Ein Keller voller Helden

Bern

Die Antikensammlung der Universität Bern zeigt Gipsabgüsse aus der griechischen und der römischen Welt. Die Figuren wurden nach antiken Vorbildern vor über 200 Jahren für die Stadt Bern in Paris reproduziert.

Adriana Urango und Cinzia Marti (v.l.) von der Antikensammlung lugen hinter dem «Boxer» hervor. Links die Figur des Thermenherrschers.

Adriana Urango und Cinzia Marti (v.l.) von der Antikensammlung lugen hinter dem «Boxer» hervor. Links die Figur des Thermenherrschers.

(Bild: Andreas Blatter)

Hermes, Athena und Apollon stehen da, die schöne Kleopatra, der mächtige Kaiser Augustus und zahlreiche andere, lebens- und überlebensgrosse Figuren aus der griechischen und der römischen Welt. Die 230 Objekte werden derzeit in der Antikensammlung der Universität Bern ausgestellt. Es sind keine Originale, sondern Gipsabgüsse. Sie wurden 1806 in Paris nach den antiken, originalen Vorbildern angefertigt. Damals gab es die Universität Bern noch nicht, Auftraggeberin war die Academia Bernensis, die die Figuren für den Zeichenunterricht in Bern bestellt hatte.

Originale Bronzestatue

Jetzt, 210 Jahre später, wird die Sammlung einem breiten Publikum zugänglich. Das Institut für Archäologische Wissenschaften zeigt die Abgüsse in der Antikensammlung an der Hallerstrasse (2. UG) in einer Ausstellung, die bis Mitte Januar zugänglich ist. Eine Figur fällt im Ausstellungsraum besonders auf: Es ist der «Boxer vom Quirinal».

Diese Bronzestatue eines muskulösen Faustkämpfers wurde 1885 bei Bauarbeiten am Quirinal in Rom gefunden. Es ist keine Kopie, sondern eine der wenigen original erhaltenen Bronzeskulpturen aus hellenistischer Zeit, die in Bern zu sehen sind. Ergänzt wird die Schau mit einer kleinen aber feinen Sammlung originaler antiker Kleinkunst.

Die Ausstellung zeigt Figuren vom 6. Jh. v. Chr bis circa 3. Jh. n. Chr. Bild: Andreas Blatter

Später eingemottet

Im 19. Jahrhundert fanden Gipsabgüsse antiker Statuen grosse Verbreitung und waren äusserst beliebt. Die beachtliche und gut erhaltene Sammlung der Academia Bernensis gelangte später ins Kunstmuseum. Aber bereits im frühen 20. Jahrhundert wurde sie verschmäht und eingemottet. In den 1970er-Jahren wurden sie am Nydeggstalden der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. 1996 fand sie in den ehemaligen Lagerräumen des Kartenverlages Kümmerli & Frey ihre heutige Bleibe.

Vor nicht langer Zeit erkannte man den Reiz der Abgüsse wieder. Die Antikensammlung Bern dient der Abteilung für die Archäologie des Mittelmeerraumes als Lehrsammlung für Seminare und studentische Projekte. Anhand der Gipsabgüsse bedeutender Werke verschiedener Kulturräume und Epochen lernen Studierende, Kunstwerke zu beschreiben, zu datieren und in ihrem kulturellen Kontext zu deuten.

Darüber hinaus erfährt die Antikensammlung heute regen Zuspruch als Veranstaltungsort für Zeichenkurse verschie­dener Berner Mittel- und ­Hochschulen und als Veranstaltungsort für Sonderausstel­lungen.

Ausstellung: Antikensammlung, Hallerstrasse 12, 2. UG. Offen nur am Mittwoch 18 bis 20 Uhr, oder nach Vereinbarung.

Berner Zeitung

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