Bern

Ein kleines Hurra auf jeden Velofahrer

BernJedes Velo zählt: Seit Montag liefern für alle sichtbar drei Zählstationen Daten zum Veloaufkommen. Dieses ist in Bern in den letzten drei Jahren um 35 Prozent gestiegen.

In der Stadt Bern werden Velozählungen sichtbar: Verkehrsdirektorin Ursula Wyss hat ein neues Velobarometer eingeweiht. Video: Martin Bürki/Michael Bucher

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Dass Ursula Wyss an einem Medientermin aufs Velo steigen muss, ist seit der Lancierung der Velooffensive vor vier ­Jahren nichts Aussergewöhnliches mehr. Dementsprechend schwang sich die Verkehrsdirektorin auch am Point de Presse am Montag routiniert aufs Fahrrad. In knalligem rosarotem Kleid und Helm radelte sie lächelnd über den Bubenbergplatz, sehr zur Freude der Pressefotografen.

Der Grund der kleinen Ausfahrt der SP-Gemeinderätin war dieses Mal die Einweihung eines Velobarometers. Dieser zählt seit Montag jedes vorbeifahrende ­Velo. Der aktuelle Tages- und Jahresstand erscheint für jeden sichtbar auf einer digitalen Anzeigetafel.

Neben jenem auf dem Bubenbergplatz befinden sich zwei weitere Velobarometer im Monbijou und am Nordring. «Wir wollen damit den Velofahrerinnen und Velofahrern Wertschätzung entgegenbringen», begründete Ursula Wyss die Installa­tionen.

Mehr Velos, weniger Autos

Jedes Velo zählt! Das gilt in Bern seit dem Ausrufen der Velooffensive mehr denn je. Das Ziel ist ehrgeizig: Bis 2030 soll der Anteil des Veloverkehrs in der Bundeshauptstadt 20 Prozent betragen. Das wäre eine Verdoppelung gegenüber 2010. Gleichzeitig zur Einweihung der Velobarometer präsentierte die Stadt am Montag erstmals auch konkrete Zahlen dazu. Diese basieren auf den 14 automatischen Velozählstellen, die es seit 2014 in Bern gibt.

Die Resultate zeigen, dass der städtische Veloverkehr in den letzten drei Jahren um 35 Prozent zugenommen hat. Eine «unglaubliche Steigerung» sei das, frohlockte Ursula Wyss vor den Medienvertretern. Das zeige, dass die Stadt Bern mit ihrer Vorwärtsstrategie richtig liege.

Um ihre sichtbare Begeisterung nachvollziehbar zu machen, filterte die SP-Magistratin aus dem reichhaltigen Zahlenfundus den absoluten Spitzenwert heraus. 8828 beträgt dieser. So viele Velos passierten am 29. August 2017 die Zählstelle auf der viel befahrenen Monbijoustrasse. «Wahnsinnig beeindruckend» findet Ursula Wyss diesen Wert. Der tiefste Spitzenwert des letzten Jahres beträgt übrigens 592, gemessen wurde er auf der Weissensteinstrasse.

Geht man von einem durchschnittlichen Tageswert aus, so hat sich die Anzahl Velofahrende auf der Monbijoustrasse in den letzten drei Jahren von 3060 auf 4086 erhöht (siehe Grafik). Angesichts dieser positiven Zahlen ist Ursula Wyss zuversichtlich, dass die Stadt das ambitionierte Fernziel einer Verdoppelung des Veloverkehrs bis 2030 erreichen wird.

Veloverkehr auf der Monbijoustrasse Die Anzahl Velofahrende auf der Monbijoustrasse hat sich in den letzten drei Jahren von 3060 auf 4086 erhöht. Quelle: Stadt Bern

Eine detaillierte Auswertung über den Anteil am Gesamtverkehrsaufkommen ist jedoch erst für nächstes Jahr geplant. Verkehrsplaner Karl Vogel meinte einzig, dass parallel zum Veloaufschwung der motorisierte Individualverkehr im selben Zeitraum um rund 10 Prozent zurückgegangen sei – gemessen an den 28 Autozählstellen in der Stadt.

Panne bei der Einweihung

«Wir sind erst am Anfang», mahnte Ursula Wyss. Die nun präsentierten harten Fakten sollen beim weiteren Ausbau der ­Velohauptrouten verhindern, «dass Skeptiker immer wieder in dieselben Glaubenssätze verfallen». Die Zahlen würden schliesslich eine deutliche Sprache ­sprechen.

Wenig Deutliches lieferte am Montag die Anzeigetafel auf dem Bubenbergplatz kurz nach der Eröffnung. Beim Reset auf 0 war offenbar etwas schiefgelaufen, sodass die Zählstelle just zur Eröffnung nicht funktionierte. Wie ärgerlich.

Als hätte es die PR-Abteilung orchestriert, fuhr kurz darauf ein Velofahrer an der Zählstelle vorbei, ballte die Faust und jubelte: «Hey, ich bin der Erste!» Ursula Wyss nahm die Szene dankbar auf und meinte lachend: «Sehen Sie, die Velofahrer freuen sich.»

«Rechtsabbiegen an roten Ampeln wäre praktisch.» Video: Martin Bürki/Michael Bucher

(Berner Zeitung)

Erstellt: 23.04.2018, 20:42 Uhr

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