Zum Hauptinhalt springen

Ein Preis für «tapferes Älterwerden»

Der Trudy-Schlatter-Preis geht dieses Jahr an die Pianistin, Musikpädagogin und Komponistin Erika Radermacher. Sie hatte der Neuen Musik wichtige Anstösse gegeben.

Erika Radermacher am Flügel in ihrem Wohnzimmer in Schliern. Morgen wird sie für ihr Lebenswerk geehrt.
Erika Radermacher am Flügel in ihrem Wohnzimmer in Schliern. Morgen wird sie für ihr Lebenswerk geehrt.
Urs Baumann

Im Wohnzimmer von Erika Radermacher hängt noch der Geruch von Räucherstäbchen. Ein Konzertflügel steht da, in einer Ecke ein Tischchen mit ein paar religiösen Symbolen aus aller Welt, auf dem Fenstersims mustert Katze Attisha den verwilderten Garten. Einige Sessel und Sofas verschwinden unter rostroten Tüchern. Auf einem davon hat es sich die Musikern bequem gemacht. Neben ihr fläzt sich Kosha, der Golden Retriever.

Morgen Abend wird die 75-jährige Pianistin im Konservatorium den Trudy-Schlatter-Preis für Frauenwerke 2011 entgegennehmen können. Sie wird damit geehrt als eine der bedeutendsten und vielseitigsten Musikerinnen der Schweiz. Als Interpretin und als Mitgründerin des Ensembles Neue Horizonte hat sie die Neue Musik gefördert. Als Musikpädagogin am Konservatorium Bern hat sie eine ganze Generation von Berner Nachwuchsmusikerinnen und -musikern geprägt und inspiriert. Und als Komponistin hat sie rund 40Werke geschrieben.

Weiterhin Klavier spielen

«Frau Radermacher ist eine Frau, die auf ihrem Gebiet enorm viel geleistet hat», erklärt die Geschäftsführerin der Frauenzentrale Bern, Regula Furrer, die Entscheidung des Vorstands. Sie habe dies in einem Bereich getan, in dem es Frauen auch heute noch nicht leicht hätten, anerkannt zu werden. «Sie ist eine Frau, die nicht vergessen werden soll.»

«Ich bekomme den Preis wohl für tapferes Älterwerden», meint hingegen Erika Rademacher, lacht und schüttelt ihre hennafarbene Mähne. Älterwerden, das bedeutet für sie: «Was ich tue, das tue ich freiwillig; ich muss nichts mehr.» Weiterhin macht sie, wofür sie stets gelebt hat: Klavier spielen. Regelmässig wird sie für Konzerte angefragt. Unterricht hingegen gibt sie nur noch gelegentlich. In jüngeren Jahren war sie auch Sopranistin, «doch meinen Gesang tue ich heute niemandem mehr an». Nach wie vor geht sie täglich mit Kosha spazieren, mehrmals die Woche reitet sie eine Runde auf ihrem Isländer Hvöt. Über das Alter macht sie sich keine grossen Gedanken. «Ich werde es einfach – wie jeder Mensch.»

Musik über Generationen

Aufgewachsen ist Erika Radermacher in Eschweiler bei Aachen. Ihre Eltern waren beide passionierte Musiker; der Vater war Pianist, die Mutter Geigerin. Schon als dreijähriges Mädchen hat sie angefangen, Klavier zu spielen. Auch sie hat die Leidenschaft für die Kunst ihren Söhnen weitergegeben: Der eine ist ebenfalls Pianist, der andere ist Goldschmied.

Nach ihrem Musikstudium in Köln und in Wien gab sie Konzerte in ganz Europa. Sie durfte viele Preise entgegennehmen, darunter 1983 den Musikpreis des Kantons Bern. 1966 kam sie der Liebe wegen in die Schweiz, genauer nach Biel. Gegen Ende der 1980er-Jahre zog sie in die Region Bern um. Heute wohnt sie mit einer Freundin, Hund und Katzen in Schliern.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch