Ein Konzert zum Abschied von Hanery Amman

Auf dem Bundesplatz wurde am Sonntag am «Race for Life»-Fest der verstorbene Mundartrock-Pionier Hanery Amman mit einem Konzert geehrt. Die Stimmung war emotional, aber ausgelassen.

«Chasch mer’s gloube»: Mundarteinlage von Hanery Ammans einstiger Backing-Vocalistin Sandee und Bluesmann Philipp Fankhauser.

«Chasch mer’s gloube»: Mundarteinlage von Hanery Ammans einstiger Backing-Vocalistin Sandee und Bluesmann Philipp Fankhauser. Bild: Susanne Keller

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Polo Hofer nominierte Hanery Amman einst zum Komponisten für die neue Landeshymne. Der Talentscout der Nation hatte früh schon das Talent seines einstigen Nachbars für die grossen musikalischen Bögen erkannt – und es sich in seiner langen Karriere ­immer wieder zunutze gemacht.

Dass die beiden Oberländer Originale und prägenden Schweizer Musiker bei der Taufe des überfälligen Amman-«Instrumental»- Albums vor der wahrlich imposanten Publikumskulisse fehlten, gab zu denken. Beide sind an Lungenkrebs gestorben, nur fünf Monate auseinander.

Darum ergab es Sinn, das Konzert «Im Adänke a Hanery» im Rahmen des Velo-Marathons «Race for Life» durchzuführen, der dem Krebs den Kampf ansagt. An der letztjährigen Ausgabe hatte Amman sein allerletztes Konzert gegeben.

Solid und demütig

Am Sonntag standen statt Hanery seine Freunde, Mitmusiker und einige «Zugezogene» auf der Bühne. Der frühere Plüsch-Musiker Andreas «Hunzi» Hunziker, Hanerys erster und einziger Pianoschüler und sein Produzent und enger Freund, amtete als musikalischer Direktor.

Viele der Musiker, die in den verschiedenen Formationen der Hanery-Amman-Band dabei waren, erwiesen ihrem – nicht immer pflegeleichten – Chef die Reverenz, solid und eher demütig als spektakulär. Wenn das neue Album rein ins­trumental ist, war der musikalische Abschied auf dem Bundesplatz vor allem ein Sängerfest.

Oberhalunke Christian Häni, ebenfalls ein Freund von Hanery, eröffnete mit der Rumpelstilz-Nummer «Musig wo’s bringt», Bluesmann Philipp Fankhauser gab mit Sandee, die einst im Backingchor für Hanery sang, eine rare Mundarteinlage zum eindringlichen «Chasch mer’s gloube».

Dass Hanery Amman weit über Bern und Oberland hinausgewirkt hat, zeigten die Besuche von Adrian Stern, der souverän seinen mit Hanery geschriebenen Song «Du & i gäge Räscht vo de Wält» interpretierte, dem letzten zu Ammans Lebzeiten veröffentlichten Ohrwurm. Der Basler Sänger Roli Frei ist einer, der Lieder inszenieren kann wie Theaterstücke – er glänzte auch als Hanery-Interpret.

«Kentucky Rose»-Comeback

Je länger das Konzert dauerte, desto emotionaler wurde es. Gitarrist und Animator Mägi Koch brachte ohne grossen Aufwand den ganzen Bundesplatz zum Tanzen und Klatschen, der Reggae-Bass von Ur-Rumpelstilz ­Sämi Jungen und der sentimentale Text von «Rote Wy» sorgten für zusätzliche «positive vibra­tions».

Es folgte ein Finale mit «D’ Rosmarie und i» (Sandee), «Stets i Truure» (tutti) und – eine Überraschung – die originale Version von «Alperose», das von Hanery Amman einst als «Ken­tucky Rose» auf einem Demo gesungen worden war.

Diese Originalstimme war auf dem Bundesplatz mit Livebegleitung der Band zu hören – ein Hühnerhautmoment. Wie schnell die Zeit zerrinnt und dass nichts ewig hält, war ein konstantes Thema an diesem Abend. Dass die Musik der Vergänglichkeit trotzt, stimmte tröstlich. (Berner Zeitung)

Erstellt: 09.09.2018, 22:33 Uhr

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