Zum Hauptinhalt springen

Ein Jässchen in Ehren

Hans Ulrich Schaad ­berichtet vom Bergsommer. An seinem ersten Abend auf der Alp klopfte er einen Jass.

Die Frage kam gegen Ende des Abendessens. «Kannst du jassen?», fragte mich Rosmarie Siegen­thaler. Sie hat vermutlich nicht gemerkt, dass meine Augen zu leuchten begonnen haben. Ich war vor vielen Jahren ein regelmässiger, ja vergifteter Jasser mit den Kollegen aus dem Sportverein.

Zuletzt war das Kartenspiel jedoch zu kurz gekommen, jedenfalls das am Tisch. Am Computer oder am Smartphone messe ich mich hingegen regelmässig. Aber mit echten Jassern sass ich schon lange nicht mehr zusammen. Bei einem solchen Angebot konnte ich also nicht Nein sagen. «Selbstverständlich bin ich bei einem Schieber dabei», sagte ich in die Runde.

Nachdem der Tisch abgeräumt war, holte Rosmarie ­Siegenthaler den Jassteppich, die Karten und die Tafel. Es konnte losgehen. Das Los ­wollte, dass die beiden Frauen Rosmarie Siegenthaler und Martina Lempen gegen die Hansuelis (Siegenthaler und Schaad) antreten. Es begann ein ge­mütlicher Jassabend untermalt mit volkstümlicher Musik von Radio Berner ­Oberland.

Die Frauen hatten einen ­guten Start und deklassierten uns regelrecht. Wir schlugen in den nächsten Partien zurück, dank des Kartenglücks. Mit so vielen Weispunkten, die wir ­notierten, kann man gar nicht verlieren.

Ich weiss nicht mehr, wie viele Partien wir gespielt haben, am Schluss war es wohl aus­geglichen. Wenn man aber den alten Jassspruch «Wer den letzten Stich macht, kann jassen» nimmt, haben die ­Frauen gewonnen. So ging ein ­langer, aber kurzweiliger Jassabend erst gegen 22 Uhr zu ­Ende.

Gleich am ersten Abend habe ich damit einen meiner Vor­sätze missachtet. Ich wollte früh ins Bett gehen, um mich von der anstrengenden Wan­derung erholen zu können. Die Dämmerung hatte inzwischen längst eingesetzt, als ich mich in Richtung Stierenläger begab, wo sich mein Zimmer befindet. Der Mond leuchtete im ­Südwesten des Nachthimmels in seiner fast vollen Pracht.

Ach ja, am späten Freitagabend ist totale Mondfinsternis. Eine besonders lange, erst in hundert Jahren gibt es etwas Vergleichbares. Viel schneller aber wird es wieder einen Jass­abend auf Alp Obriste Morgeten geben.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch