Ein neues Stellwerk bei Nacht und Nebel

Thörishaus

Künftig werden die Züge zwischen Flamatt und Bern aus beiden Richtungen in Bern-Europaplatz halten. Möglich wird dies durch den Umbau der Strecke und die Inbetriebnahme eines neuen Stellwerke.

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Am Sonntag um zwanzig Minuten nach Mitternacht ist Schluss. Um diese Zeit kappen Techniker der SBB am Bahnhof Thörishaus Station die Verbindung vom alten Stellwerk zu den Signalen auf der Bahnstrecke. Domino 55, die Anlage aus den 60er-Jahren, hat ausgedient. Ab jetzt erfolgen die Befehle zur Weichenstellung und zur Streckenfreigabe vollautomatisch über das Stellwerk im nebenan stehenden Neubau.

Es ist ein wichtiger Moment für die hundert Leute, die diese Nacht im Einsatz stehen. Jetzt bleiben ihnen noch fünf Stunden, dann muss der Bahnverkehr zwischen Schmitten und Bümpliz-Süd wieder aufgenommen werden. «Das neue Stellwerk funktioniert, das steht ausser Frage», sagt Christian Hofer, Stellwerktechniker von Bern, bevor er die Türe von Domino 55 und damit ein Stück Zeitgeschichte abschliesst.

Flexiblere Gleisnutzung

Ziel der SBB ist es, die Züge zwischen Flamatt und Bern-Europaplatz in dichteren Abständen fahren zu lassen. Damit erhöht sich die Leistungskapazität der S-Bahn Bern. Damit dies erreicht wird, wurden in den letzten zwei Jahren die Kontrollabschnitte, auch Blocks genannt, verkürzt. So können die Züge künftig in kürzeren Abständen auf die Strecke geschickt werden. Zudem ist alles dafür vorbereitet, die Gleise flexibler zu nutzen. Normalerweise fahren die Züge einzig auf der linken Seite der Fahrtrichtung. Durch die Neugestaltung wird nun bei Bedarf eine wechselseitige Befahrung möglich, etwa bei Unterhaltsarbeiten.

Insgesamt drei Stellwerke werden in dieser Nacht gleichzeitig stillgelegt. Nebst Thörishaus Station sind es die Anlagen in Bümpliz-Süd und Flamatt. Sie werden durch das topmoderne zentrale Stellwerk bei der Bahnstation Thörishaus Station ersetzt. «Der Kunde wird wohl von diesen Veränderungen nur den zusätzlichen Halt am Europaplatz wahrnehmen», sagt Projektleiter Martin Jacomet.

Fahrt auf Sicht

Es ist inzwischen zwei Uhr, und noch sind die Gleise zwischen Schmitten und Bümpliz-Süd von einem Tross Arbeiter und verschiedenen Transportzügen belegt. Ihre Aufgabe ist es, die alten Signale und Anschlüsse zu entfernen. Gleissendes Licht erhellt die Nacht und lässt den Regen zu glitzernden Fäden werden. Die Nässe kümmert die Arbeiter kaum, ihre Aufmerksamkeit gilt der Demontage der Signale. Gefahren wird auf Sicht, der Strom ist ausgeschaltet. Jeder Griff und jeder Befehl scheint genau einstudiert und hundertfach angewendet worden zu sein. Der Lokführer weiss trotz verdeckter Sicht genau, ob sich Männer vor dem Flachwagen auf dem Gleis befinden, und wird per Funk über jede Veränderung informiert.

Schrauben werden gelöst und der Kran in Stellung gebracht. Kurz darauf schwebt ein an einem Seil befestigtes Signal durch die Luft und muss unter der Stromleitung hindurch auf dem offenen Güterwagen platziert werden.

Gegen fünf Uhr werden sich die Teams von Schmitten und Bümpliz her kommend in Thörishaus treffen, beladen mit Wagen voller Signale. Damit ist der wichtigste Schritt für das 38,6 Millionen Franken schwere Projekt beendet.

Berner Zeitung

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