Ein Murtner stellt in Moskau aus

Murten

Er ist ein Zeitzeuge: Der Murtner Herbert Rothen war 1999 in Moskau und hat den Besuch fotografisch dokumentiert. Dort sind die Bilder nun ausgestellt.

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58 Schwarzweissbilder zeigt der Murtner Herbert Rothen zurzeit im renommierten Museum of Moskau, und sie haben eines gemeinsam: Sie entstanden 1999 alle auf dem Roten Platz und dessen Umgebung. Rothen, der aus einer Fotografenfamilie stammt und schon früh halbprofessionell als Fotograf tätig war, hat eindrückliche Momentaufnahmen der russischen Hauptstadt aus der Zeit vor dem Amtsantritt von Präsident Wladimir Putin gemacht.

Der heute 68-Jährige war zu jener Zeit als Hydrologe im Auftrag der Direktion für Entwicklungszusammenarbeit oft in Usbekistan. Er betreute ein Projekt im Zusammenhang mit dem sinkenden Wasserstand des Aralsees in Zentralasien.

Verbotene Bilder im Kreml

1999: «Das war eine ganz andere Zeit», blickt Rothen zurück. Selbst im Zentrum der Weltmacht Russland habe man sich frei bewegen können. Er erinnere sich an einen Billardtisch mit jungen Frauen und an Jugendliche, die auf dem Boden gesessen seien und über alles Mögliche diskutiert hätten.

Natürlich habe es auch Absperrungen und Sicherheitskräfte gegeben. Im Vergleich zu heute seien die Massnahmen aber liberal gewesen. Er habe sogar Soldaten und Polizisten fotografiert. «Selbst als ich verbotenerweise im Kreml Bilder gemacht habe, auch von hohen Funktionären, wurde ich nur höflich aufgefordert, dies fortan zu unterlassen.»

Das Russland von heute sei anders: «Versuchen Sie das mal. Da kämen Sie gleich ins Gefängnis.» Angst habe er nicht, betont Ro­then, doch er würde sich heute hüten, alles Mögliche fotografieren zu wollen. Und der Platz sei verstellt mit Sicherheitsvorkehrungen aller Art. Die Fotografen seien weg, der Billardtisch auch. Sie existierten jetzt nur noch in der Erinnerung der Menschen – und in seinen, wie er sie nennt, «Streetphotos».

Der Mann vor dem Kreml

Aus der Zeit der ausgehenden 1990er-Jahre bleibt Rothen besonders ein Erlebnis in Erinnerung. «Da war jeden Tag ein Mann auf dem Roten Platz, der sich als Lenin verkleidet hatte und Ansprachen hielt.»

Rothen holt ein Bild hervor von einem untersetzten Mann mit Bärtchen und Mütze. Natürlich habe er den Mann fotografiert, sagt er und erzählt weiter, dass die Kopie des Revolutionsführers und Gründers der Sowjetunion eines Tages auf eine Gruppe von Jugendlichen stiess und sie in ein Gespräch verwickelte. «Wahrscheinlich sprachen sie über die Weltrevolution.»

Mit seinen «Streetphotos» hat Rothen bereits mehrere Ausstellungen bestritten, unter anderem in Usbekistan. Dass er nun sogar im Moskauer Stadtmuseum ausstellen kann, freut ihn besonders. Nicht nur, weil es eines der ältesten und wichtigsten der Hauptstadt ist. «Ich konnte mich während der Arbeit lange nicht mit der Fotografie befassen. Doch nun bin ich pensioniert.»

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