Ein Jodlerklub auf Erfolgskurs

Guggisberg

Am Wochenende feiert der Jodlerklub Guggershörnli CD-Taufe. Gleichzeitig kommt es zu einem Dirigentenwechsel: Ueli Zahnd übergibt den Taktstock nach 25 Jahren an Monika Aebischer.

Der Jodlerklub Guggershörnli probt in der Kirche Guggisberg. Am sonntäglichen Jodlertreffen in Riffenmatt wird Monika Aebischer (Dame rechts) den Taktstock übernehmen.

Der Jodlerklub Guggershörnli probt in der Kirche Guggisberg. Am sonntäglichen Jodlertreffen in Riffenmatt wird Monika Aebischer (Dame rechts) den Taktstock übernehmen.

(Bild: Iris Andermatt)

Ein A ertönt. Mit einem Summen folgen die erste, die zweite und die dritte Stimme, und dann, ohne zu zögern, beginnt der Jodlerklub Guggershörnli zu singen. Die 22 Männer und 2 Frauen stehen im Halbkreis da und füllen die Kirche Guggisberg mit ihren Stimmen.

Die Akustik ist hervorragend. Die Singenden geben alles, da ist kein falscher Ton. Nuancen und Rhythmus stimmen, obschon der Dirigent beim Singen einfach Teil des Chors ist, so wie es bei Jodlern üblich ist. Das Lied heisst «Los zue», komponiert hat es Ueli Zahnd, der den Chor seit 25 Jahren dirigiert.

In Jodlerkreisen gilt der Mann als Kapazität. Seine Lieder und Duette werden schweizweit gesungen. «Wir haben aber nicht nur Lieder von mir gesungen, sondern auch von anderen Komponisten», hat er im Gespräch vor der Chorprobe betont.

Erfolgreiche Tonträger

Für diese Probe haben die Jodlerinnen und Jodler die Tracht aus dem Schrank geholt. Die roten Schürzen der beiden Frauen leuchten zwischen den dunkel gekleideten Männern.

Es gilt ernst, die Lieder müssen sitzen, denn am Wochenende wird es festlich zugehen: Am Samstag ­feiert der Jodlerklub in Riffenmatt die Taufe seiner dritten CD namens «Wermi, Troscht u Liebi schänke». Dirigent Ueli Zahnd hofft auf einen ähnlichen Erfolg wie bei der zweiten CD, von der 8000 Stück verkauft wurden.

Am Sonntag nach dem Taufabend findet das Jodlertreffen Schwarzenburgerland statt. Jetzt ist Hauptprobe für das Wochenende. Auf «Los zue» folgt ­«Suechsch nid mängisch o nes Plätzli» – Lieder, in denen Liebe und Freundschaft besungen werden, die Freude an der Natur, an Kühen, am Leben. Kritiker meinen, dass in Jodelliedern die heile Welt heraufbeschworen wird. Das stimmt, stört unter den Jodlern aber niemanden. Wenigstens nicht in Guggisberg. «Bodenständigkeit ist uns wichtig», sagt Dirigent Ueli Zahnd.

«Moderns Gfotz»

Einer der grössten Erfolge von Ueli Zahnd ist das Lied «Das cha nur Liebi si». Ein modernes Jodellied, das, wie Zahnd sagt, «schon fast ein Schlager ist». ­Deshalb habe sein Musiklehrer Ernst Wyler wohl auch entsetzt ausgerufen. «Läck mir, isch das moderns Gfotz!», als er das Lied zum ersten Mal hörte.

«Trotzdem hat er mich immer unterstützt», sagt Zahnd, der vermutet, dass manch älterer Jodler lieber traditionellere Lieder singt als «Das cha nur Liebi si». Die Jüngeren würden hingegen ab und zu modernere Texte und Töne schätzen. Zum Titel meint der Dirigent: «Das Lied habe ich meiner Frau Jris gewidmet, in die ich nach 30 Jahren immer noch ­verliebt bin.»

Das kann, ja, muss Liebe sein, ist man da versucht zu sagen, und kann sich dem Zauber des Lieds nicht entziehen. Wie könnte man dessen letztem Satz «Wermi gäh u Liebi säje, mängem tuet das ärdeguet» widersprechen?

Die Dirigentin ist «Bauer»

Beruflich ist Ueli Zahnd Geschäftsführer bei Coop Schwarzenburg. Da der Laden umgebaut wird, kommt eine strenge Zeit auf den 52-Jährigen zu. «Das ist einer der Gründe, warum ich mein Dirigentenamt in andere Hände lege», sagt er.

Monika Aebischer wird Dirigentin, Ueli Zahnd geht. Bild: Iris Andermatt

Am Sonntag wird Zahnd den Taktstock an Monika Aebischer übergeben, eine der zwei Jodlerinnen im Guggershörnli. Die 31-Jährige hat Erfahrung, dirigiert sie doch schon seit acht Jahren den Jodlerklub Alperösli Schwarzenburg. Auf die Frage nach ihrem Beruf sagt sie: «Ich bin Bauer», eine Antwort, bei der einer Feministin die Haare zu Berge stehen würden.

Monika Aebischer lacht und präzisiert: «Bäuerin sagt man, wenn jemand die hauswirtschaftliche Ausbildung gemacht hat.» Sie sei eben Bauer oder im Fachjargon: diplomierte Landwirtin.

Die junge Frau hat den elterlichen Hof übernommen, fährt Traktor, züchtet und melkt Kühe, mistet den Stall, setzt Zäune, und in der Freizeit dirigiert sie zwei Chöre. Ab nächster Woche wird sie mit einem A den Ton angeben.

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