Ein Paradies für die Autopendler

Zollikofen

Das gibt es kaum mehr in der Agglo Bern: Zollikofen lässt die Autopendler aus der Region gratis in den Quartieren parkieren.

Hinter der Tempo-30-Tafel darf das Auto unbegrenzt abgestellt werden: Die Parkfelder am Zelgweg sind weiss markiert.

Hinter der Tempo-30-Tafel darf das Auto unbegrenzt abgestellt werden: Die Parkfelder am Zelgweg sind weiss markiert.

(Bild: Urs Baumann)

Stephan Künzi

Das Paradies für die Autopendler, die für den letzten Teil ihres Arbeitsweges auf den Zug umsteigen und sich so die teuren Parkgebühren in der Stadt sparen, beginnt ein paar Fussminuten von der S-Bahn-Station Unterzollikofen weg. Zwar sind die nächstgelegenen Parkfelder am Wahlackerstutz blau umrandet, und damit gilt hier eine Parkdauer von allerhöchstens anderthalb Stunden. Für einen Arbeitstag ist das schlicht zu wenig.

Gleich danach allerdings wechselt im Wohngebiet zur Rechten die Farbe von Blau auf Weiss. Hier wird ohne zeitliche Grenze parkiert – und wirklich: Hinter dem Tempo-30-Schild reiht sich entlang der schmalen Strasse Auto an Auto.

Viele neue Arbeitsplätze

Der Zelgweg, wie die Strasse heisst, ist nicht der einzige, aber ein typischer Gratisparkplatz in der Gemeinde Zollikofen. Den Grünen ist er ein Dorn im Auge. «Das Fremdparkieren () ist in einigen Quartieren bereits heute ein Ärgernis», schreibt GFL-Parlamentarier Bruno Vanoni in einer Interpellation, die er am Mittwoch eingereicht hat. In naher Zukunft werde sich das Problem noch verschärfen. Vanoni erinnert an den Neubau des Bundesamts für Informatik und Technologie (BIT), der in absehbarer Zeit eröffnet wird und auf einen Schlag 700 zusätzliche Arbeitsplätze nach Zollikofen bringt. Mittelfristig werden es sogar mehr als 3000 sein, da im Gebiet noch drei weitere Verwaltungsgebäude geplant sind.

Diese Gebäude, fährt Vanoni fort, verfügten nur über eine sehr begrenzte Anzahl Parkplätze. Als grüner Politiker habe er zwar gar nichts dagegen, wenn die Angestellten durch Massnahmen wie diese auf Bahn und Bus gelenkt würden. Dennoch sei nicht auszuschliessen, dass der eine oder andere sein Auto kostenlos in der Umgebung abstelle, kurz: Für Vanoni ist es höchste Zeit, dass die Gemeinde die öffentlichen Parkplätze bewirtschaftet. Das lässt er im Vorstoss offen durchblicken.

Bürgerlicher Widerstand

In der Tat bildet Zollikofen in dieser Frage eine einsame Insel innerhalb der engeren, städtisch geprägten Agglo Bern. Als zweitletzte griffen Anfang Jahr auch die Nachbarn in Bremgarten zu diesem weitherum üblichen Instrument – ein Blick zurück ins Jahr 2007 zeigt, warum Zollikofen das Thema nicht mehr weiterverfolgt hat.

Das Parlament lehnte damals einen Vorstoss der SP ab, die dem Anliegen aus ähnlichen Überlegungen wie aktuell die GFL zum Durchbruch verhelfen wollte. Die Befürworter wiesen darauf hin, dass im angrenzenden Amt Fraubrunnen mehr und mehr mit dem freien Parkieren Schluss sei und damit der Druck auf Zollikofen nur noch zunehme. Die Gegner aus den bürgerlichen Reihen dagegen wollten die Autofahrer nicht mit noch mehr Abgaben belasten – obwohl der Gemeinderat betonte, Parkplätze zu bewirtschaften könne auch der Erlass von blauen Zonen heissen.

Für Bichsel kein Problem

Heute sagt Gemeindepräsident Daniel Bichsel (SVP), dass sich die Situation an heiklen Orten auch mit punktuellen Massnahmen entschärfen lasse. Das könnten einzelne blaue Parkfelder wie am Wahlackerstutz sein, das könne auch ein Fahrverbot wie am Burgerweg sein. Dieses sei nach dem Bau des Swisscom-Gebäudes im nahen Worblaufen erlassen worden: «Wir merkten, dass viele Swisscom-Angestellte ihr Auto bei uns abstellten.»

Sonst aber stellen die parkierenden Pendler für Bichsel kein grosses Problem dar. Kein Wunder: Auch an diesem Vormittag tut sich in der Autoreihe am Zelgweg die eine oder andere Lücke auf.

Berner Zeitung

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