazu. Er findet es spannend, wie sich das Schloss entwickelt hat: «Nichts ist fertig umgebaut und abgeschlossen. Die Gebäude passen sich dem ständigen Wandel an.»

Weit in die Vergangenheit

In einem weiteren Kellerraum stechen grosse Eichensäulen ins Auge, die mindestens tausend Jahre alt sind. Heute kann man den Raum für Feste und Ausstellungen mieten. So wie alle anderen Räumlichkeiten, die entweder im Besitz der Gemeinde oder der Kirchgemeinde sind.

Weiter geht es aufwärts in den ersten Stock des Hauses. Die Fensternischen weisen Sitzbänke auf. Früher, wenn man lesen oder schreiben wollte, musste man zum Fenster. Nur dort sei es wirklich hell gewesen, erklärt Hasler. Anschliessend an den Rittersaal tritt man in die ehemalige Wohnung des bernischen Landvogts. Die Landvögte residierten in den von der Versailler Mode angehauchten Räumen. «Jede Zeit hat ihren eigenen Baustil, im Schloss Köniz sind verschiedenste davon wiederzuerkennen», so Lorenz Hasler.

Nach einem Abstecher aufs Dach, in die Kirche und in das Kornhaus endet der Rundgang im Rossstall. Dessen Rückwand ist Teil der ehemaligen Umfassungsmauer, der Rest des Stalls wurde renoviert. So kann er heute als Veranstaltungsort und für die ­Gemeinderatssitzungen genutzt werden.

«Man sieht der ­ganzen Anlage an, wie jede Generation sie ihren Bedürfnissen ­angepasst hat.»

Lorenz Hasler

«Man sieht der ganzen Anlage an, wie jede Generation sie ihren Bedürfnissen angepasst hat», sagt Hasler zum Schluss. Sie sei ein Puzzle aus verschiedenen Zeiten. Er füge es gerne zusammen und sei gespannt, welche Teile als Nächstes eingefügt ­würden.

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