Ein Komet lüftet seine Geheimnisse

Bern

Am Donnerstagabend wurden die wichtigsten Ergebnisse der Rosetta-Mission vorgestellt. Vor vier Jahren setzte die Weltraumsonde Rosetta einen Lander auf dem Kometen Tschuri ab und lieferte Unmengen an Daten.

<b>Komet Tschuri:</b> Zur Überraschung der Forscher gibt es auf der Oberfläche grosse Unterschiede. Einige Gebiete sind staubig, andere nicht.<p class='credit'>(Bild: ESA/Rosetta/MPS)</p>

Komet Tschuri: Zur Überraschung der Forscher gibt es auf der Oberfläche grosse Unterschiede. Einige Gebiete sind staubig, andere nicht.

(Bild: ESA/Rosetta/MPS)

Nach einer zehnjährigen Reise durch das All, nach zurückgelegten 6,5 Milliarden Kilometern ­erreichte die Weltraumsonde ­Rosetta der Europäischen Weltraumbehörde ESA 2014 den ­Kometen Tschurjumow-Gerassimenko, kurz Tschuri genannt. Erstmals in der Geschichte war es gelungen, einen Lander auf einen Kometen abzusetzen.

Die Sonde selbst begleitete Tschuri noch zwei weitere Jahre, bis sie im September 2016 kon­trolliert auf den Himmelskörper stürzte. Auf der Sonde befand sich auch das Messgerät Rosina, das an der Universität Bern entwickelt worden war und bis zum Schluss Messungen am Kometen vornahm.

Die Mission bescherte der Wissenschaft eine Unmenge an Daten. Bald einmal hatte Rosina über 60 Moleküle entdeckt, über die Hälfte davon erstmals auf einem Kometen.

Die ältesten Zeugen

Um die enorme Datenmenge optimal nutzen zu können, wurde das internationale Forschungsprojekt Miard gegründet. Geleitet wird es von Nicolas Thomas, Professor am Physikalischen Institut der Uni Bern.

«Kometen sind die ältesten Zeugen des Sonnensystems, die sich seit ihrer ­Entstehung nicht verändert haben.»Nicolas Thomas, Universität Bern

«Unsere Forschungsergebnisse sollen dazu beitragen, das Verhalten von Kometen zu erklären, und dabei helfen, seine Geschichte zu verstehen», sagte Thomas am Donnerstagabend. Das ultimative Ziel der Kometenforschung sei es, die Ursprünge unseres Sonnensystems und der Planetensysteme besser zu verstehen. «Kometen sind die ältesten Zeugen des Sonnensystems, die sich seit ihrer Entstehung nicht verändert haben.»

Das Staunen der Forscher

Das Projektteam habe eine verbesserte Karte des Kometen erstellt, die viele neue Terrains identifiziere. «Wir haben 70 Gebiete definiert und sind auf aussergewöhnliche Eigenschaften gestossen.»

Bisher habe man angenommen, dass Kometen einheitlich geschaffen seien und es auf der Oberfläche keine grossen Unterschiede gebe. «Das ist aber nicht so», erklärte der Astrophysiker. Es gebe Gebiete, die sehr staubig seien, andere wiederum nicht. «Das war für uns eine grosse Überraschung.»

Ein weiteres Phänomen betrifft die Schwerkraft des vier Kilometer langen Kometen. «In einem Abstand von nur zwei Kilometern kann sie um das doppelte zu- oder abnehmen.» Das wäre etwa so, wie wenn wir auf dem Bundesplatz 80 Kilogramm auf die Waage brächten, beim Bärenpark aber nur noch 40 Kilogramm.

Auch ob der Rotationsperiode von Tschuri haben die Forscher gestaunt. Während der Kometentag einmal 12,4 Stunden dauert, verkürzt er sich plötzlich auf 12 Stunden. Nicolas Thomas hat dafür eine Erklärung: «Weil er Staub und Gas auswirft, wird er schneller.» Erstaunt ist Thomas, dass auf dem relativ kleinen ­Objekt Temperaturunterschiede von bis zu 340 Grad Celsius gemessen wurden.

Gefahren für die Menschheit

Ein ganz konkretes Beispiel, das der Menschheit vielleicht dereinst einen Dienst erweisen kann, ist die Kenntnis über die Festigkeit eines Kometen – die man bei Tschuri kennt. Thomas: «Solche Ergebnisse sind wichtig, beispielsweise wenn es darum geht, einen Kometen von einem allfälligen Kollisionskurs mit der Erde ablenken müssen.»

Ein neues, erfolgreich getestetes Modell kann künftig auch die Umlaufbahnen von Kometenstaub besser vorhersagen. Staub von Kometen ist eine Hauptquelle für Meteorstürme und eine mögliche Gefahr für Raumfahrzeuge und Satelliten. Ein hochauflösendes, digitales Formmodell von Tschuri stehe den Forschenden nun weltweit zur Verfügung.

Von der Rosetta-Mission inspirieren liess sich übrigens auch der Schweizer Fotokünstler Bernd Nicolaisen. Einen kleinen Teil seiner Werke zeigte er am Donnerstagabend an der Universität Bern. Eine Ausstellung ist geplant. Wann und wo ist aber noch offen.

Berner Zeitung

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